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Mehr Erfolg mit Englisch
„Let’s become concrete!“ – konkrete Tipps, um solche englischen Patzer zu vermeiden Quelle: imago images

„Let’s become concrete!“ – konkrete Tipps, um solche englischen Patzer zu vermeiden

Wie sollen englischsprachige Gesprächspartner schlau aus unseren Worten werden, wenn wir „werden“ immer mit „to become“ übersetzen – ohne dabei rot zu werden oder ohne vor der eigenen Einbetonierung zurückzuschrecken?

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Wer in der Schule ein bisschen aufgepasst hat und regelmäßig Englisch spricht, weiß, dass das Verb to become nicht das bedeutet, was die deutsche Muttersprache zunächst diktieren will. Es wäre zum Beispiel totaler Humbug zu behaupten: „My friend becomes a baby“ – jedenfalls dann, wenn die Freundin (oder der Freund) nicht das Schicksal von Benjamin Button teilt. Sie erinnern sich vielleicht an die Kurzgeschichte von F. Scott Fitzgerald, die mit Brad Pitt verfilmt wurde. Der Mann kommt als Greis zur Welt und wird tatsächlich langsam zum Baby: He is born as an old man and becomes a baby by the end of his life!

Unter den ganz normalen Bedingungen unserer Existenz sind selbstverständlich auch die folgenden Sätze ohne
Sinn:

– „Can I become a steak?“
– „We become five beers!“
– „The steak and the beer do not become me.“

Nun will ich nicht behaupten, dass es noch oft zu solchen wortwörtlichen Übertragungen des englischen become ins Deutsche kommt – im Gegenteil! Ich halte diesen unter Sprachforschern auch „falscher Freund“ genannten Fehler für beinahe ausgestorben. Gäbe es ein Robert-Koch-Institut für Sprache, könnte es melden, dass wir als Denglische Patienten nach vielen Generationen endlich eine Resistenz gegen das alte become-Virus entwickelt haben.

Allerdings nehme ich eine Reihe Folgeerkrankungen wahr! Mit ihnen möchte ich mich einmal genauer beschäftigen. Denn sie ergeben sich direkt aus der Immunität.

So erlebe ich immer wieder Patienten, die noch einen verständlichen Ersatz für „become“ suchen. Sie sagen zum Beispiel „My friend receives a baby“, „gets a baby“ oder „has a baby“ – obwohl in ihrem Sinne nur der folgende Satz verständlich wäre: My friend is having a baby. Er bedeutet, dass sie das Kind gegenwärtig, also in einem anhaltenden lääängeren Moment bekommt.

Dieselbe Formulierung funktioniert auch bei Tisch: I am having a steak oder We are having five beers! Das geht auch ohne zu bestellen: I am having lunch (in diesem Moment), I have breakfast (jeden Morgen) oder Yesterday, we had steak for dinner. Größere Schwierigkeiten bereitet den Gästen unterdessen die Bekömmlichkeit, jedenfalls sprachlich. So seltsam und geschwollen es klingen mag, so gängig ist es zu sagen: The steak and the beer don’t/didn’t agree with me.

Darüber hinaus erlebe ich eine andere Gruppe von Denglischen Patienten, die aus einem anderen Grund mit to become hadern. Offenbar wurde ihnen so erfolgreich eingeimpft, dass Lebewesen und Dinge dadurch ihren Zustand verändern und „zu etwas werden“, dass dieser Transformationsprozess in ihrem Sprachzentrum vor nichts mehr halt macht – nicht einmal davor sich selbst in Milch oder einen Betonkopf zu verwandeln: „I become sour“ oder „Let‘s become concrete!“ (nur auf der ersten Silbe ausgesprochen ist concrete der Beton) Lassen Sie uns deshalb hier und heute konkret werden – let‘s get down to business and learn how to use „become“ correctly. Dafür muss man wissen, dass es im Englischen drei weitere Hauptverben gibt, die ausdrücken, was unser „werden“ ist:

to turn (sich (ver)wandeln, verändern: to turn red as a tomato, to turn pink, to turn into gas/profit/stone, to turn 40, etc.)
to get (etwas erhalten oder erreichen: to get angry, to get better, to get tired, to get hired, to get fired, to get cheaper, etc)
to go (meistens in nachteilhaften Situationen: to go bad, to go crazy, to go ballistic, to go red in the face)

Apropos „rot werden“ – was ja bei allen sprachlichen Verwirrungen leicht passieren kann. Während es nie als „become red“ existiert, kann es in allen oben genannten Varianten ausgedrückt werden. Noch englischer ist es allerdings, es direkter auszudrücken und auf passive Konstruktionen vollständig zu verzichten:

he reddens
she blushes; she makes me blush (aus Scham und Verlegenheit; nicht als medizinischer Befund)
They flush; their faces flush (wie to blush und medizinisch). Wichtig ist auch, to flush nicht mit to flash zu verwechseln – it must not be confused with the activity of people who we call in a pseudoenglish fashion „Blitzer“: Menschen, die sich vor anderen entblößen.

Darf ich an dieser Stelle kurz fragen, ob Sie schlau werden aus meinen Ausführungen? Does that make any sense (to you)? Will man hingegen aus einer Person schlau werden, sagt man: I am trying to make sense of that person.

Bei aller Vorsicht, gilt es aber auch festzuhalten, dass to become ein nützliches und verbreitetes Wort ist, wenn die Welt komplexer, die Problemes bedeutender, die Geheimnisse bekannt, die Thematik langweilig oder gar zu Last werden – when the world becomes more complex, the issues become more relevant, the secrets become apparent, the subject matter becomes boring and burdensome.
Und immer gilt: The English language becomes more difficult, tricky and wayward, the better you speak it! Oder wie mein englischer Freund Joe sagt: The better one's English, the more difficult it becomes to speak.

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Und je penibler meine Sprachkritik wird – the more scrupulous my criticism gets –, desto mehr muss ich mir sagen lassen, dass es nachteilhaft für mich werden könnte: Peter, your scrupulousness doesn‘t become you! Ich könnte dann entgegnen: Nor does your laziness and lack of attention!

Wir sehen: Es besteht also doch eine Restnähe zur deutschen „Bekömmlichkeit“. Ich musste gerade erst wieder daran denken, als ich vom Tod Prinz Philip Kenntnis nahm, der einmal über sein Leben nach dem Tod gegenüber der Deutschen Presse-Agentur erklärt hatte: In the event that I am reincarnated, I would like to return as a deadly virus, to contribute something to solving overpopulation. Dieser Satz war im besten Sinn sarkastisch. Sollte er uns tatsächlich in der hässlichen Gestalt eines Virus‘ wieder beehren, wäre es völlig angemessen ihm sagen dass ihm der Aufzug nicht steht: Your sarcasm doesn‘t become you!

Mehr zum Thema: Peter Littger beschäftigt sich mit deutsch-englischen Sprachverwirrungen.

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