Portwein Spitze genießen mit überschaubarem Investment

Niemand trinkt mehr Portwein als die Franzosen - denn das portugiesische Getränk hält in der Spitze mit den teuersten Rotweinen qualitativ mit. Dank fehlender Spekulation sind sie noch erschwinglich.

Der Portwein war das Getränk des georgianischen Zeitalters und des großen englischen Gesellschaftsromans im 19. Jahrhundert. Dort machte er unter trinkfesten Herren mit hohen weißen Halstüchern die Runde, nach einem Bummel im gepflegten Park, während des Abendessens und natürlich im Club. Aber auch unter feinen Damen in schlecht beheizten Country Houses, die sich ihm müde von ihren zahllosen Garderobenwechseln, von Picknick, Kricket und Bootsausflug in die Arme warfen.

Die Aristokratie reiste damals des Portweins wegen nach Bath, um die ihm zugeschriebene Gicht auszukurieren – und verabreichte sich Portwein, wenn Rhabarberwurzel allein nicht gegen Magenverstimmung half. Charles Dickens wiederum ließ die billigen Sorten später in der Unterwelt zirkulieren („Bring Portwein!“, raunzt der Mörder Rigaud in „Little Dorrit“: „Ich trinke nichts als Portwein, Portwein!“), während William Thackeray ihn vor allem in Pfarrhäusern geschätzt wusste. „Das Leben eines Pastors“, so legt es Thackeray in „Vanity Fair“ einem Schriftstellerkollegen in den Mund, besteht vor allem darin, „sich den Leib mit Plumpudding und Portwein zu füllen“.

Wie merkwürdig also, dass heute nicht mehr Großbritannien die erste Liebhaber-Nation für den süßen Portwein ist – sondern Frankreich. Andererseits: Wein muss man Franzosen nicht erklären. Viele der wertvollsten Rebstöcke der Welt stehen an den Ufern der Gironde. Bordeaux und auch Burgund sind Synonyme für große Rotweinqualitäten, Champagner ist das Signum für herausragenden Schaumwein. Ein gutes Glas Wein gehört in Frankreich wie selbstverständlich zum Déjeuner oder Diner. Und oft genug ist dieses gute Glas heute ein Portwein.

