Mehr Erfolg mit Englisch
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So sprechen Sie Englisch wie der neue König 

Die Sprache von Charles III. ist vorbildlich für  alle, die sich aus der Affäre ziehen müssen. Eine aktuelle Lektion in „wishy washy English“

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„The Queen is dead – long live the King!“ Schon diese Wortfanfare der vergangenen Tage ist eigentümlich – weniger in ihrer Bedeutung, dass der englische Thron niemals leer sein darf, als vielmehr durch die Verbform „live“. Haben wir nicht alle gelernt, dass es „Long lives the King!“ heißen soll?

Nicht so in diesem Fall oder wenn es ab sofort heißt: „God save the King!“ (woran ich mich noch gewöhnen muss). Es handelt sich schließlich um Sätze im sogenannten englischen Subjunctive (den ich im Mai erklärt habe). Er verleiht Wünschen und Hoffnungen Ausdruck: „Möge Gott den König rasieren“ – sorry: „behüten!“ 

Die seltene grammatikalische Sonderform zeigt, dass es sprachlich schnell etwas komplizierter und sonderbar werden kann, wenn es um die Royals geht, die ja selbst ziemlich intricate, peculiar und funny sind – womit ich schon beim Hauptproblem wäre: die passende Bewertungen zu finden!

Wenn ich nur an das einzige Wort denke, das die BBC in den „6 o‘clock news“ am Donnerstagabend verwendete, um den Zustand der Königin zu beschreiben, als sie schon längst tot war und das Personal im Sender seit einer Stunde schwarz gekleidet war: She is comfortable! Hier können Sie es nochmal hören.

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Das Adjektiv comfortable war dermaßen wischiwaschi – in English: wishy-washy –, dass es mich in dieser Kolumne zwangsläufig zur Frage führt, ob wir vielleicht etwas von den Vorgängen am englischen Hof lernen können: für unser Englisch!

Stellen Sie sich nur vor, Sie werden demnächst gefragt, wie es um das schwierige Projekt steht, für das Sie gerade eine Nachtschicht geschoben haben, und Sie antworten: „I am comfortable.“

Was nun die Sprache der britischen Monarchen selbst betrifft, ist ja bekannt, dass sie sich in der Öffentlichkeit aus der Politik heraushalten sollen – jedenfalls wenn Sie politisch überleben wollen. Das verlangt zwangsläufig butterweiche Formulierungen, die nichts preisgeben, aber gut klingen. Man könnte sagen: To speak like a Royal is to say nothing by using generalities and waffling with grandeur.

Nun hat der neue König, Charles III. in den fünf bis sechs vorangegangenen Jahrzehnten als Prinz nicht unbedingt mit Wertungen an sich gehalten – zwar nicht in der respektlosen Art seines Vaters, aber doch mit einer spürbaren Lust auf eine eigene Meinung, die ja ohnehin eine britische Eigenart ist. Immer wieder fällt mir auf, dass im Vereinigten Königreich flapsige Kommentare und persönliche Einschätzungen möglich sind, die in unserem Kulturkreis undenkbar wären. Das erklärt, warum dort Karrieren beginnen, wenn sie bei uns ein für alle Mal zu Ende wären. Denken Sie nur an Boris Johnson.

Es ist deshalb besonders spannend, was Charles aus der ungeschriebenen Verpflichtung nach Zurückhaltung machen wird. Während die öffentlichen Reden des britischen Staatsoberhaupt traditionell von „seiner“ Regierung und ihren civil servants geschrieben werden, sind viele auf den personal input des Königs gespannt.

Dabei war es auch Charles, der sich schon legendär mit Worten aus der Affäre geschlichen hat – und das sogar sprichwörtlich, nämlich als er 1981 vor laufender Kamera gefragt wurde, ob er seine Frau Diana liebe – if he was in love with her. Mit seiner Antwort „Whatever ‘in love‘ means“ provozierte er einen Gesichtsausdruck Dianas, der erahnen ließ, dass weder die Ehe noch alle Beteiligten überleben würden.  

Umso neugieriger habe ich mir die beiden ersten öffentlichen Reden angehört, die Charles als neuer König gehalten hat: zunächst am 9. September im Fernsehen und einen Tag später anlässlich seiner Proklamation. Und ich kann feststellen: Er hat nicht mit Wertungen gespart!

