Neue Studie Fachkräftemangel doch nicht so gravierend

Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zeigt, dass ein Großteil der Betriebe seinen Fachkräftebedarf 2011 vollständig decken konnte. Durch den demografischen Wandel kann sich das aber ändern.

Die Internet-Riesen suchen Mitarbeiter
Der Pharmahersteller Sanofi-Aventis will einem Bericht zufolge in Frankfurt rund 1000 neue Stellen schaffen. Noch in diesem Jahr wolle der Konzern 500 zusätzliche Mitarbeiter an seinem Standort in Frankfurt-Höchst einstellen, berichtet die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Samstag) unter Berufung auf „informierte Kreise“. Bis 2017 sei ein weiterer Personalaufbau um 500 Arbeitsplätze geplant. Für die Produktion von Medikamenten für Zuckerkranke werde mehr Personal benötigt, schreibt die Zeitung. Eine Sprecherin des Unternehmens wollte den Bericht am Samstag nicht kommentieren. Das Frankfurter Werk ist laut Sanofi der weltweit größte Produktionsstandort für Insulin. Quelle: dpa
Der Gabelstapler-Hersteller Kion will kräftig in seine Forschung und Entwicklung investieren. In China sollen in den nächsten eineinhalb Jahren bis zu 150 neue Entwickler eingestellt werden, sagte Vorstandschef Gordon Riske in einem dpa-Interview in Wiesbaden. Der weltweit zweitgrößte Gabelstapler-Hersteller hat insgesamt elf Entwicklungszentren mit rund 950 Beschäftigten, davon vier in den Wachstumsmärkten China, Indien und Brasilien. Alleine etwa 300 Entwickler arbeiten in China. Mit den neuen Jobs will Kion vor allem Fahrzeuge für den asiatischen Raum entwickeln, aber auch Produktplattformen für andere Wachstumsmärkte entwerfen. Quelle: dpa
Der Autobauer Daimler übernimmt an seinem größten Produktionsstandort Sindelfingen 200 Leiharbeiter in eine Festanstellung. Dies teilte der Betriebsrat mit. Hundert von ihnen bekommen zunächst allerdings auf ein Jahr befristete Verträge. „Daimler wächst weltweit“, erklärte ein Sprecher. „Deshalb schaffen wir im Konzern neue Stellen.“ Der Autobauer steht derzeit wegen seiner Werkverträge in der Kritik und bemüht sich nun um eine Besserstellung der nicht fest angestellten Arbeitskräfte. Zuletzt hatte der Dax-Konzern bereits zahlreiche Werkverträge in bessergestellte Leiharbeitsverhältnisse geändert. Für diese gelten Tarifrechte wie der Anspruch auf eine feste Stelle nach 24 Monaten. Quelle: REUTERS
Dank guter Auslastung in seinen deutschen Werken übernimmt der Volkswagen-Konzern zum Jahreswechsel rund 1500 Leiharbeiter. 912 Zeitarbeitskräfte im Wolfsburger Stammwerk und 572 Zeitarbeitskollegen aus den anderen deutschen VW-Fabriken werden fest angestellt. Die Regelung gelte für alle VW-Leiharbeiter, die im Dezember, Januar oder Februar seit drei Jahren durchgehend in den deutschen VW-Werken gearbeitet haben werden. Eine neue Befristung wäre für die rund 1500 auf Zeit Angestellten gesetzlich verboten gewesen - VW hätte sie also entlassen oder, wie nun geplant, fest übernehmen müssen. Quelle: AP
Bosch stellt in Deutschland, Italien, Portugal und Spanien zusätzlich 100 Ausbildungsplätze für Jugendliche aus Südeuropa zur Verfügung. Hintergrund der Maßnahme ist die dort hohe Jugendarbeitslosigkeit. Das Projekt soll mit Ausbildungsjahr 2014 starten. Zusätzliche 50 Ausbildungsplätze in Deutschland werden mit Bewerbern aus Spanien besetzt. Für die Initiative werden rund 7,5 Millionen Euro über die nächsten vier Jahre zur Verfügung. Quelle: dpa
Der Sportwagenbauer Porsche hat im vergangenen Jahr seinen Mitarbeiterstamm deutlich ausgebaut. Ende September beschäftigte die VW-Tochter 18.882 Mitarbeiter nach 17.066 im Vorjahr, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Rund 700 Stellen seien im neuen Macan-Werk in Leipzig geschaffen worden, sagte ein Sprecher, der Rest am Porsche-Stammsitz in Zuffenhausen und im Entwicklungszentrum in Weissach nahe Stuttgart. Bis 2018 will Porsche seine Belegschaft auf gut 20.000 ausbauen. Der operative Gewinn der Sportwagenschmiede stagnierte allerdings in den ersten neun Monaten bei 1,89 Milliarden Euro. Grund seien die hohen Investitionen, sagte Porsche-Chef Matthias Müller. Porsche investiert in diesem Jahr rund 1,3 Milliarden Euro - unter anderem in die neue Macan-Produktion in Leipzig und rechnet deshalb 2013 mit einem Gewinn auf Vorjahresniveau. Bei Umsatz und Absatz ist der Sportwagenbauer dagegen auf dem Weg zu neuen Rekordwerten. Die Erlöse steigerte Porsche in den ersten neun Monaten um drei Prozent auf 10,4 Milliarden Euro. Dabei lieferte der Sportwagenbauer von Januar bis September fast 120.000 Fahrzeuge an Kunden aus - ein Plus von 15 Prozent. Quelle: dpa
BNP Paribas wird ihr Geschäft in Deutschland ausbauen und rund 500 Menschen einstellen. Es ist eine der führenden Geschäftsbanken in Frankreich - und eine der größten Banken Europas. Sie wird damit zum Konkurrenten der Deutschen Bank. Mit der Aufstockung der Mitarbeiter hat BNP Paribas dann rund 4000 Mitarbeiter in Deutschland. Quelle: REUTERS