Die besten Flaschen unter 15 Euro
Alain Brumont Madiran Château BouscasséDie strammen Tannine und die Säure geben nach Ansicht des Wine Spectators dem Fruchtaroma genügend Halt, um den Wein nicht nur als Fruchtsaft erscheinen zu lassen. Herausgeschmeckt haben sie "getrocknete Erdbeeren, Rote Johannisbeeren, Schwarzen Tee, neues Leder und zuguterletzt auch Tabakblätter. Platz 51. bestvita.de Quelle: PR
Descendientes de J. Palacios Bierzo PétalosKräftige Schwarzkirsche, Lakritz, Rauch - das sind die Noten, die nach Ansicht des Wine Spectators dennoch einen sanften Wein auszeichnen, dessen Tannine, die im Gaumen ein beißendes Gefühl auslösen können, gut im Wein eingebunden sind. Sprich: Sie geben dem Wein ein Fundament, ohne sich in den Vordergrund zu drängeln. Platz 53. silkes-weinkeller.de Quelle: PR
Torre Rosazza Pinot Grigio Friuli Colli OrientaliDer Pinot Grigio, aka Grauburgunder, aka Pinot Gris, hat es dank seiner Beliebtheit dorthin gebracht, wo der Chardonnay einst landete: In die Missgunst derjenigen Weinliebhaber, die allzu oft mit schlechten Pinot Grigios konfrontiert wurden, weil sich die Traube gut verkauft. Dieser hier schafft es aber auf Platz 83 in der Top100 der Liste 2015 des Wine Spectator. Zu verdanken hat er das seinem cremigen Körper, der mit einer feinen Säure abschließt. Unter Fruchtaromen notieren die Tester: Guave, Sternfrucht, eingelegten Ingwer und Eiche. weinquelle.de Quelle: PR
Jean-Marie Brocard Quelle: PR
Domaine Terlato et Chapoutier Shiraz-Viognier Victoria 45 Cent über der 15-Euro-Schallgrenze - dafür eine der ungewöhnlichsten Mischungen aus zwei Rebsorten: Shiraz, der in Frankreich Syrah heißt, angereichert mit Viognier - einer Weißweintraube. Fünf Prozent hat die Domaine Terlato & Chapoutier davon dem Wein beigefügt. Das macht ihn "frisch und ausdrucksstark" schreiben die Tester des Wine Spectator. Schwarze Kirsche seien gut balanciert mit einer Mineralität, die "in ein langes Finish mit feinen Tanninen gleitet". vinatis.de Quelle: PR
Vina Montes Syrah Colchagua Valley AlphaDunkle Farbe mit würzigem Aroma und reichlich Noten von Schwarzer Kirsch, Blaubeeren und dunkler Pflaume. Dazu gesellt sich dunkle Schokolade und reichlich Mokka-Akzente, haben die Tester herausgeschmeckt. Platz 37. edelrausch.de Quelle: PR
d'Angelo Aglianico del VultureErdige Noten und die von Schwarzer Kirsche sind in diesem "harmonischen, mit mittelgroßem Körper" vereint. Herausgeschmeckt wurden ebenso noch schwarze Oliven, Feigenbrot und getrocknete Kräuter. Platz 74. weinhandel-italien.de Quelle: PR
Dominio de Tares Cepas Viejas Ein moderner spanischer Rotwein in den Augen des Wine Spectator mit reichlich Aromen von Pflaume, Schwarzbeere und Boisenbeere, leichten Noten von Kaffee, Kräutern und Zeder. Dem steht genügend Säure gegenüber, um ihn frisch wirken zu lassen. hispavinus.de Quelle: PR
Feudo di Santa Croce Primitivo di Manduria LXXIV Eins ist klar - Primitivo ist der Name des Weins nicht. Primitivo heißt die Traube, die hier trotz des altertümlichen Namens einen modernen Rotwein ergibt, mit leichten Vanillenoten, Kräutern und zum Gefallen des Testers Pflaumensoße und Kirschen. Platz 67 televino.de
Castello D'Albola Chianti Classico Ein Kern aus Kirschen und Beeren in einem "festen" Wein, unterlegt mit Tabaknoten. Ein wenig Geduld braucht der Käufer noch - zwei, drei Wochen. Denn zwischen 2016 und 2025 liegt seine optimale Trinkreife. Platz 46 buehrmann-weine.de Quelle: PR

Exakt 1.507.617 Liter Premium-Port importierte Frankreich zwischen Januar und November 2016 – mehr als alle anderen Nationen. Dazu kamen noch einmal 16.678.404 Liter einfacher Portwein – mehr als die Portugiesen selber konsumieren.

Vielleicht liegt es auch daran, dass die Franzosen sich den Sinn für ein angemessenes Preis-Leistungs-Verhältnis bewahrt haben. Die Spitzenerzeugnisse aus dem nordportugiesischen Douro-Tal stehen noch nicht auf der Watchlist vor allem überseeischer Spekulanten, die die Preise für die teuersten Kreszenzen aus Bordeaux und Burgund zuletzt ins Absurde haben überschießen lassen.

Portwein - Was ist was?

Aber Vorsicht: „Das ändert sich langsam“, sagt Axel Probst, Autor eines soeben erschienenen Buchs über den Portwein: Was vor einigen Jahren noch für 100 Euro pro Flasche verkauft wurde, koste heute schon mehr als Doppelte.

Einer der Gründe, warum selbst der Erwerb sehr alter Portweine mit mehr als 40 Jahren Lagerzeit vorerst noch erschwinglich ist: Das süße, mit Weinbrand versetzte Getränk mit seinem von reifen, getrockneten Früchten, Nüssen und Holz geprägten Bukett stößt in Fernost auf kein Interesse. In der Liste der 25 größten Abnehmer tauchen weder China noch Hongkong auf. Während Käufer aus China in den vergangenen Jahren bereit waren, immer höhere Summen für die prestigeträchtigsten Etiketten aus Frankreich zu zahlen, zeigen sie für den namenlosen Portwein (noch) kein Interesse.

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