Mit King Charles punkten

Hier eine Liste mit Attributen, die der König verwendet hat und wie Sie damit im englischen Sprachalltag punkten können – oder besser nicht:

  • profound/profoundly: Ohne Zweifel ein Lieblingswort von Charles. Er benutzt es ziemlich häufig, zum Beispiel: We mourn profoundly – was sinngemäß bedeutet: „Wir trauern wirklich, echt jetzt!“ Sie merken schon, ich bin etwas kritisch, was den Einsatz betrifft, weil man schon deutlich über allen anderen stehen muss, um nicht wie ein Klugscheißer zu wirken – ganz einfach, weil die Tiefe dieses Begriffs voraussetzt, dass man selbst profunde Kenntnisse besitzt. Bevor Sie also anderen profound knowledge oder ähnliches attestieren, sorgen Sie für ausreichend Glaubwürdigkeit.
  • deep/deeply: Charles‘ Universalwaffe, die die er gerne als Bewertungsverstärker einsetzt, a la deep concerns, deep feeling oder deep regrets. Wenn nicht wirklich große Gefühle oder eine große Krise ausgebrochen sind, wirkt es schnell übertrieben und wichtigtuerisch.  
  • unique: Mit Vorsicht zu gebrauchen, weil es überflüssig und banal ist, andere Menschen als unique zu beschreiben – the King is unique. Schließlich ist jeder Mensch von Natur aus einzigartig. Im direkten Vergleich von Leistungen und Eigenschaften hingegen ein schlagendes Argument: the valet‘s humour is unique and so is his service to the King – diesen Kammerdiener gibt es nur einmal!  
  • heartfelt: Ein großes Wort – a bit of a mouthful –, das geeignet ist, um ein ehrliches Empfinden zu unterstreichen: a heartfelt wish – ein Herzenswunsch oder heartfelt sympathy – tiefes Mitgefühl. Vorsicht ist in der Kombination mit abstrakten Dingen geboten – etwa  a heartfelt project. Dasselbe gilt für die Steigerung, die Charles in seiner TV Ansprache gewählt hat: most heartfelt – sinngemäß: zu allertiefst. Sie war dem Anlass entsprechend, aber würde im Alltag übertrieben und anbiedernd klingen. 
  • beloved: Wenn Sie jemand lieben, sollten Sie es auch sagen: my beloved Peter. Sonst nicht.
  • inspiring: Ein Kandidat fürs Bullshit Bingo – an inspiring project – genauso wie ein sinnvoller und ehrlicher Hinweis auf die Ursprünge ihrer Ideen und Taten – an inspiring experience abroad. Es kommt also darauf an.
  • unequaled: Für beispiellos Gutes wie Schlechtes jederzeit einsatzbereit – vor allem weil man offen lassen kann, was gemeint ist und mit oder ohne Ironie Spannung erzeugt: Peter‘s unequaled column …
  • overwhelming: Großer Laber-Alarm! Weil man wirklich Überwältigendes eher auf einer Bühne als im Büro findet. Aber sollte Sie der/die Boss demnächst mit einer Gehaltserhöhung überraschen, wäre das wahrlich overwhelming.
  • steadfast: Ein seltenes aber schönes Wort, um wahre Standhaftigkeit auszudrücken. Doch wer kann das schon von sich oder anderen behaupten? Dasselbe gilt für unswerving – unerschütterlich. Charles liebt solche Wörter. 
  • fearless: Seit Roman Polanskis herrlicher Komödie „The fearless Vampire killers“ – auf Deutsch: „Tanz der Vampire“ – ist dieses Wort in meinem Kopf. Es eignet sich für ernsthafte wie total ironische Bemerkungen, ist also ziemlich britisch.  
  • darling: Ein Hauptwort, das auch als Adjektiv genutzt werden kann. Charles hat es gleich drei Mal vorgemacht – darling wife, darling mama, darling papa – und damit ein sprachliches Meme seiner Königwerdung geschaffen. Wenn Sie behutsam damit umgehen, also ihre Zuneigung nicht zu oft und weitläufig verschenken, können Sie es vielseitig einsetzen: a darling colleague oder a darling project.

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Unser Kolumnist ist unter anderem Autor des Bestsellers „Hello in the Round! Der Trouble mit unserem Englisch und wie man ihn shootet“. Das Buch ist bei C.H. Beck erschienen.

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