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat am Mittwoch eine neue Studie vorgelegt, die den Unkenrufen aus Politik und Wirtschaft trotzt: Demnach konnten die meisten Betriebe im vergangenen Kalenderjahr 2011 ihren Bedarf an qualifizierten Fachkräften durchaus decken.

Wie die IAB-Experten weiter mitteilen, lag der Fachkräftebedarf 2011 sogar über dem bisherigen Höchststand im Boomjahr 2000. Der Druck, gute Kräfte zu finden, war dabei aber geringer als vor elf Jahren.

Demnach konnten im ersten Halbjahr 2011 nur acht Prozent der befragten Betriebe offene Fachkräftestellen nicht neu besetzen. Zwar stieg der Anteil in den letzten Jahren an, erreichte aber bislang nicht wieder den Höchstwert von zehn Prozent aus dem Jahr 2000.

Die zehn bestbezahlten Jobs in Deutschland
Ein Mann sitzt am 16.06.2011 vor verschiedenen Computern und Monitoren in Hamburg Quelle: dpa
Aerzte bereiten in der in der Urologie eines Klinikums in Frankfurt am Main eine minimal-invasive Prostataoperation vor Quelle: dapd
Ein Chemiker kontrolliert am 9. Maerz 2005 die Synthetisierung organischer Halbleitersubstanzen in einem Labor Quelle: AP
Ingenieure Quelle: AP
Platz sechs: Marketing und VertriebDie Jahresgehälter der Marketingangestellten und der Vertriebler variieren stark zwischen den einzelnen Unternehmen. Laut einer Studie der Unternehmensberatung Kienbaum liegt die Spanne der Jahresgehälter von Fachkräften zwischen 20.000 und 200.000 Euro. Top-Verkäufer verdienen im Schnitt 89.000 Euro pro Jahr, Senior-Produktmanager 83.000 Euro. Ein Marketingleiter verdient laut Studie durchschnittlich 119.000 Euro pro Jahr, Vertriebsleiter 135.000 Euro und ein Gesamtleiter Marketing und Vertrieb 140.000 Euro. Quelle: Fotolia
taschenrechner Quelle: Fotolia
Schönfelder mit Buchstütze, Richter mit Gesetzestext Sartorius Quelle: obs

Die Forscher geben allerdings zu bedenken, dass für den einzelnen Betrieb jede offene Fachkräftestelle durchaus ein Problem sein kann. Die Firmen würden darauf mit unterschiedlichen Strategien reagieren, zumal viele von einer zukünftigen Verschärfung der Fachkräfteengpässe ausgehen: So wollte im Jahr 2011 beispielsweise schon jeder vierte Betrieb seine älteren Beschäftigten länger im Betrieb halten. Vier Jahre zuvor waren es gerade einmal 16 Prozent der Unternehmen.

Übernahmequote nach Ausbildung auf Rekordniveau

Während Beteiligung an der Ausbildung von Mitarbeitern insgesamt im Wesentlichen stabil blieb, ist die Übernahmequote nach der Ausbildung deutlich gewachsen und befindet sich aktuell auf einem Rekordniveau. Mehr als zwei Drittel der Ausbildungsabsolventen wurden im Jahr 2011 vom Ausbildungsbetrieb auch übernommen.

Auch die Weiterbildungsbeteiligung der Betriebe ist gestiegen und hat mit 53 Prozent ebenfalls einen neuen Höchststand erreicht. Vier Jahre zuvor lag der Wert bei 45 Prozent, im Jahr 2000 sogar bei lediglich 37 Prozent. Die Weiterbildungsquote (der Anteil der Mitarbeiter, die an Weiterbildungsmaßnahmen teilgenommen haben) stieg auf 30 Prozent. Vier Jahre zuvor betrug sie lediglich 23 Prozent.

In Arbeit
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Nach wie vor nehmen ältere Arbeitnehmer in geringerem Maße an betrieblich unterstützter Weiterbildung teil, als es ihre jüngere Kollegen tun. Der Anteil der Älteren hat aber immerhin deutlich zugenommen.

Derzeit seien der Ausbau der Weiterbildung von Mitarbeitern, die verstärkte Ausbildung von Fachkräften, aber auch die Schaffung von attraktiven Arbeitsbedingungen in vielen Betrieben weit oben auf der Agenda, berichten die IAB-Forscher.

Die Ergebnisse der Studie beruhen auf dem IAB-Betriebspanel. Hierbei handelt es sich um eine jährlich durchgeführte, repräsentative Befragung von 16.000 Betrieben.

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