Preise im freien Fall Das Nobelimage von St. Moritz bröckelt

Immobilienblase, Steuerfahnder und Zweitwohnungsteuer: Im schweizerischen Wintersportort ist die Stimmung nicht mehr ungetrübt.

Die deutschen Milliardäre in der Schweiz
Sebastian VettelRegelmäßig listet das Schweizer Wirtschaftsmagazin
Hans-Peter WildDen größten Schnitt hat 2013 Hans-Peter Wild (73) gemacht, der Erfinder der Capri-Sonne: Für 2,3 Milliarden Euro schluckte der US-Riese Archer Daniels Midland (ADM) den Aromahersteller Wild Flavors, an dem Wild noch mit zwei Dritteln beteiligt war. Quelle: dpa
Georg BauNach amerikanischem Vorbild errichtete Heinz Georg Baus (80) 1960 den ersten deutschen Baumarkt. Seither klingeln die Kassen und das Unternehmen expandiert mit oft riesigen Baumärkten, inzwischen auch in seiner Wahlheimat Schweiz. Oft sind die Immobilien der Bauhaus-Filialen mit bis zu 29.000 Quadratmetern im Eigentum des medienscheuen Unternehmers. In der Bilanz-Rangliste wird Baus mit einem Vermögen zwischen 3,5 und vier Milliarden Franken geführt. Quelle: Pressebild
Familie Theo MüllerTheo Müller (74) ist alleiniger Inhaber der
Karl-Heinz KippDer Bau-Guru und deutsche Milliardär Karl-Heinz Kipp besitzt neben diversen Schweizer Nobelhotels wie dem Carlton in St. Moritz oder dem Eden Roc in Ascona einige Wolkenkratzer in New York. Aber auch der zweitgrößte Handelskonzern Europas, die Metro Group, ist Pächter von diversen Warenhäusern aus der Immobilienlandschaft des Tycoon. Das Vermögen seiner Familie wird auf vier bis fünf Milliarden Franken taxiert. Quelle: PR
Die Wella-ErbenImmo Ströher ist der Urenkel des Friseurmeisters und Gründers von Wella Franz Ströher. Er gilt als derjenige, der gegen den Strom schwimmt, da er sich durch den Abtritt des Wella-Konzerns an Procter & Gamble, sowie seine zahlreichen Investitionen in erneuerbare Energien, komplett aus der Haarpflege-Sparte zurückgezogen hat. Das Gesamtvermögen der Wella-Erben wird auf knapp unter fünf Milliarden Franken geschätzt. Quelle: dpa/dpaweb
Familie August von FinckDie Familie, bestehend aus August Baron von Finck mit seiner Gattin Francine Baronin von Finck sowie drei Söhnen und einer Tochter verwaltet ihr Vermögen durch diverse Beteiligungen und Immobilien. Sohn Luitpold Ferdinand von Finck ist Präsident im Verwaltungsrat der Mövenpick Hotels & Resorts. Das Gesamtvermögen der Familie wird auf fünf bis sechs Milliarden Schweizer Franken geschätzt. Quelle: dpa

St. Moritz erwacht wie auf geheimen Befehl. Hotelpagen, Serviererinnen, Barkellner und Commis de Rang beziehen ihre Personalzimmer. Gourmetkünstler füllen die Küchen der Hotelpaläste wieder mit Leben, Techniker lassen frisches Wasser in die Hallenbäder ein, und Floristen platzieren ihre Blumengebinde. Seit Anfang Dezember geht das so. Rund 3.000 Angestellte bauen an der großen Kulisse des Welttheaters, dessen Vorhang sich zu Weihnachten geöffnet hat. Sie erwarten gespannt ihre Gäste, die Allrad-Limousinen entsteigen oder mit Learjets auf dem Flugfeld in Samedan einschweben. So soll es sein, so war es stets in den vergangenen Jahrzehnten. Trotz Krisen oder Rezessionen spielte das St.-Moritz-Theater immer auf. Die Hautevolee wollte unterhalten sein, die Reichen und Superreichen kannten keine Flaute.

