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Mode Der deutsche Stil ist besser als sein Ruf

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„Hemden mit ganz kurzen Ärmeln gehen überhaupt nicht“

Gibt es klassische Modefehler?

Hoermanseder: Ich finde, Hemden mit ganz kurzen Ärmeln gehen überhaupt nicht.

Cloppenburg: Im Freizeitbereich ist das sicher noch mal anders. Aber ein Hemd mit kurzen Ärmeln, auf das Sie dann eine Krawatte legen, geht auch für mich wirklich nicht.

„Geschenkte Krawatten sind das größte Ärgernis“
Krawattentypen Quelle: Fotolia
Verkäufwerim Quelle: Fotolia
Geschenk Quelle: Fotolia
Abgleich Quelle: dpa
Mehrere aufgerollte Krawatten Quelle: Fotolia
Mann zieht Krawatte vorm Spiegel an Quelle: Fotolia
Schwarze Krawatten Quelle: Fotolia

Wenn man sich in deutschen Büros umschaut, ist es aber nicht totzukriegen.

Cloppenburg: Es gefällt mir nicht, aber man muss das akzeptieren. Das ist ja eine ganz bewusste Wahl derjenigen, die diese Hemden tragen. Und wer bin ich, mir anzumaßen, jemanden zu verurteilen, der sich so ein Stück ausgesucht hat, der zuvor vermutlich auch darüber nachgedacht hat? Vermutlich gibt es ja viele Männer, die sich darin sehr wohl und sehr gut gekleidet fühlen.

Was macht die weiße Socke?

Hoermanseder: Tot ist sie sicher nicht. Ich habe aber das Gefühl: Wenn Männer mit Kleidungsstücken wie weißen Socken in offenen Schuhen daneben treffen möchten, dann verfehlen sie ihr Ziel nicht, oder eben sehr bewusst. Weiße Socken sind ja mittlerweile Trend. Das sieht man bei vielen Stücken: Frühere No-Gos sind zu massiven Must-haves geworden.

Cloppenburg: Jeder vermeintliche Fauxpas kann ein bewusstes Statement sein. Es gibt keine Fashion Police, die sagt: Das geht nicht. Jeder muss für sich entscheiden, ob ihn das besser aussehen lässt oder nicht. Ich kann mir zum Beispiel nur schwer jemanden vorstellen, der mit weißen Socken in offenen Sandalen gut aussieht. Aber das muss ja nicht heißen, dass das nicht jemand für sich anders entscheiden kann. Entweder ist es ihm dann vollkommen egal, oder es ist ein bewusstes Statement.

Kleider machen also weiter Leute?

Cloppenburg: Das würden vermutlich viele infrage stellen, ich tu das nicht. Da geht es unmittelbar um Kleidung, aber auch andere Dinge: Heute tragen viele Männer ein Armband, was früher verpönt war. Auch Tätowierungen gehen mittlerweile im Mainstream. Das Instrumentarium zum Ausdruck der Persönlichkeit ist breiter geworden. Die Trends und die Rollen, in die man schlüpfen kann, sind vielfältiger geworden.

Schauen Sie auf solche Trends?

Hoermanseder: Ich schau schon, natürlich. Wir haben auch die üblichen Trendscouts. Was ich aber unglaublich spannend finde, ist, was Zara macht. Jeden Tag nach Ladenschluss muss jeder Mitarbeiter dort in einem System eintragen, wonach Kunden gefragt haben und was nicht vorrätig war.

Steht bei Ihnen auch abends jemand und sammelt die Fragen der Kunden?

Cloppenburg: Nein. Aber alle unsere Einkäufer und Unternehmensleitungsmitglieder sind mindestens zwei Samstage im Monat im Laden und sollten dort auch verkaufen, um zu wissen: Was hab ich nicht gehabt? Und warum hat der Kunde nicht gekauft? Es gibt nichts Wichtigeres, als zu wissen, was den Kunden interessiert. Nehmen Sie etwa den aktuellen Trend zu Slim-Fit-Schnitten bei Herrenhemden. Das ist ja erst mal erstaunlich, weil nun wirklich nicht alle Kunden so dünn sind, und trotzdem versuchen sie sich dann in irgendeine Variante von Slim Fit zu ...

Hoermanseder: ... pressen ...

Cloppenburg: Ich würde sagen: kleiden. Aber auch dafür muss man ein Gefühl kriegen. Wenn ein Kunde eine 54er-Größe hat, der kann ja nicht ganz schmal sein. Wie kann da Slim Fit richtig sein? Das erfährt man nur im Verkauf, das erzählt einem die Liste nicht.

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