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Lohnunterschied "Frauen holen mächtig gegenüber Männern auf"

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Eine Frau sitzt in ihrem Quelle: dpa

Unterscheidet sich die geschlechtsspezifische Lohnlücke zwischen den Ländern?

Blau: Wir haben in Vergleichsstudien festgestellt, dass institutionelle Arrangements auf dem Arbeitsmarkt einen großen Einfluss auf die Lohnlücke haben. In Ländern, in denen die Gewerkschaften stark sind und hohe Untergrenzen bei Löhnen und Gehältern durchgesetzt haben wie etwa in Schweden, fallen geschlechtsspezifische Lohnunterschiede vergleichsweise gering aus. Der Grund ist, dass Frauen überproportional am unteren Ende der Lohnskala arbeiten und von der Anhebung der unteren Lohngrenzen profitieren.

Sind Frauen denn schlechter qualifiziert als Männer?

Blau: Nein. Vor 20 Jahren verfügten Frauen in den USA im Schnitt über gleichwertige Bildungsabschlüsse wie Männer, aber über weniger Berufserfahrung. Seither haben sie gehörig aufgeholt. Beim Bildungsstand liegen sie bereits vor den Männern. Insgesamt kann man den Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen immer weniger durch Unterschiede im Humankapital erklären.

Suchen sich Frauen häufig Branchen aus, in denen generell schlechter bezahlt wird?

Blau: In den Industrieländern sind Frauen überproportional häufig im Dienstleistungssektor tätig, in dem die Löhne niedriger sind als in dem von Männern dominierten Industriesektor. Vermutlich ist das zum größten Teil auf persönliche Präferenzen zurückzuführen. Aber es kann nicht ausgeschlossen werden, dass ein Teil der Unterschiede auch mit Diskriminierung zu tun hat. Manche Betriebe lehnen es ab, Frauen in traditionellen Männerberufen einzustellen.

Sind Frauen selbst schuld an dem Lohnrückstand, weil sie zu zurückhaltend agieren?

Blau: Untersuchungen zeigen, dass Frauen weniger gern als Männer Gehaltsverhandlungen führen. Zudem gehen sie dem Wettbewerb eher aus dem Weg als ihre männlichen Kollegen. Andererseits hat sich gezeigt, dass Frauen, wenn sie höher bezahlte Berufe bekleiden, auch mehr Wert auf ein ordentliches Gehalt legen.

Was halten Sie von Frauenquoten für die obersten Führungsebenen eines Unternehmens?

Blau: Das ist eine komplizierte Angelegenheit. Der Charme einer Quote besteht darin, mit ihr binnen weniger Wochen das zu erreichen, wofür man sonst 50 Jahre braucht. Allerdings sind Quoten mit dem Risiko verbunden, dass Frauen wichtige Posten bekommen, obwohl sie nicht die dafür erforderliche Qualifikation und Erfahrung besitzen. Daher plädiere ich für freiwillige Anstrengungen der Unternehmen.

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