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MBA Studenten auf Weltreise

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Executive MBA: Immer mehr Quelle: AP

Grundsätzlich haben Führungskräfte die Wahl zwischen starren und flexiblen Programmen. Die französische Top-Schule Insead etwa wirbt mit einem festgezurrten Programm. Ihr EMBA findet an zwei Standorten statt. So verbringen die derzeit 74 Teilnehmer acht Wochen auf dem europäischen Campus in Fontainebleau bei Paris und vier Wochen auf dem Campus in Singapur. Damit sind die Auslandsstationen vorab festgelegt.

Anders die ESCP-EAP. Die Studenten absolvieren nur die Kernkurse gemeinsam, wahlweise an einem der fünf Standorte der Hochschule in Berlin, Paris, London, Madrid und Turin. Die Wahlkurse finden dann jeweils nur an einem Standort statt. Nachteil: Die Klasse wird zerrissen und kommt nur wieder bei fünftägigen Blockveranstaltungen in Paris, Brüssel und Austin zusammen. Was oftmals wie eine nette Reise um den Globus klingt, ist knallharte Büffelei. „Gerade EMBA-Studenten stehen sowieso schon unheimlich unter Druck, weil sie das Studium mit ihrem stressreichen Job koordinieren müssen“, sagt Bernadette Conraths, Direktorin des Kellogg-WHU Executive MBA Programm. Dazu kämen die Reisekosten.

Bei guten Programmen profitieren die Teilnehmer vom Unterricht durch die jeweils besten Professoren der beiden Schulen. Wichtig ist daher, dass die beteiligten Schulen auch wirklich ihre eigenen Professoren einbringen. Experte Naert geht sogar noch einen Schritt weiter. Für den TiasNimbas-Direktor genügt es nicht, dass die Professoren nur eine Vorlesung halten. „Sie müssen auch zwischen den Modulen für Nachfragen zur Verfügung stehen.“

Hinzu kommt: Je besser die Professoren mit dem jeweiligen Land vertraut sind, desto mehr profitieren die Teilnehmer. So lehren auf dem Singapur-Campus von Insead 43 Vollzeitprofessoren. „Die haben alle Erfahrungen und ständige Kontakte mit Unternehmen und Managern vor Ort“, sagt Insead-Dean Frank Brown. Keine andere Top-Schule hat eine derartige Präsenz an zwei Standorten. Ein anderes Modell verfolgt die Chicago Graduate School of Business. In dem Programm unterrichten ausschließlich eigene Professoren, egal, ob in Chicago, London oder Singapur. Auch wenn Chicago bekannt ist für seine exzellenten Professoren, die meist auch über internationale Erfahrungen verfügen, dürfte das Programm eher US-lastig sein. Eine deutliche US-Dominanz gibt es auch beim Duke Goethe Executive MBA in Frankfurt. Fast 70 Prozent der Professoren kommen vom US-Partner Fuqua School of Business an der Duke University. Grund: Den meisten deutschen Professoren fehlt Erfahrung im Unterrichten von erfahrenen Managern.

Ein Besuch des Campus, ergänzt durch eine Stadtrundfahrt zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten – solche Auslandstrips fallen unter die Kategorie „akademischer Tourismus“, bei der die Business School vor Ort vor allem als logistischer Dienstleister fungiert. Das Auslandsprogramm sollte sich jeder Interessierte daher vorher genau anschauen, bevor er sich für einen teuren Executive MBA entscheidet. Beim Duke Goethe MBA in Frankfurt etwa reisen die Teilnehmer zwar auf den Campus der US-Partnerschule, kommen dort aber nicht einmal mit anderen Duke-Studenten zusammen. Ein erhebliches Manko.

Was zählt, ist der Kontakt zu einheimischen Experten. Das ist zum Beispiel beim zweijährigen Kellogg-WHU Executive MBA der Fall. Für zwei Wochen gehen die Studenten an den Campus von Kellogg in Chicago. Später folgt eine weitere Woche an einer Partnerschule ihrer Wahl. So besteht das achttägige Modul in Hongkong etwa aus drei Tagen Unterricht, zweieinhalb Tagen Firmenbesuchen und abschließend noch einmal zweieinhalb Tagen Unterricht.

Doch damit nicht genug. WHU-Managerin Conraths kündigt weitere Innovationen an: Künftig sollen die Teilnehmer bereits ein halbes Jahr vor dem Auslandstrip beginnen, im Team ein Projekt für ein lokales Unternehmen zu bearbeiten und ihre Ergebnisse dann mit Top-Managern der Firma vor Ort zu diskutieren.

So machen es die Schweizer Universität St. Gallen und die kanadische Rotman School of Management bei ihrem gemeinsamen Omnium Global Executive MBA schon seit Jahren. Die Wirtschaftsuniversität Wien und die Carlson School of Management gehen sogar noch einen Schritt weiter. Zweieinhalb Wochen verbringen die Teilnehmer des EMBA in den USA und treffen dort die Mitglieder ihres virtuellen Teams aus den USA, China und Polen. Gemeinsam haben sie zuvor einen Business Plan erarbeitet, den sie als Abschlussarbeit präsentieren. Die Aufgabe besteht stets darin, entweder ein neues Produkt zu lancieren oder ein bereits existierendes Produkt in einem neuen Markt einzuführen.

Wie wertvoll die interkulturelle Zusammenarbeit ist, bestätigt auch Absolvent Neumann. „Heute weiß ich zum Beispiel, dass Südländer im Gegensatz zu uns Deutschen, Abmachungen nicht mehr bestätigen“, sagt der Verkaufsleiter. „Die fangen einfach mit der Aufgabe an. Wenn man nichts mehr hört, dann bedeutet das Zustimmung.“

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