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Mode Der deutsche Stil ist besser als sein Ruf

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„Eigentlich ist heute alles Trend“

Der Kunde treibt Sie da ein Stück weit?

Hoermanseder: Trend ist, was der Kunde will. Aber das Gute ist: Man kann Trends nicht mehr überschauen mittlerweile. Es gibt so viele, so kurzlebige. Natürlich auch viele, die wir zumindest als kleines Label nicht mitgehen können und mitgehen wollen: Derzeit sieht man überall bunte Bommeln. Das müsste man jetzt machen und in zwei Wochen im Laden haben. Aber das können nur die Großen, wir können das nicht.

Ist dann eher die Kunst, sich davon freizumachen?

Hoermanseder: Ach, eigentlich ist heute alles Trend. Man muss die Blogger und die sozialen Medien verstehen und am besten auch selbst pflegen, dann hat man auch die Möglichkeit, Trends mit zu kreieren.

Cloppenburg: Es ist schon so, dass viele Trends heute nicht mehr von Designern kommen, sondern im Netz entstehen.

Das bedeuten Dresscodes für Männer
Stufe 1: Baseline Casual für MännerDie Zeiten, in denen Anzug tragen Pflicht war, sind lange vorbei. Viele Unternehmen setzen jetzt auf den „Baseline Casual“-Look. Also: Hübsche T-Shirts oder Polohemden, dunkle Jeans ohne Waschungen und geschmackvolle, nicht zu sportliche Sneaker. Aber Achtung: Folgen Sie immer der +1/-1 Regel. Sie können immer eine Stufe schicker gekleidet ins Büro kommen und am „Casual Friday“ oder zu anderen entspannteren Events auch mal eine Stufe weniger schick. Kleiden Sie sich dagegen gleich zwei Stufen schicker, wirkt das nur overdressed und überheblich. Quelle: Peek&Cloppenburg
Stufe 2: Mainstream casual für MännerAls Mann tragen Sie auf dieser Stufe am besten Shirts und Pullover in verschiedenen Farben. Gerne darf es auch kariert oder gestreift sein, Hauptsache, Sie treffen die richtige Mischung zwischen schick und locker. Auch die Kombination aus Hemd und einem lockeren Sakko bietet sich an. Untenrum machen Sie mit einer schicken Chino oder Leinenhose alles richtig. Dazu die passenden eleganten Schuhe, idealerweise aus hellem Leder, fertig ist ihr "Mainstream casual"-Look. Quelle: Peek&Cloppenburg
Business CasualHier bleibt die Jeans im Kleiderschrank, dafür darf die Krawatte raus – bei Bedarf. Grundsätzlich ist ein Anzug mit Hemd und darüber eventuell ein feiner Strickpulli absolut ausreichend. Quelle: dpa
Stufe 2: Mainstream casual für MännerAls Mann tragen Sie auf dieser Stufe am besten Shirts und Pullover in verschiedenen Farben. Gerne darf es auch kariert oder gestreift sein, Hauptsache, Sie treffen die richtigen Mischung zwischen schick und locker. Auch die Kombination aus Hemd und einem lockeren Sakko bietet sich an. Untenrum machen Sie mit einer schicken Chino oder Leinenhose alles richtig. Dazu die passenden eleganten Schuhe, idealerweise aus hellem Leder, fertig ist ihr "Mainstream casual"-Look. Quelle: Peek&Cloppenburg
Stufe 5: Boardroom attire für Männer Schick, adrett und schwarz-weiß - diese drei Schlagworte sollten bei diesem Outfit im Vordergrund stehen. Als Mann kommen Sie um einen schwarzen oder dunkelgrauen Anzug nun nicht mehr herum. Auch die Qualität spielt jetzt eine große Rolle. Weißes Hemd und unifarbene Krawatte machen das Outfit komplett. Quelle: Peek&Cloppenburg
Black Tie / Cravate NoireDamit ist keine schwarze Krawatte, sondern eine schwarze Fliege gemeint – die zum Smoking getragen wird. Quelle: REUTERS
White Tie / Cravate BlancheHier tragen Männer Frack mit weißer Fliege.  Dies ist bei besonders festlichen Anlässen wie dem Wiener Opernball angesagt. Und was ist mit den Damen? >>Das bedeuten Dresscodes für Frauen Quelle: dpa

Sie kommen aus unternehmerischen Familien, haben beide kaufmännische, wenig kreative Ausbildungen durchlaufen. Wie prägt das?

Hoermanseder: Ich wollte immer Mode machen. Aber da ist mein Vater eingeschritten und hat gesagt, ich solle etwas Vernünftiges lernen. Ich habe dann meinen Master in BWL gemacht. Mittlerweile bin ich ihm unfassbar dankbar dafür. Ich habe ein gewisses ökonomisches Denken mitbekommen, dass ich nicht allein von Kunst und „Likes“ leben kann, sondern auch verkaufen muss. Viele Designer haben von solchen Dingen keine Ahnung. Es ist ein Vorteil, zu wissen, wovon man spricht, und nicht nur Avantgardist oder Künstler zu sein.

Cloppenburg: Bei mir war es ähnlich: Ich habe BWL studiert und erst später begonnen, kreativ zu arbeiten. Ich war seinerzeit bei unserer Tochterfirma Anson’s. Da wurde mir klar: Wenn wir mit P&C mithalten wollen, brauchen wir besondere Ware, und ich habe angefangen, mich nicht nur mit Handel zu beschäftigen, sondern auch mit Produktion, Design.

