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Preise im freien Fall Das Nobelimage von St. Moritz bröckelt

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Preise im freien Fall

Warum dies so ist, will eigentlich niemand so genau wissen – oder zumindest nicht drüber reden. Es geht um Schwarzgeld. Fest steht, dass die italienische Steuerpolizei ein Auge auf die Reisenden geworfen hat, die an den Ferientagen nach Norden aufbrechen. Videokameras zeichnen die Autonummern vor den Grenzübergängen in Chiavenna und Castasegna auf. Erzählt wird davon, dass Agenten der Guardia di Finanza bis ins Hochtal vordrängen, um unversteuertes Vermögen aufzuspüren. Das verschreckt die Stammgäste aus dem Süden.

Aber auch deutsche Gäste bleiben fern. Warum? Weil auch ihnen die Debatten um Reichensteuern und Schweizer Weißgeldstrategien zusetzen? Weil sie inzwischen ihre Schweizer Konten legalisiert haben und daher auch andernorts unbekümmert über ihre Gelder verfügen können? Andere Deutsche wiederum kaufen sorglos mit Bargeld ein. Vom Schwarzgeldkonto, das bald dem Steueramt zu melden ist? Es gibt keine Statistiken über die kleinen Geheimnisse von St. Moritz. "In St. Moritz wurde noch keiner gefragt, woher er den Zaster hat", pflegte der ehemalige Kurdirektor Hanspeter Danuser zu sagen.

Die zweite Sorge gilt dem Immobilienmarkt, der eine paradoxe Entwicklung erlebt. Eigentlich müsste das Dorf in einer Schlussverkaufsstimmung stecken. Denn nach einer Gesetzesänderung werden reine Ferienwohnungen zum knappen Gut. Zusammen mit der allgemeinen Flucht in Immobilien in hochwertigen Lagen sollte das die Nachfrage steigen lassen. Und damit die Preise.

Doch das Gegenteil ist der Fall. Derzeit stehen in St. Moritz mehr als 50 luxuriöse Wohnungen zum Verkauf, nicht wenige schon seit mehr als einem Jahr. Darunter seit März 2011 mehrere Apartments an der Via Maestra mit Preisen zwischen 3,3 und 4,4 Millionen Franken, seit November 2011 ein Penthouse an der Via Aona für 6,5 Millionen, seit April 2011 eine Fünfzimmerwohnung mit begehrter Ausländer-Bewilligung, die auch Nicht-Schweizern Immobilienbesitz erlaubt.

Einige Anbieter senken die Preise. "Wir hatten in diesem Segment noch nie so viele Wohnungen auf dem Markt", sagt Rechtsanwalt Urs Nater, der vorwiegend englischsprachige Klienten betreut, "dieser Rückstau muss abgebaut werden." Er rechnet erst in etwa fünf bis sieben Jahren mit einer Erholung. "Die Preise sind im freien Fall", sagt ein Makler von Luxusimmobilien, der seinen Namen aber lieber nicht veröffentlicht sehen will.

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