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Preisträger Chinesischer Erzähler Mo Yan gewinnt Literaturnobelpreis

Der in seiner Heimat sehr erfolgreiche chinesische Schriftsteller Mo Yan bekommt den Nobelpreis für Literatur. Das teilte das zuständige Nobelpreiskomitee am Donnerstag in Stockholm mit und erklärte zur Begründung, der Schriftsteller vermische mit "halluzinatorischem Realismus" Volksmärchen, Geschichte und Gegenwart.

Der Schriftsteller Mo Yan spricht am 13.10.2009 zur Eröffnungsfeier der 61. Buchmesse in Frankfurt am Main. Der Nobelpreis für Literatur geht in diesem Jahr an den 57-jährigen Autor aus China. Das teilte die Schwedische Akademie am Donnerstag in Stockholm mit. Der wichtigste Literaturpreis der Welt ist mit umgerechnet 930 000 Euro (8 Millionen Schwedischen Kronen) dotiert. Quelle: dpa

Mo Yan wurde 1955 als Bauernsohn in Guan Moye geboren und bezieht sich in seiner Arbeit häufig auf Erlebnisse seiner Kindheit und Jugend. Während der Kulturrevolution arbeitete der in einer Fabrik. Sein literarisches Schaffen begann er als Soldat bei der Volksbefreiungsarmee, in die er Mitte der 70er Jahre mit 20 Jahren eintrat.

Literatur-Nobelpreis geht an den Chinesen Mo Yan

Der literarische Durchbruch gelang ihm 1987 mit dem Novellenzyklus "Das rote Kornfeld" (Deutscher Titel), eine Familiensaga, die unter anderem zu Zeiten des chinesisch-japanischen Krieges von 1937 bis 1945 spielt, und von der japanischen Okkupation und den schweren Bedingungen für das verarmte Landproletariat erzählt. Die Verfilmung des Romans wurde 1988 auf der Berlinale mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet.

Die wichtigsten Fragen zum Literatur-Nobelpreis

In Deutschland erschienen außerdem die Titel "Die Knoblauchrevolte" und "Die Schnapsstadt". Mo Yan selber hält „Große Brüste und breite Hüften“ (1996) für eines seiner wichtigsten Bücher. Es dreht sich um starke Frauen und schwache Männer - eine Familie im Wandel der Geschichte. Das Buch gewann 1996 die höchste literarische Auszeichnung Chinas, was ihm nicht nur Ruhm, sondern auch skeptische Aufmerksamkeit einbrachte. Ideologische Sittenwächter bemängelten, er habe die Kommunisten zu schlecht und die Nationalisten zu gut beschrieben.
Sein Werk „Wa“ (übersetzt: Frosch) von 2009 beschäftigt sich mit der kontroversen Ein-Kind-Politik in China und gewann 2011 den Mao Dun-Preis der chinesischen Schriftstellervereinigung. Viele seiner Werke wie „Die Sandelholzstrafe“ (2001) oder „Der Überdruss“ (2008) sind in jüngster Zeit auf Deutsch, Englisch und in anderen Sprachen erschienen, was die internationale Aufmerksamkeit erklärt.

