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Motivation Das Geheimnis des Erfolges

Es kommt selten nur darauf an, was man tut, sondern auch, wie und warum man etwas macht. Denn Erfolg hat nicht nur etwas mit Können und Wissen zu tun, sondern vor allem mit Wollen und Werten.

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Das Geheimnis des Erfolges ist gelüftet Quelle: Fotolia

Erfolg ist ein Motor des Lebens, unabhängig davon, ob er beruflich, familiär, sportlich, sozial oder wie auch immer motiviert ist. Und er ist nicht nur Sache der oberen Zehntausend, sondern für jeden Menschen wichtig: Was ist das Geheimnis des Erfolges?

Diese Frage war und ist es eine der zentralen wissenschaftlichen Herausforderungen. In den letzten Jahren hat es eine Reihe neuerer Forschungen im Bereich Schule, Arbeit und Wirtschaft gegeben. Das Interessante daran: Egal aus welcher Richtung man sich dem Erfolg nähert, man kommt zu denselben Erkenntnissen: Erfolg ist im entscheidenden Maß davon abhängig, inwieweit man sich selbst und gegebenenfalls andere begeistern kann.

Klaus Zierer ist ein deutscher Erziehungswissenschaftler und seit 2015 Ordinarius für Schulpädagogik an der Universität Augsburg. Zuvor war er Professor an der Universität Oldenburg.

Im Folgenden möchten wir drei Beispiele anführen, die aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen kommen, aber allesamt in dieselbe Richtung weisen: Simon Sinek, ein erfolgreicher amerikanischer Autor populärer Bücher, brillanter Redner und Motivator, erklärt Erfolg anhand seines What-How-Why-Modells.

Diese drei Fragen ordnet er in konzentrischen Kreisen von außen nach innen an und argumentiert, dass sie entscheidend für Erfolg sind.

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    Apples Erfolgsfaktor

    Das Problem nur: Die meisten arbeiten von außen nach innen, beantworten als das "Was" zuerst und kommen nur selten zum "Wozu", dem eigentlichen Zweck. Am Beispiel des Erfolges von Apple macht er diesen Zusammenhang deutlich: Apples Erfolg lässt sich weniger auf das "Was" zurückführen. Denn Apple entwickelt Computer und Handys wie viele andere Firmen auch.

    Selbst die Innovationskraft, die Apple nachgesagt wird, erscheint bei näherer Betrachtung mehr als Mythos denn als Realität. Und auch beim "Wie" ergibt sich noch nicht der entscheidende Unterschied von Apple im Vergleich zu seiner Konkurrenz, bauen doch auch andere Firmen ansehnliche und charakteristische Geräte.

    Der Erfolgsfaktor wird erst im "Wozu" sichtbar: das Unternehmen Apple verfolgt klar sichtbar eine andere Absicht. Apple verkauft nicht nur Technik und Apple ist nicht nur eine Marke. Apple ist ein Lebensgefühl. Apple verkörpert einen Geist und zelebriert eine Produktphilosophie, warum mit Apple das Leben ein besseres ist als ohne.

    Steve Jobs, der Apple-Gründer, war eine umstrittene Person. Doch eines war für ihn klar: Er wollte nicht einfach nur schnöde Computer bauen, sondern Geräte mit einer inneren Schönheit, gewissermaßen einer inneren Botschaft. Er war vom tiefen Sinn einer minimalistischen Ästhetik überzeugt, dem er alle Firmenbereiche unterordnete. Ästhetik war für ihn nicht der letzte Schritt bei einer Innovation, sondern der erste. Sie verkörpert für ihn das eigentliche "Wozu".

    Produkte als Symbole für Ideen

    Dieser Philosophie haben sich dann nicht nur hervorragende Mitarbeiter, sondern weltweit Milliarden von Kunden angeschlossen. Der innere Sinn schafft Begeisterung. Produkte und Unternehmen, selbst Personen, werden so zu Symbolen für Ideen. Insofern lautet die Kernbotschaft von Sinek: Man müsse von innen nach außen gehen und stets die zentrale Frage des "Wozu" im Blick behalten.

    Manager verraten: Das hat mich nach oben gebracht
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    Zu ähnlichen Ergebnissen kommen die Sozialwissenschaftler Mihaly Csikszentmihalyi, William Damon und Howard Gardner in ihrem „Good work project“. In diesem gehen sie empirisch der Frage nach, wodurch sich beruflicher Erfolg auszeichnet. Ihr Weg führt sie über zahlreiche Interviews, die sie sowohl mit Führungskräften als auch mit Beschäftigen an der Basis führten.

    Die Antwort auf ihre Frage ist kurz: Erfolg zeichnet sich durch drei E’s aus, nämlich Exzellenz, Engagement und Ethik. Nicht nur das Wissen und Können (Exzellenz) ist somit entscheidend, sondern auch die Bereitschaft und das Wollen (Engagement) sowie besonders auch das Werten und Bewerten (Ethik). Oder unter Rückgriff auf Simon Sinek anders ausgedrückt: Es kommt bei einer erfolgreichen Arbeit nicht nur darauf an, was (What) man macht, sondern auch und vor allem darauf, wie (How) und warum (Why) man es macht.

