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Management Frauen verzweifelt gesucht

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Und es wird in absehbarer Zeit kaum besser, so das Ergebnis einer Umfrage der WirtschaftsWoche unter Deutschlands größten Unternehmen: Mehr als 70 Vorstandsverträge, das zeigen Recherchen der renommierten Personalberatung Amrop Delta, laufen bei den Dax-30-Unternehmen in den kommenden zweieinhalb Jahren aus. Sie könnten also mit Frauen besetzt werden.

Und tatsächlich ist nicht auszuschließen, dass beispielsweise bei Kaufhof ab Anfang 2013 auf den dann ausscheidenden, langjährigen Chef Lovro Mandac mit der derzeitigen Marketingchefin Claudia Reinery eine Frau folgt. Bei Henkel wiederum werden Tina Müller, derzeit verantwortlich für das gesamte Haar-, Gesichts- und Mundpflegegeschäft, durchaus Chancen auf die Nachfolge von Kosmetikvorstand Hans Van Buylen eingeräumt. Dessen Vertrag endet Mitte 2013.

Keine großen Sprünge erwarten

Auch könnten Metro, ThyssenKrupp, RWE und Daimler ihr Personalwesen in absehbarer Zeit einer Frau anvertrauen. Beim Stuttgarter Autokonzern werden Angela Titzrath-Grimm, gerade in die Geschäftsführung der Bussparte für den Bereich Marketing, Vertrieb & Aftersales aufgestiegen, gute Chancen eingeräumt, Personalvorstand Wilfried Porth zu beerben – vorausgesetzt, extrem männerlastige Gewerkschaften wie die IG Metall geben im Berufungsverfahren durch den Aufsichtsrat ihr Plazet.

Dass aber eine Frau Stahlvorstand bei ThyssenKrupp wird (Branchenjargon: „Stahl ist Männersache“) oder sich gar an der Spitze von Deutscher Bank oder Triebwerkshersteller MTU in wenigen Jahren Frauen wiederfinden, halten zahlreiche der befragten Headhunter nach wie vor für ausgeschlossen.

Heißt aber in der Bilanz: Um zumindest bei den Neubesetzungen die angestrebte Frauenquote von 30 Prozent zu erreichen, müssten sich bei mindestens 23 Ausschreibungen Frauen durchsetzen. Eine halbwegs reelle Chance, in die Top-Etage aufzurücken, wird von den Headhuntern aber gerade einmal 13 Frauen eingeräumt. Damit kämen allein die Dax-Unternehmen lediglich auf einen Frauenanteil von 17 Prozent.

Und in den kleineren börsennotierten Unternehmen sieht es laut der Frauenförder-Initiative Fidar kaum besser aus: Zwar ist im Schnitt jeder achte Aufsichtsratsposten mittlerweile mit einer Frau besetzt. Große Sprünge darf man aber nicht erwarten.

Beispiel Hornbach. Bei der Baumarktkette sind 44 Prozent der insgesamt 13 000 Beschäftigten weiblich und 18 Prozent der Führungskräfte Frauen. Hornbach ist zudem das einzige deutsche Baumarktunternehmen mit einer Frau im Vorstand: Susanne Jäger verantwortet das gesamte Sortiment beziehungsweise den strategischen und operativen Einkauf und steht damit dem größten Ressort des Konzerns vor.

Doch bei dem Vorsprung will es das Unternehmen offenbar vorerst belassen: Zwar werde über den Bau eines Betriebskindergartens nachgedacht. Aber „gezielte Frauenförderung“, lässt das Unternehmen mitteilen, „betreiben wir nicht“.

Im Gegensatz etwa zur Deutschen Bahn, die vor zwei Jahren gar eine Rolle rückwärts hinlegte und nach dem Ausscheiden von Margret Suckale mit Ulrich Weber wieder einen Mann zum Personalvorstand machte. Die Wahrscheinlichkeit, dass Technikvorstand Volker Kefer im kommenden Jahr oder Finanzvorstand Richard Lutz 2013 durch eine Frau ersetzt werden, geht gegen null.

„In einem derart männlich dominierten Umfeld“, sagt ein renommierter Headhunter unter der Hand, „haben Frauen auch auf längere Sicht wenig Chancen zum Aufstieg.“

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