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Management Raus aus der Perfektionismusfalle

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Ein gestresster Mann

Nur was eigentlich? Und wem? Und überhaupt: Wann und womit wäre es endlich bewiesen?

Tatsächlich verbergen sich hinter der Perfektionssucht häufig Unsicherheit und das unerfüllte Verlangen nach Beachtung oder Beifall und der Versuch, sich vor Schimpf und Schande zu schützen. Perfektionisten sind willensstarke Menschen mit harter Schale, aber oft sensiblem Kern.

Der zweite Fehler der Perfektionisten: Sie denken in Schwarz-Weiß-Kategorien. Wer nicht perfekt ist, wird automatisch zum Verlierer. Bei dieser Sicht erhalten aber menschliche Fehler ein zu großes Gewicht. In Japan dagegen weiß man die Segnungen des "Wabi-Sabi" zu schätzen – der Kunst, Schwächen zu akzeptieren, sich nichts beweisen zu müssen und die Schönheit im Unvollkommenen zu finden.

Vor allem Frauen stehen heute in der Gefahr, unglückliche Perfektionistinnen zu werden. Über die Jahre haben sie gelernt: "Ich muss besser sein als die Männer, um aufzufallen und aufzusteigen." Doch während sie sich quälen und zu einer Höchstleistung nach der anderen treiben, ziehen die Männer souverän und entspannt an ihnen vorbei. Deren Credo: Wozu die Anstrengung, wenn sich mit 80 Prozent dasselbe Ergebnis erreichen lässt?

Keine 100-prozentige Marktperformance

Natürlich geht es nicht darum, künftig nur noch halbe Sachen zu machen. Es ist nichts Falsches daran, hohe Ansprüche an sich und andere zu stellen. Die 80 Prozent, mit denen man an den Start geht, müssen immer noch besser sein als der Marktdurchschnitt, findet etwa App-Entwickler Jekel. Auch ohne Optimallösung müsse es einen echten Mehrwert geben. Aber, das betont er auch: "Auf viele gute Ideen wären wir nie gekommen, hätten wir die Kunden nicht früh in den Entwicklungsprozess eingebunden."

Die Qualität muss nicht zwangsläufig leiden, nur weil einer weniger als 100 Prozent anstrebt. Wer in ein Flugzeug steigt oder sich auf einen OP-Tisch legt, darf zu Recht 100-prozentige Sicherheit und einen Perfektionsanspruch aller Beteiligten erwarten. In vielen anderen beruflichen Bereichen aber schießt ein solcher Ehrgeiz über das Ziel hinaus.

"Es ist eine Illusion, zu glauben, dass man in der Theorie ein Produkt entwickeln könnte, das 100-prozentig am Markt performt", sagt auch Jens Grützmacher. "Ein Produkt, genauso wie eine Dienstleistung, kann erst am Markt zur Perfektion reifen – ohne diese Impulse geht das nicht."

Grützmacher ist seit sieben Jahren selbstständiger Personalberater in Hamburg. Davor hat er als Geschäftsführer ein führendes Unternehmen in der Ernährungsbranche geleitet, das er lieber nicht nennen will. Denn: "Damit das neue Produkt später am Markt reüssiert, muss man seinen Kunden auch zuhören wollen." Das aber machten eben nur wenige.

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