    Fleiß und Kompetenz sind eine Voraussetzung für Erfolg

    Erfolg ist demnach primär eine Funktion der inneren Absicht, des eigentlichen Sinns, der grundlegenden Idee, die verfolgt wird. Dabei ist der Erfolg selbst nicht der Zweck, sondern gewissermaßen das Ergebnis einer begeisternden Mission.

    Fleiß und Kompetenz sind ebenfalls eine Voraussetzung, bringen aber nicht den entscheidenden Unterschied. Wenn die inspirierende Absicht fehlt oder verloren gegangen ist, dann führt auch eine perfekte Organisation und Struktur bestenfalls zu Mittelmäßigkeit. Insofern sind Struktur und Organisation Mittel zum Zweck und nicht Zweck an sich.

    Fünf Tipps für dauerhaften Erfolg

    Im pädagogischen Kontext hat in den letzten Jahren John Hattie mit seiner Studie „Visible Learning“ für Aufsehen gesorgt. Diese stellt mit über 800 Meta-Analysen, die selbst auf über 80.000 Einzelstudien und geschätzten 250 Millionen Lernenden basieren, die größte Sammlung an Daten der empirischen Bildungsforschung dar.

    Die zentrale Frage von Hattie lautet: Warum sind manche Lehrpersonen erfolgreicher als andere? Seine Ergebnisse zeigen, dass es nicht die Strukturen sind. Sonst wäre es nicht möglich, dass beispielsweise zwei Lehrpersonen an ein und derselben Schule so unterschiedliche Ergebnisse mit ihren Schülern erreichen. Vielmehr sind es die Lehrpersonen selbst, die entscheidend sind, wenn es um schulischen Lernerfolg geht.

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      Leidenschaft lässt Lehrer besser unterrichten

      Auch in diesem Kontext weist Hattie nach: Es kommt gar nicht so sehr darauf an, was Lehrpersonen machen – ob sie beispielsweise frontal unterrichten oder Gruppenunterricht machen. Viel wichtiger ist, mit welchen Haltungen sie in ihr Klassenzimmer gehen, wie sie sich selbst sehen und wie sie die Lernenden sehen. Leidenschaft nennt Hattie die zentrale Haltung und sie lässt sich bei Lehrpersonen anhand folgender Merkmale erkennen:

      • Sie sehen Unterricht nicht als einen Monolog, sondern als einen Dialog.
      • Sie sind der Überzeugung, dass es Möglichkeiten gibt, die man finden kann, sie suchen immer und immer wieder im Schüler etwas, wovon keiner etwas weiß und woran vielleicht schon keiner mehr glaubt.
      • Sie können mit Leidenschaft und Kompetenz von ihrem Wissen erzählen, aber auch ihrem Leben.
      • Sie tauschen sich mit ihren Kolleginnen und Kollegen aus und tun sich mit ihnen zusammen.
      • Sie begegnen dem Schüler auf Augenhöhe, wohlwissend, dass sie ihn genauso brauchen wie er sie.

      Sinek, das Trio Csikszentmihalyi, Damon und Gardner sowie Hattie zeigen damit: Wer erfolgreich sein will, braucht ein entscheidendes Element mehr als Wissen und Können. Eigenes, inneres Wollen und Werten müssen hinzutreten, ja müssen sogar das bestimmende Element sein.

      In einer Nike-Werbung bringt Michael Jordan, einer, wenn nicht der erfolgreichste Basketballspieler aller Zeiten, diesen Gedanken und damit das Geheimnis des Erfolges auf den Punkt: „Mehr als neuntausend Würfe in meiner Karriere gingen daneben. Ich habe fast dreihundert Spiele verloren. Sechsundzwanzig Mal lag es an mir, den spielentscheidenden Wurf zu machen, und ich habe versagt. Immer und immer und immer wieder bin ich in meinem Leben gescheitert. Und deswegen habe ich Erfolg.“

      Das "Warum" ist am wichtigsten

      Trends



      Auch wenn man also im Leben scheitert und das Was und Wie seines Tuns nicht erfolgreich sind. Das Warum ist wichtiger, um wörtlich am Ball bleiben zu können. Die innere Absicht also hat Jordan in seiner Bilderbuchkarriere getragen, trotz oder gerade wegen aller äußeren Niederlagen durchzuhalten und gerade daraus die Motivation für seine Leistung zu ziehen. Selbst Niederlagen werden auf diese Weise nicht zu Belegen für Inkompetenz. Jordan akzeptiert sie fast begeistert und sieht sie als Grundlage seiner Erfolge.

      Wer folglich daran interessiert ist, seinen wie auch immer motivierten Erfolg zu steigern, tut gut daran, nicht nur das dafür notwendige Wissen und Können in den Blick zu nehmen, sondern auch sein Wollen und sein Werten, seine eigentliche innere Absicht zu reflektieren: der Topmanager einer Firma beispielsweise ebenso wie Mutter und Vater, Lehrperson, Politiker, Journalist und Servicepersonal.

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