Mehr Erfolg mit Englisch: Was soll der Hut bei der Pizza? Diese falschen Freunde im Englischen verwirren
Hut oder Hütte? Ein Symbol für typisch englisch-deutsche Missverständnisse
Foto: APZunächst wirkt es albern und beiläufig. Doch ist es der Rede wert, dass mir englische gifts toxisch erscheinen und ein gift link nicht sofort Vertrauen weckt. Ausgerechnet in einem gift shop erlebte ich einmal, wie eine Frau nach Seife mit ihrem Lieblingsduft suchte: „Fig!" Spontan verstand ich etwas völlig anderes als „Feige“ – und dachte, ich hör' nicht recht.
Tatsächlich tappe ich selbst immer wieder in Fallen, die sich auftun, weil Englisch nicht meine Muttersprache ist – aber ziemlich eng mit ihr verwandt. Man spricht von der muttersprachlichen Vorprägung, in meinem Fall Hochdeutsch. So hat sich auf dem langen Weg zu unserem heutigen Wortschatz die Bedeutung des alten westgermanischen Wortes „gyft“ von „Geschenk“ zu „Gift“ gewandelt. Erhalten geblieben ist im Deutschen die „Mitgift“ – doch wer sagt oder erwartet die noch?
Aus dem Klang rührende Missverständnisse
Andere, durchaus ähnliche Missverständnisse sind nicht in der langen Sprachgeschichte verwurzelt. Wo ich gerade die „Wurzel“ erwähne – denken Sie nur an „Rote Beete“, die im Englischen „beetroot“ heißt. Mit „rot“ hat das nichts zu tun, auch wenn es so klingen mag. Es ist eine Art von Missverständnis, das nur aus dem Klang rührt, den wir gewohnt sind. Ich sage nur Johnny – „Depp“.
Eine weitere sprachliche Gewohnheit prägt die Reihenfolge zusammengesetzter Wörter. Die britische Politikerin Gisela Stuart, die aus Bayern stammt und die heute als Baroness Stuart of Edgbaston dem britischen Oberhaus und sogar dem Kronrat des Königs angehört, erzählt mir einmal, dass sie ihr Büro in London gerne mit Weidenkätzchen dekoriert. Viele Jahre habe sie „willow pussies“ bestellt. Tatsächlich heißt die Pflanze pussy willow. Stuart hatte aufgrund ihrer muttersprachlichen Gewohnheit eine Art „Weidenmuschi“ erfunden.
Typische deutsch-englische Stolperfalle
Es gibt einige solcher gewissermaßen von hinten nach vorne verdrehten Wörter – eine typische deutsch-englische Stolperfalle, auf Englisch übrigens pitfall. Denken Sie an „Stillstand“, „Zehenspitze“ oder „Rückkehr“. In unserer Lieblingsfremdsprache sagt man nicht etwa „stillstand“, „toetip“ oder „backcome“, sondern standstill, tiptoe oder comeback.
Aber bleiben wir bei den Irrungen und Verwirrungen, die immer wieder als „Falsche Freunde“ bezeichnet werden, was eine treffende Art ist, das falsche Vertrauen in vermeintlich Bekannte zu beschreiben. Es ist ein alter sprachlicher Hut, doch er ist allgegenwärtig. Ein Symbol dafür sind die Schnellrestaurants „Pizza Hut“. Unwillkürlich denken deutschsprachige Menschen an eine Kopfbedeckung, zumal das rote Logo wirklich so aussieht. Es soll aber eine bestimmte Form von Hütte darstellen – gemäß der eigentlichen Bedeutung der US-amerikanischen Kette: „Pizza Hütte“. Für mich ist diese Hütte aus demselben sprachlichen Holz gemacht wie gift oder fig: Ich werde sie wohl ein Leben lang missverstehen!
Dennoch lassen sich viele unserer tief angelegten, muttersprachlichen Prägungen überwinden, wenn man lange genug Englisch spricht – und sich dabei wenigstens ein bisschen „konzentriert“! Das ist ein wichtiges Stichwort. Schließlich nimmt die Kompetenz einer Fremdsprache nicht automatisch zu, wenn man sie immer nur lässig aus der Hüfte schießt. Gerade in wichtigen beruflichen Situationen ist wirklich Konzentration gefragt. Zweitens lauern gerade in vertrauten und noch dazu gebildet klingenden Ausdrücken wie „sich konzentrieren“ besonders große Patzer. Wer etwa „I have to concentrate myself“ sagt, ist raus – weniger weil es missverständlich wäre, sondern weil es denglischer Humbug ist. Man sagt: I have to concentrate. Oder besser, weil kürzer: I have to focus.
Vor den Missverständnissen, die englische irritations und deutsche „Irritationen“ auslösen können, habe ich bereits im April gewarnt. Die Bedeutung im Englischen ist deutlich drastischer als im Deutschen. Das Gegenteil scheint für das hochgestochene englische Wort scrupulous zu gelten, das – rein klanglich – ans deutsche „skrupellos“ erinnert, obwohl es „gewissenhaft“, also gewissermaßen das Gegenteil bedeutet.
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Ein anderes Beispiel, in das man sich nicht unbedingt hineinsteigern sollte, sind gelegentliche Eskalationen. Eine freundliche Dame schlug mir neulich vor, die Angelegenheit ihrem Chef vorzulegen: Should I escalate it to my boss? Was nach großem Streit klang, war ein gewöhnlicher Vorgang zwischen unterschiedlichen Hierarchien. Ja klar, reichen Sie es weiter – Please pass it on to your boss!
Auch brauchen wir bei englischsprachigen „Transpirationen“ nicht gleich ins Schwitzen zu geraten. To transpire kann ganz einfach bedeuten, dass Information aus einer Institution oder Person „herausdringt“. Sind es Geheimnisse, kann es wiederum den Angstschweiß des Absenders rechtfertigen.
Unterdessen kann man das englische impromptu beinahe für einen romantischen Freund halten. Gemeint ist aber kein leidenschaftlicher Klaviervortrag im Stil von Frederic Chopin, wenn ein impromptu statement angekündigt wird. Es ist vielmehr ein „kurzfristiger Vortrag“, also „aus dem Stegreif“. Er wird aus dem Ärmel geschüttelt – off the cuff. Und wer weiß, vielleicht fällt in Richtung Weihnachten auch ein kleines Geschenk heraus – an impromptu gift. Allerdings würde ich es wahrscheinlich nicht annehmen …
Unser Kolumnist ist u. a. Autor des Bestsellers „Hello in the Round! Der Trouble mit unserem Englisch und wie man ihn shootet“. Das Buch ist bei C.H. Beck erschienen.
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