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Mehr Erfolg mit Englisch
Außenministerin Annalena Baerbock macht es vor: Ein deutscher Akzent ist kein Problem. Quelle: imago images/photothek

Erkennt man gutes oder schlechtes Englisch an einer deutschen Aussprache?

Außenministerin Annalena Baerbock macht es vor: Ein deutscher Akzent ist kein Problem. Trotzdem kommt es manchmal auf den richtigen Ton an.

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Als Kolumnist für unseren Umgang mit der englischen Sprache werde ich immer wieder gefragt, ob der deutsche Akzent ein Problem sei. Dies umso mehr, seitdem er von unserer Außenministerin in die Welt getragen wird – was einige Leute peinlich finden, während Annalena Baerbock darüber Witze macht.

Was ich dann immer antworte, gilt für Ministerinnen und Minister genauso wie für alle anderen Menschen, die unsere Muttersprache sprechen: In einem perfekten englischen Akzent besteht keine Leistung!

Was soll das überhaupt sein: „der perfekte englische Akzent“? Schon die Vorstellung, dass ein bestimmtes Englisch richtig sei, ist ein verbreiteter Irrtum. Denken Sie nur an den letzten Buchstaben im Alphabet, den Briten [säd] und US-Amerikaner [sie] aussprechen. Oder die „Garage“, die Briten [gärrädsch] nennen, was in meinen Ohren irgendwie amerikanischer klingt als [ga'rahsch], der Autoschuppen in den USA.

Klar, als „Ze Germans“ haben wir typische Macken – ganz vorne der Laut th, mit dem wir uns dann noch abmühen, wenn er einfach wie „t“ ausgesprochen wird: in Namen wie Theresa, Thomas oder Thames. Für das gefürchtete „Tie-äitsch“, ein sogenannter Reibelaut, können Sie sich merken: Er ist entweder „stimmlos“ und klingt beinahe wie „f“, zum Beispiel in thanks oder theater/theatre. Oder er ist „stimmhaft“ und klingt beinahe wie „d“, zum Beispiel in the, this oder that.
(Lesen Sie auch: Was wir aus dem Kauderwelsch von Christian Lindner und Co. lernen können)

Schwierigkeiten bereiten uns auch die englischen Laute v und w, die wir zwar beherrschen, aber oft nicht an der passenden Stelle. Um zu vermeiden, dass Victoria drinks whisky wie „Wiktoria drinks visky“ klingt, merken Sie sich:

1. Das englische v wird gesprochen wie unser w. Der US-Musiker Kurt Vile – was kein Künstlername ist – tritt damit rein phonetisch in die Fußstapfen des deutschen Komponisten Kurt Weill.

2. Das englische w wird gesprochen wie „uer“ im deutschen „Bauer“ oder wie das o in one. Mercedes ist darauf besonders eindrucksvoll abgefahren und hat mit „Formula Won“ gewissermaßen den Gegencheck geliefert: wie one nicht klingen darf.

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    Ein anderes kleines Problem entsteht mit Buchstaben, die wir im Deutschen gewohnt sind, während sie im Englischen weggelassen werden: sogenannte silent letters. Das bombigste Beispiel ist bomb – gesprochen [bomm]. Ähnliche Wörter sind etwa dumb, debt oder doubt – [damm], [dett], [daut].

    Auch die englischen Buchstaben g, k und n werden gelegentlich ausgelassen: Wir kennen es von sign, knowhow oder dem verdammten damn. Dasselbe gilt auch für paradigm [paradaim], knitwear [nitt uer] oder column [kollum].

    Doch ganz egal, ob Englisch, Deutsch oder Kisuaheli: Ich halte nichts davon, Sprachkenntnisse daran festzumachen, ob man bestimmte Laute (nach)bilden kann, die andere in der Kindheit gelernt haben. Niemand kann diesen Vorsprung ab einem bestimmten Alter aufholen. Vom Gegenteil auszugehen, ist eine Form der Diskriminierung von Erwachsenen, die sich die Mühe machen, eine neue, fremde Sprache zu sprechen. So wenig wir diese Haltung gegenüber Fremden in Deutschland, Österreich und der Schweiz einnehmen sollten, so viel Toleranz hat auch unser Englisch verdient.

    Kritik ist deshalb nur dann gerechtfertigt, wenn die Aussprache in einer Weise verunglückt, dass sie unfreiwillig komisch klingt oder gar Missverständnisse erzeugt. Ein Beispiel schrieb mir neulich ein Leser, der darauf hinwies, dass der „Bezahlkumpel“ Paypal, der [päi'päl] gesprochen wird, in Deutschland oft klingt wie der „PayPaul“.

    Auch in einigen anderen Fällen kommt es auf den richtigen Ton an. Wenn wir ...

    … die lounge [launsch] zum launch [lohnsch] machen, so dass es klingt, als seien wir etwa auf einer Abschussrampe für Raketen, nicht in einem Warte- oder Aufenthaltsbereich.

    … uns an den Beckenrand begeben und von der „Pool Position“ sprechen, obwohl wir eine ideale Ausgangslage oder Startposition haben: a pole [poul] position.

    … die Nachspeise verwüsten und statt dessert [die-söht] desert [AE dässärt; BE dässät] bestellen.

    body [AE bah’dy; BE boddy] wie buddy [baddy] klingen lassen und umgekehrt. Auf diese Weise verwandeln wir das „Duschgel“ – body wash – und die „Körpercreme“ – body lotion – zu fragwürdigen Substanzen, mit die meisten Buddys wahrscheinlich nichts anfangen können.

    … den „Kalender“ – the calendar [AE källinda; BE kallinda] zum „Kochsieb“ – colander [kallanda] erklären. Das Problem lässt sich leicht aus der Welt schaffen, da es für die Terminplanung ohnehin gängiger ist vom diary [daiari] zu sprechen. Solange wir sie nicht mit dairy [dähri] verwechseln – ein „Milchprodukt“.

    … Gäste empfangen und es kaum wie eine Begrüßung klingen lassen, sondern wie eine Ausladung: „You are hardly welcome!“ statt You are heartily welcome!

    … den „Bass“ erklingen lassen, aber nicht [bays], sondern [bahs] sagen, was nach bars klingt. Dasselbe gilt für die Bestellung des Fischs namens bass – der „Barsch“.

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    Bleibt mir noch, meine persönlichen Stolperwörter zu beichten, wenigstens zwei davon.

    1. Das eine mahnt mich, dass ich es dazu niemals bringen werde: a yacht! Amerikaner sagen [jatt], Briten [jott].

    2. Auf das andere bin ich erst durch Covid aufmerksam geworden, als ich mit meinem TelefonJoeker Joe über die verschiedenen Varianten des Virus' sprach – the different Covid variants. Freundlich wie immer erklärte er mir, dass variant entweder [wärriänt] oder [währiänt] ausgesprochen wird. Meine Variante „wä'raiänt“ hatte er einfach nicht verstanden.

    Mehr zum Thema: So werden Sie auch auf Englisch souverän

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