Postprandiale Somnolenz Was Sie gegen das Mittagstief tun können

Nach dem Mittagessen fallen viele Arbeitnehmer ins so genannte Fresskoma. Wie man dagegen angehen kann – auch im Büro.

Müde im Büro Quelle: Fotolia

Das Mittagessen war üppig, was folgt ist eine bleierne Müdigkeit. Die meisten Arbeitnehmer fühlen sich nach dem Essen unkonzentriert, schlapp, unmotiviert – und würden am liebsten ein Nickerchen einlegen. Was unter Arbeitnehmern als Mittagstief oder Fresskoma bekannt ist, bezeichnen Mediziner als postprandiale Somnolenz.

„Es ist experimentell mehrfach nachgewiesen, dass die Konzentrationsfähigkeit aber auch die körperliche Kraft während des Mittagstiefs nachlässt“, sagt Henrik Oster, Professor für Chronophysiologie an der Universität zu Lübeck. Das Mittagstief hat zwei Ursachen. Einerseits ist es mit der so genannten zirkadianen Uhr verbunden, unserer inneren Uhr. „Sie reguliert den 24-Stunden-Rhythmus, in dem wir uns bewegen. Sie ist aber auch verantwortlich für kürzere Rhythmen. Einer dieser Rhythmen führt zu dem Tief am Mittag“, sagt Oster.

Intensiviert wird dieses Tief durch die Nahrungsaufnahme. „Der Körper schaltet nach dem Essen in den Verdauungsmodus“, sagt Oster. Magen und Darm zerlegen die aufgenommene Nahrung in ihre Grundbausteine. Dafür muss der Magen-Darm-Trakt verstärkt durchblutet werden – das Blut wiederum fehlt in Muskulatur und im Gehirn. Auch die Sauerstoffzufuhr nimmt ab.

Fakten rund um das Thema Schlaf

„Je aufwendiger der Verdauungsprozess ist, desto mehr Energie verbraucht der Körper dafür“, erklärt Oster. Bei Mäusen hatten die Pharmakologen Denis Burdakov und Mahesh Karnani von der University of Cambridge festgestellt, dass die Gehirnaktivität nachließ, wenn sie zuvor kohlenhydratreiche Nahrung zu sich genommen haben.

Um gegen das Tief anzugehen, gibt es zwei einfache Möglichkeiten, die allerdings nur bedingt praktikabel sind: „Wenn wir mittags nichts essen, fällt unser Tief nicht so stark aus. Evolutionär bedingt schaltet unser Körper dann auf den Nahrungssuchemodus“, sagt Oster. Allerdings sitzt man dann mit knurrendem Magen am Schreibtisch. Die beste Lösung wäre ein kurzes Mittagsschläfen. „In Deutschland ist die Siesta aber verpönt. In vielen anderen Ländern – etwa China – ist es durchaus üblich, dass die Arbeitsnehmer kollektiv bis zu 15 Minuten Mittagsschlaf machen.“

Wie viele Stunden verschiedene Personengruppen im Durchschnitt schlafen

Als für den deutschen Berufsalltag eher praktikable Alternative dazu empfiehlt der Experte nach dem Mittagessen zumindest kurz abzuschalten. „Gleich nach dem Essen sollte man mental oder physisch anstrengende Tätigkeiten vermeiden, bis man sich ausgeruhter fühlt.“

Hilfreich ist zudem Bewegung. Sie nützt sogar mehr als Kaffee, wie Forscher der University of Georgia bewiesen haben. Sie ließen Probanden im jungen Erwachsenenalter höchstens 6,5 Stunden schlafen. Im Anschluss daran sollten die Probanden an einem Tag zehn Minuten Treppensteigen, an einem anderen Tag 50 Milligramm Koffein zu sich nehmen – das entspricht der Dosis in einem Espresso. Im Anschluss überprüften die Forscher die Leistungsfähigkeit mittels Reaktions- und Konzentrationstests. Die Probanden fühlten sich nach dem Treppensteigen energiegeladener und wacher, eine bessere Konzentrationsfähigkeit konnte aber nicht nachgewiesen werden.

Auch wer fettige Lebensmittel vermeidet und stattdessen Obst und Gemüse oder ballaststoffreiche Lebensmittel zu sich nimmt, hat es am Mittag leichter.

Stressabbau am Schreibtisch

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