Doch diese Saison ist es anders. St. Moritz ist von einer stillen Verstimmtheit ergriffen. Unter den Einheimischen ist die Zuversicht gewichen. Hoteliers bangen um ihr Auslastung, Baumeister um ihre Zukunft. Immobilienmakler drehen Däumchen in ihren Büros. St. Moritz ist in Sorge.

Die globale Showbühne 1.850 Meter über dem Meer bedeutet alljährlich einen gewaltigen Kraftakt. 5.300 Betten in 40 Traditionshäusern und etlichen kleinen Boutiquehotels sollen bezogen werden, die Hälfte davon im Segment mit vier oder fünf Sternen. Wenn alles gut geht, sollen im 5.000-Seelen-Dorf über die Feiertage mehr als 110.000 Feriengäste übernachten. Und das alles mit Weltklasse, chic und elegant. "Top of the World", wie das Dorf wirbt.

So teuer sind Europas Ski-Gebiete
Leihgebühr für SkierWer keine eigenen Skier besitzt, muss sich die Bretter wohl oder übel im Skigebiet leihen. Auch bei der Tagesgebühr für Skier ist der polnische Ort Zakopane wieder am günstigsten. Hier zahlen Wintersportfreunde 5,99 Euro pro Tag. In Grindelwald in der Schweiz werden 34,46 Euro fällig. Quelle: dpa
Flasche ColaEine 0,2-Liter-Flasche Coca Cola kostet in Zakopane lediglich 0,97 Euro. Im deutschen Skiort Oberstaufen fallen 2,39 Euro an. Quelle: dapd
Die warme MahlzeitAuch der kleine Hunger zwischendurch kann kräftig ins Geld gehen. Wer eine Portion Nudeln mit Soße bestellt, zahlt in Zakopane 3,56. Für das gleiche Gericht werden in Zermatt in der Schweiz 18,19 Euro berechnet. Quelle: dpa
Ski-SockenDie Ski-Socken wiederum sind in Oberstdorf eher günstig zu haben. Das Paar kostet hier 7,60 Euro. In Zermatt in der Schweiz müssen Freunde guter Outdoor-Kleidung 29,49 Euro berappen. Quelle: AP
Leihgebühr für SchlittenDie Tagesgebühr für Schlitten ist im polnischen Skiort Zakopane mit 1,90 Euro am günstigsten. In Madonna di Campiglio müssen hingegen 9,33 Euro gezahlt werden. Quelle: dpa
GlühweinEin heißes Getränk auf der Hütte gehört zum Winterurlaub einfach dazu. Zum Vergleich hat sich der ADAC die Preise für Glühwein angeschaut. Besonders günstig ist dieser mit 1,56 Euro pro Becher im tschechischen Ort Spindlermühle. In Zermatt in der Schweiz müssen hingegen 5,58 Euro ausgegeben werden. Quelle: dpa

Tiefer Schnee und die Engadiner Sonne können weitgehend risikofrei einkalkuliert werden, wie seit je. "Dieses besondere Licht", dichtete der Philosoph Friedrich Nietzsche in seinem Engadiner Haus, "durchsichtig, glühend in den Farben, alle Gegensätze, alle Mitten zwischen Eis und Süden in sich schließen, zweitausend Meter über allen menschlichen Dingen."

Dem Himmel am nächsten sind die Villenbesitzer am Suvretta, dem Beverley Hills der Alpen. Hier wohnen sie über die ruhigen Tage, die Superreichen, in ihrer Parallelwelt in gebührender Distanz zu den Einheimischen im Dorf. Die Besitzer wechseln selten. Früher betraf es zwei oder drei Villen pro Jahr. Heute sind es eher nur noch ein bis zwei, und dann werden zumeist mehr als 30 Millionen Franken fällig. Wie zuletzt beim Verkauf zweier Chalets der Versandhaus-Erbin Madeleine Schickedanz.

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