Die Nobelpreisträger 2012
Der NobelpreisDer Preis wird seit 1901 jährlich vergeben. Gründer der Auszeichnung ist der schwedische Erfinder und Industrielle Alfred Nobel (1833-1896). In seinem Testament legte er fest, dass mit seinem Vermögen eine Stiftung gegründet werden sollte. Die Stiftung solle einen Preis ausschreiben, mit dem diejenigen geehrt werden, die im "verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben." Der Nobelpreis wird in den Kategorien Physiologie oder Medizin, Physik, Chemie, Literatur und Friedensbemühungen vergeben. Außerdem stiftet die schwedische Reichsbank einen Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaftler. Anbei eine Übersicht über die Preisträger 2012. Quelle: dpa
Nobelpreis für Physiologie oder MedizinDer japanischen Forscher Shinya Yamanaka ist einer der beiden Nobelpreisträger für Physiologie oder Medizin. Der Arzt und Stammzellenforscher erhielt die Auszeichnung für die künstliche Herstellung von Stammzellen. Ihm ist es gelungen, erwachsene Körperzellen in ihren embryonalen Zustand zurückversetzt haben - eine Revolution in der Stammzellforschung, weil sich diese Zellen in alle Zellen des Menschen entwickeln können. Quelle: dpa
Nobelpreis für Physiologie oder MedizinIn dieser Kategorie wurde auch der Brite John Gurdon ausgezeichnet. Der Entwicklungsbiologe Gurdon forschte viele Jahre an der britischen Cambridge-Universität. Er entdeckte bereits 1962, dass die Spezialisierung der reifen Zelle rückgängig gemacht werden kann. In einem klassischen Experiment ersetzte er den unreifen Zellkern - in diesem liegt das Erbgut, die DANN - in der Eizelle eines Frosches mit dem Zellkern einer ausgereiften Darmzelle. Diese manipulierte Eizelle entwickelte sich trotzdem zu einer normalen Kaulquappe. Gurdon bewies so, dass das Erbgut in der reifen Zelle alle Informationen besitzt, die benötigt werden, um jegliche Zellarten eines Frosches auszubilden. Er legte damit die Grundlage für die Forschung von Yamanaka. Quelle: dpa
Nobelpreis für PhysikDer Amerikaner David J. Wineland teilt sich mit dem Franzosen Serge Haroche den Nobelpreis für Physik. Die beiden werden für ihre für ihre „bahnbrechenden Methoden“, mit denen sich kleine Teilchen beobachten lassen, geehrt. Beide konstruierten dafür Fallen, in denen geladene Teilchen (Ionen) oder Lichtteilchen (Photonen) eingefangen werden können. Die besondere Leistung der Forscher: Ihre Objekte werden dabei nicht zerstört, sondern können über eine gewisse Zeit beobachtet werden. Wineland wurde 1944 geboren und promovierte an der Harvard University. Zurzeit forscht er am National Institute of Standards and Technology (NIST) und der University of Colorado in Boulder. Quelle: Reuters
Nobelpreis für PhysikDurch die Arbeiten der beiden Quantenforscher sei es erst möglich geworden, extrem schnelle Computer zu entwickeln, erklärte ein Sprecher der Wissenschaftsakademie. Die beiden Forscher (Serge Haroche im Bild) hätten „die Tür zu einem neuen Zeitalter der Quantenphysik-Experimente geöffnet“, heißt es in der Begründung. Haroche, Jahrgang 1944, studierte und promovierte in Paris. Derzeit arbeitet er an der Ecole Normale Superieure (ENS) in Paris. Quelle: dapd
Nobelpreis für ChemieRobert Lefkowitz erwarb 1962 an der Columbia University in New York City einen Bachelor in Chemie, 1966 folgte der M.D. Darauf arbeitete zunächst als Assistenzarzt ehe er 1968 in die Forschung an das National Institutes of Health wechselte. Seit 1973 hat Lekowitz einen Professur am Duke University Medical Center in Durham. Den Nobelpreis für Chemie erhält er gemeinsam mit Brian Kobilak für die Erforschung der Kommunikation von Milliarden von Körperzellen. Quelle: dpa
Nobelpreis für ChemieBrian Kobilak ist Professor an der Stanford Univerity School of Medicine. Kobilka studierte Biologie und Chemie an der University of Minnesota Duluth und absolvierte nach seinem Bachelor die School of Medicine in Yale. Später wechselte er an die Duke University, wo er als Postdoc bei Robert Lefkowitz arbeitet. Quelle: dpa


Sein literarisches Werk passt schwerlich in politische Schubladen. Doch sah sich Mo Yan 2009 gezwungen, den Vorwurf zurückzuweisen, ein „Staatsschriftsteller“ zu sein. Bei dem umstrittenen Gastlandauftritt Chinas damals auf der Frankfurter Buchmesse gehörte der Autor zur offiziellen chinesischen Delegation. Als die Delegation unter Anleitung des damaligen chinesischen Botschafters Mei Zhaorong aus Protest gegen die Teilnahme chinesischer Dissidenten an einem Symposium demonstrativ den Raum verließ, marschierte Mo Yan mit.
Sein Verhalten stieß unter chinesischen Intellektuellen auf Kritik. Mo Yan rechtfertigte sich mit den besonderen Zwängen, die bis heute in China herrschen. So sei er vom Verlags- und Presseamt sowie vom Schriftstellerverband in die offizielle Delegation entsandt worden. Auch sei er weiter bei einem Institut des Pekinger Kulturministeriums angestellt, das schließlich auch seine Sozial- und Krankenversicherung zahle, argumentierte Mo Yan.

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