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Nintendo Knigge für die Generation Killerspiel

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Knigge-Spiel Cover Quelle: RTL Playtainment

Knigge Erbe Moritz hat selbst ein eigenes Etikette-Verständnis. Allzu steife Vorschriften und Regeln sind seine Sache nicht. Als sein junger Drehpartner bei den Filmaufnahmen mit seinem Nintendo im Sessel sitzt, ruft er scherzhaft: „Steh auf, wenn ein Erwachsener den Raum betritt!“

Auch wenn er sein Elternhaus als sehr liberal bezeichnet, musste sich Knigge ähnliche Sprüche in seiner Kindheit auf dem Rittergut Bredenbeck bei Hannover anhören. Der liebe Gott habe die Falte zwischen Hand und Arm geschaffen, da sie so perfekt auf die Tischkante passe, pflegte seine Großmutter zu sagen. Und seine Mutter stieß schon mal Knigges Ellenbogen auf den Tisch, wenn er sich mit dem Kopf  darauf gestützt hatte.

„Der gehobene Zeigefinger hat dazu geführt, dass Etikette als steif, staubig und spießig wahrgenommen wird und junge Leute gar keinen Bock haben, sich darauf einzulassen“, klagt Knigge. Von platten Regelwerken hält er daher wenig und empfiehlt stattdessen Respekt, Offenheit und Aufmerksamkeit, dann erkenne man schon, was im jeweiligen Moment angemessen wäre.

So gibt es die Benimmregel, man stoße nur mit weinhaltigen Getränken an. „Doch was machen Sie, wenn ihr Chef mit einem Bier auf gute Zusammenarbeit anstoßen möchte?“, fragt Knigge. Natürlich wird man seinen Vorgesetzen nicht auf dessen vermeintlich schlechte Manieren hinweisen.

Original-Knigge ist keine detaillierte Anstandsanleitung

Schon Adolph Knigges 1788 verfasstes Werk „Über den Umgang mit Menschen“ war eher eine allgemeine, philosophische Abhandlung und keine detaillierte Anstandsanleitung. Erst im Laufe der Jahre entstanden daraus genau Regelwerke und moderne Abwandlungen wie der „Sex-Knigge“ oder der „E-Mail-Knigge“.

„Knigge war ein großer Fan der Aufklärung“, schwärmt sein Nachfahre, der selbst immer wieder an Eigenverantwortung und den gesunden Menschenverstand appelliert. Ursprünglich ist Etikette dafür gedacht, zwischen unterschiedlichen Menschen gemeinsame Grundlagen herzustellen. 

Genaue Etikette-Anleitungen seien daher auch besonders interessant, wenn man ins Ausland geht. Denn wer die regionalen Gepflogenheiten und kulturellen Besonderheiten nicht kennt, tritt leicht in zahlreiche Fettnäpfchen.

Knigge appelliert an Eigenverantwortung

Zwar breiten sich heutzutage gesellschaftliche Entwicklungen und Phänomene rasant über den Globus aus, doch damit nehmen auch Konflikte und der Bedarf nach Etikette zu.

Bestes Beispiel: Das allgegenwärtige Handy-Telefonieren. Das große Problem an der gewachsenen  Individualität sei, dass sich viele so verhalten, als ob die Welt ihnen gehören würde, sagt Knigge.

Doch statt der teils rücksichtslosen Inanspruchnahme des öffentlichen Raums mit Vorschriften zu begegnen, fordert er jeden einzelnen auf, sich zu zurückhaltender zu zeigen:  „Dann wäre alles weniger problematisch“.

Auch in Bezug auf Computerspiele, die von der Politik gerne für die Verrohung der Sitten oder gar Gewalttaten verantwortlich gemacht wird,  hält Knigge nichts von Verboten. Er appelliert an die Eigenverantwortung und die Eltern, die sich auch mit den Lieblingsbeschäftigungen ihrer Kinder auseinandersetzen und mit ihnen spielen sollten.

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