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Management Raus aus der Perfektionismusfalle

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Ein Vater mit seinem Sohn

Problematisch wird diese Haltung jedoch da, wo sie in Kompromisslosigkeit mündet. Dort, wo jeder Schritt in immer feinere Teilschritte zerteilt und optimiert wird. Dann hält Perfektionismus auf und mündet in einen Tunnelblick. Die Suche nach Perfektion – sie wird dann zur ewigen Jagd, die niemals endet. Oder sorgt dafür, dass man sich an einmal Erreichtem nicht mehr freuen kann. Egal, was man schafft, es ist nie genug.

Nicht selten wird eine solche Attitüde oft noch flankiert durch Verbissenheit, Kontrollwut, Rechthaberei und viel zu hohen Erwartungen. So entsteht leicht eine Abwärtsspirale aus Streben und Scheitern.

So mancher Perfektionist stellt derart übertriebene Ansprüche nicht nur an sich, sondern auch gleich noch an seine Mitmenschen – an Mitarbeiter, Kollegen, Freunde, den Partner. Wer jedoch beispielsweise als Chef anderen ständig das Gefühl gibt, nicht gut genug zu sein, nur herumnörgelt und nie zufrieden ist, macht sich nicht nur unbeliebt, sondern lähmt auf Dauer das gesamte Unternehmen.

Selbst gemachter Frust

Seit Jahren nimmt der psychische Druck auf Arbeitnehmer in Deutschland zu. Laut einer AOK-Studie haben die Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen seit 1994 um mehr als 80 Prozent zugenommen. Bereits elf Prozent der Krankheitstage gehen auf ihr Konto – nahezu doppelt so viele wie noch Mitte der Neunzigerjahre.

Erst vorvergangene Woche veröffentlichte das Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen eine Studie, wonach die Arbeitszufriedenheit in Deutschland einen Tiefststand erreicht habe – seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1984. Im internationalen Vergleich erzielt Deutschland damit sogar einen besonders schlechten 18. Platz. Nur noch in der Slowakei, der Ukraine, in Bulgarien und Russland sind die Beschäftigten unglücklicher im Job als hierzulande.

Eine Hauptursache dafür ist die zunehmende Arbeitsverdichtung: Belegschaften werden verkleinert, die Anforderungen an den Einzelnen aber steigen. Die Arbeit verteilt sich auf immer weniger Schultern.

Hinzu kommt das Verschwinden der Privatsphäre. Die permanente Erreichbarkeit über moderne Handys und das Internet lässt kaum noch erkennen, wo die Arbeitszeit endet und der Feierabend beginnt.

Viel von dem steigenden Druck ist aber auch selbst gemacht. Der dokumentierte Wunsch, alles perfekt machen zu wollen, soll mancher Karriere erst den entscheidenden Kick geben. Solche Leute gelten als engagiert, leistungshungrig und verlässlich. Eigenschaften, die jeder Chef schätzt. Nach der Devise "höher, weiter, schneller" klettern viele freiwillig ins Hamsterrad, streben nach Superlativen und versuchen sich und anderen etwas zu beweisen.

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