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Maßkleidung So viel Maß für wenig Geld

Was taugt Maßkleidung für kleines Geld? WiWo-Redakteur Jan Guldner macht den Test. Quelle: Patrick Schuch für WirtschaftsWoche

Maßkleidung ist mittlerweile auch für Normalverdiener erschwinglich. Doch nicht jeder Anbieter hält, was er verspricht. Ein Selbstversuch.

Ein Hemd von der Stange zu finden, das wirklich gut sitzt, ist eine Herausforderung. Und wenn man sich in deutschen Büros so umsieht, gelingt das auch nicht jedem. Manche sehen aus, als müssten sie noch in ihre Stoffhüllen reinwachsen. Bei anderen bräuchte man ein scharfes Werkzeug, um sie wieder rauszuschneiden.

Die Lösung liegt darin, sich die Kleidung individuell auf den Leib schneidern zu lassen. Sieht besser aus, fühlt sich besser an.

Ein weiterer Vorteil ergibt sich aus einer Studie des Psychologen Neil Howlett von der Universität von Hertfordshire im Jahr 2013. Ein Mann im Maßanzug wirkt demnach auf Beobachter signifikant selbstbewusster, erfolgreicher, besserverdienender und flexibler als der gleiche Mann im Anzug von der Stange.

Endlich reich und erfolgreich aussehen, wer will das nicht? Das Problem war früher bloß: Man musste wirklich reich und erfolgreich sein, um sich den Spaß leisten zu können.

Wie schön, dass die Digitalwirtschaft einen Weg gefunden hat, Luxus zu vergünstigen. Apps und Gadgets spielen bereits Chauffeur, Butler oder Personaltrainer. Warum nicht auch Maßschneider?

Derzeit gibt es vor allem zwei Anbieter, die Maßkleidung mithilfe von Technologie erschwinglich machen wollen. Da wäre zum einen der größte japanische Online-Modehändler Zozo, der mit seiner viraltauglichen Vermessungstechnik, dem Zozosuit, im Netz für Aufsehen gesorgt hat. Zum anderen gibt es den französischen Anbieter Atelier NA, der in mittlerweile vier Filialen in Deutschland Maßkonfektion anbietet.

Aber was taugen die dortigen Schnitte wirklich? Ich probiere es beim Hemdenkauf aus.

Der Start

Schon am Anfang meines Weges aus dem modischen Mittelmaß muss ich meine Würde abgeben: Ich stehe in einem hautengen, schwarzen Ganzkörperanzug mit weißen Punkten, den Zozo seinen Kunden kostenlos zuschickt, vor einer weißen Wand und drehe langsam eine Pirouette. Dabei filmt mich die App des Modehändlers. Dein Körper ist einzigartig, hatte sie mir davor gesagt – wie auch immer das gemeint ist.

Mit meinem einzigartigen Körper werde ich dann weitgehend alleine gelassen. Beratung oder Empfehlungen gibt es nicht. Ich scrolle selbst durch das Angebot: Es gibt Basics wie Jeans, Pullover aus Merinowolle und einfache T-Shirts. Außerdem ein Oxford-Hemd, das „Kenner schätzen werden“.

Die App spart auch sonst nicht an großen Versprechungen und Superlativen. Die „revolutionäre“ Technologie arbeite „akkurater als ein menschlicher Schneider“.

Quelle: Patrick Schuch für WirtschaftsWoche

Und bei Atelier NA? Der Nachteil gegenüber Zozo: Ich muss meine Wohnung verlassen, um mir dort ein Hemd auf den Leib schneidern zu lassen. Der Vorteil: Während man sich im Zozosuit schämt, fühlt man sich bei Atelier NA ein bisschen besonders. Man vereinbart online einen einstündigen Beratungstermin im schicken Ladenlokal. Ein Mitarbeiter vor Ort führt durch den Kauf. In meinem Fall: Store-Manager Jan-Paul.

Er weiß, was man tragen kann und was nicht. Er führt durch die gesamte Kollektion von Hemd über Mantel bis Anzug, erklärt die Unterschiede zwischen Stoffen, kennt ihre Herkunftsorte – kurz: er weiß, wovon er spricht. Dazu gibt es Wasser, Kaffee und Ruhe.

Die Vermessung

Nachdem ich mich für Zozo in die gepunktete Wurstpelle gezwängt habe, drehe ich mich also langsam im Uhrzeigersinn. Meine Handykamera zeichnet die Position der 400 Messpunkte auf meinem Anzug auf. Innerhalb weniger Minuten erstellt sie ein 3D-Modell meines Körpers.

Ich kann mir fortan in der App meinen Bauchumfang millimetergenau anzeigen lassen oder mich über die Tatsache wundern, dass mein rechter Arm fünf Zentimeter dicker ist als mein linker.

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