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Maßkleidung So viel Maß für wenig Geld

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Wie in einem Körperscanner am Flughafen

Bei Atelier NA trete ich zur Vermessung durch einen grauen Vorhang. Dahinter liegt eine Kabine mit zwei Fußmarkierungen auf dem Boden, wie in einem Körperscanner am Flughafen. Man muss sich ausziehen bis auf Unterhose und Socken und dann auf die Markierung stellen. Vor mir drei Kameras, hinter mir drei Kameras.

Es flackert kurz in der Kabine, in dieser Zeit haben die Geräte angeblich 200 einzelne Messungen gemacht. Manager Jan-Paul nimmt noch vier Maße von Hand, die der Scanner nicht abbilden kann. Sollte die Technik einmal ausfallen, sagt er, können alle Mitarbeiter auch den ganzen Körper mit dem Maßband vermessen.

Die Personalisierung

Bei Zozo hat man wenige Möglichkeiten: An einzelnen Maßen wie der Kragenweite oder der Länge kann man selbst noch ein paar Zentimeter verändern, der Grundtyp des Hemdes ist aber immer gleich: Ein schlichtes Oxford-Shirt, dicker Stoff, Button-down-Kragen. Der Preis: 49 Euro. Das ist kein Nachteil. Denn die Flut an Optionen, die man dagegen bei anderen Anbietern hat, könnte den ein oder anderen überfordern.

Bei Atelier NA zum Beispiel würde ich ohne die Hilfe von Jan-Paul nicht weiterkommen. An einem Hemd kann man nämlich ziemlich viel verändern, wenn man nur will. Es gibt verschiedene Kragenoptionen, Manschettenvarianten, Knopfleisten und Knöpfe. All das kann man im Laden auch gleich anschauen und anfassen.

Ich nehme einen klassischen, weißen Stoff, ein Hemd daraus kostet 89 Euro. Dazu Haifischkragen, einfache Manschette und Perlmuttknöpfe. Wichtiger ist die Passform: „Eng, aber nicht vernichtend“, sagt Storemanager Jan-Paul.

Er hat recht mit seiner Empfehlung. Die Baumwollhemden sind ohne Stretchstoff geschneidert. Ein bisschen Bewegungsspielraum braucht man also. 80 Prozent der Leute ließen sich außerdem ihre Initialen einsticken, sagt Jan-Paul. Ein Signal an die Kenner: Ich trage Maß.

Die Passform

Bei Zozo warte ich sieben Wochen auf das Paket, bei Atelier NA kann ich das Hemd schon nach vier Wochen abholen. Entscheidend ist natürlich das Produkt. Passt es besser als Stangenware? Oder würde ich mit einem Durchschnittshemd besser fahren?

Die Ergebnisse sind eindeutig: Als ich das Hemd von Atelier NA im Laden abhole, passt es perfekt.

Als das Paket aus Japan endlich ankommt, frage ich mich dagegen, warum ich mich überhaupt in den peinlichen Anzug gequetscht habe. Das Zozo-Hemd hat an manchen Stellen zu viel Stoff, die Schultern dagegen sind zu eng. Insgesamt ist es zu kurz, genauso wie das T-Shirt und die Jeans, die ich testweise mitbestellt habe. Als Hemd unter einem Wollpullover würde ich es tragen, als einziges Kleidungsstück wäre es mir unangenehm.

Tests von Kollegen zeigen: Nicht nur mir ging es so.

Das Fazit

Maßkonfektion wie die von Atelier NA lohnt sich. Das Anpassen macht Spaß, das Hemd passt und der Preis stimmt auch. Die Zozo-Ware enttäuscht dagegen. Das Maßnehmen mit gepunktetem Zozosuit wirkt im Nachgang wie ein Marketinggag: Zu schön, um wahr zu sein.

Die Maßkonfektion von Atelier NA sitzt. Quelle: Patrick Schuch für WirtschaftsWoche

Bald werden die Anzüge nicht mehr verschickt – laut CEO Yusuka Maezawa habe das Unternehmen genügend Daten von den Körpern der bisherigen Teilnehmer sammeln können, dass es mittlerweile in der Lage wäre, alleine mit Körpergröße und Gewicht passende Kleidung herzustellen.

Ich habe Zweifel daran.

Wie Onlinehändler mit Bodyscannern und Algorithmen die Körper ihrer Kunden vermessen - und was sie sich davon versprechen, lesen Sie in der WirtschaftsWoche-Geschichte „Die Vermessung des Körpers“.

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