Wie sehr steckt der ausgebildete Kaufmann noch in Ihrer Arbeit?

Hoermanseder: Wichtig ist, dass das bei der Idee keine Rolle spielt. Auch beim Design nicht. Was viel wichtiger ist, ist, dass ich emotionslos designe. Es gibt Teile, die sind so teuer, dass es nichts bringt. Diese Entwürfe muss man zusammenknüllen und wegwerfen. Da bin ich Realist genug und nicht nur künstlerische Seele: Man muss schon Mut haben, was aufzugeben. Wenn ich einen Mantel hab für eine Show, der so teuer ist, dass ich den nie verkaufen kann, dann hänge ich den auch nicht auf die Stange. Die, die es nicht kennen, werden es ja im Geschäft ohnehin nicht vermissen. Wir unterscheiden zwischen Show-Teilen und Verkaufs-Teilen.

Cloppenburg: Bei Loro Piana steht am Anfang der Idee der Ansatz: Wir machen das schönste Produkt, und am Ende kommt ein Preis heraus. Das ist für jemanden, der Ware liebt, fantastisch. Aber das können sich ja nur ein paar Menschen leisten. Man muss aber auch ganz klar aufpassen, nicht in das andere Extrem abzugleiten und zu sagen: Ich brauche ein Hemd für 49 Euro ...

Hoermanseder: ... und dann rechnet man runter, was man sich leisten kann.

Cloppenburg: Genau, das ist schwierig, weil dann die Qualität leiden kann. Aber klar: Wenn ich sehe, ich überschreite ein Preisniveau, ab dem die Zahlungsbereitschaft der Kunden dramatisch abfällt, dann muss man eben schauen, wo man in der Herstellung einen Kompromiss finden kann.

Das bedeuten Dresscodes für Frauen
Baseline Casual für Frauen Quelle: Peek&Cloppenburg
Casual Quelle: Peek&Cloppenburg
Smart Casual Quelle: Fotolia
Business CasualWenn auf der Einladung von Business Casual die Rede ist, greifen Frauen am besten zum dunklen Kostüm, einem Hosenanzug oder einem Etui-Kleid. Der Rocksaum sollte das die Knie umspielen. Ein Minirock ist bei Business Casual genauso unangebracht, wie ein bodenlanger Rock. Jeans sind übrigens auch tabu: Wer keinen Hosenanzug besitzt und Röcke nicht mag, trägt eine dunkle Bundfaltenhose. Dieser Dresscode ist meistens bei Geschäftsessen oder Geschäftsreisen gefragt und hat eine repräsentative Funktion. Quelle: Fotolia
Business AttireBusiness Attire, Day Informal oder Tenue de Ville bedeutet, dass Sie Geschäftskleidung tragen sollten, obwohl Sie sich nicht im Büro befinden. Gefordert wird dieser Dresscode häufig bei Geschäftsreisen, bei Treffen mit Geschäftspartnern oder bei Business-Veranstaltungen im Allgemeinen. Frauen tragen also ein klassisches Kostüm oder einen Hosenanzug in Dunkelblau, Dunkelgrau, Anthrazit oder Schwarz. Dazu passt eine Bluse mit langen Ärmeln in Weiß, Hellblau oder Rosa. Alternativ geht auch ein förmliches Kleid, dessen Saum aber das Knie bedecken muss. Quelle: Fotolia
Black Tie / Cravate Noire Quelle: AP
White Tie / Cravate BlancheMänner tragen Frack mit weißer Fliege, Frauen sollen pompöse Abendkleider tragen. Und was ist mit den Herren? >>Das bedeuten Dresscodes für Männer Quelle: dpa

Was sind denn drei Kleidungsstücke, die Mann haben sollte?

Cloppenburg: Das ist wirklich schwierig. Mein Schrank ist ständig chronisch überfüllt.

Hoermanseder: Aber ein Hemd schon, oder?

Cloppenburg: Ja klar. Aber drei Dinge sind einfach zu wenig.

Hoermanseder: Also sagen wir mal: ein gutes Hemd.

Cloppenburg: Es ist echt schwierig. Für den Alltag wäre es für mich eine Jeans, Hemd und Sneaker. Wenn wir natürlich fürs Business sprechen: ein Anzug, ein Hemd und dann aber, wenn es irgendwie geht, ein rahmengenähter Schuh. Beim Anzug bin ich kein Fan des schwarzen Modells als Uniform-Teil. Das ist einfach, aber langweilig

Hoermanseder: Gerade weil es bei Männern nicht so viel Auswahl gibt, muss sehr viel Sorgfalt auf die wenigen Teile verwandt werden: Schuhe müssen geputzt sein. Ein Hemd muss nicht teuer sein, es muss gebügelt sein.

Cloppenburg: Deswegen trage ich auch gerne Sneaker. Die sind einfacher zu pflegen. Und ich trage lieber ein bewusst leicht knitteriges Hemd, weil ich das lässiger finde. Das ist eine bewusste Stilentscheidung meinerseits. Aber ich finde, es lohnt sich, sich Mühe zu geben. Man macht dann mehr aus sich als Persönlichkeit, wenn man auf Details achtet. Es muss ja nicht meinem Geschmack entsprechen, da gibt es viele Wege, sich attraktiver zu machen. Aber Mann sollte sich Mühe geben.

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