Psychologie Erfolg macht unsozial

Schon kleine Kinder sind eher hilfsbereit, wenn sie glauben, einen niedrigeren Status als andere zu haben. Wer selbst gewinnt, denkt weniger an andere, zeigen psychologische Versuche.

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Dass nicht alle Menschen gleichermaßen sozial denken und handeln, liegt auf der Hand. Das Spektrum menschlichen Verhaltens reicht von rücksichtslosem Egoismus bis zur selbstlosen Aufopferung für andere. Doch völlig willkürlich lassen sich Menschen innerhalb dieser Bandbreite offensichtlich nicht verorten. Wie psychologische Versuche jetzt gezeigt haben, besteht ein deutlicher Zusammenhang zwischen dem sozialen Status und den sozialen Überzeugungen und Handlungen von Menschen.

Psychologen um Ana Guinote vom University College London haben in vier Experimenten nachgewiesen, dass Menschen mit geringem Prestige, also Ansehen bei anderen, eher gemeinschaftliches Verhalten zeigen und an sozialer Gleichheit orientierte Werte vertreten, als solche, die einen hohen Status innehaben.

Besonders erstaunlich: Das gilt schon bei Kleinkindern. Vorschüler mit geringem Sozialprestige waren in Versuchen eher bereit, anderen Kindern zu helfen, selbst wenn das mit größerem Aufwand verbunden war. „Dieses Muster der Beziehung zwischen sozialer Hierarchie und Altruismus taucht auf, bevor die Kinder lesen können und bevor sie komplexe moralische Überlegungen und soziale Wahrnehmungen anstellen können“, schreiben die Autoren.

Warum Narzissten schneller Karriere machen
Narzissten sind selbstbewusstSelbstbewusstsein und die dazugehörige Portion Rücksichtslosigkeit macht Narzissten so erfolgreich - und Unternehmen häufig erst innovativ. Eine Studie deutsch-amerikanischer Forscher um Wolf Christian Gerstner und Andreas König von der Universität Erlangen-Nürnberg zeigt: Unternehmen investieren umso häufiger in neue Technologien, je narzisstischer der jeweilige CEO ist. Dennoch ist Vorsicht angebracht: Zu viel Risikobereitschaft kann dem Unternehmen auch schaden. Quelle: AP
Narzissten sind ideale ChefsNarzissmus ja, aber bitte nicht zu viel. So lautet die Beschreibung für den idealen Chef. Wissenschaftler um Emily Grijalva von der Universität von Illinois fanden heraus, dass der Zusammenhang zwischen Narzissmus und dem Erfolg als Führungskraft die Form eines umgekehrten U annimmt. Soll heißen: Extremer Narzissmus hilft ebenso wenig weiter wie überhaupt kein Narzissmus. „Der ideale Chef ist in Maßen narzisstisch“, sagt Grijalva. Quelle: Fotolia
Narzissten sind ehrgeizigVor allem in Chefetagen sind Narzissten keine Seltenheit. Kein Zufall: Zum einen sind Narzissten ehrgeizig, motiviert und machtgierig. Zum anderen verfügen sie über die nötige soziale Intelligenz, um ihre Untergebenen und Kollegen zu umschmeicheln. Das beweist auch eine Studie von der Ohio State Universität aus dem Jahr 2008. Die ergab: Narzisstische Studenten sind nicht nur besonders dominant bei Diskussionen, sondern wurden auch häufig in den Vorsitz von Studentenvereinigungen gewählt. Quelle: dpa
Narzissten machen steiler KarriereEgo hin oder her: Dass Narzissten schneller die Karriereleiter erklimmen, ist bekannt. Rücksichtslos und konsequent egoistisch lassen sie alle Hindernisse links liegen und ziehen durch, bis sie in der Chefetage angekommen sind. Dieses Charisma kann manchmal sogar ansteckend wirken - und Mitarbeiter dazu verleiten, selbst ein bisschen mehr Ehrgeiz an den Tag zu legen. Quelle: dpa
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Narzissten sind sympathischZumindest auf den ersten Blick. Das zeigt eine Studie der Universität Münster. Befragte Kommilitonen gaben bei Narzissten oft an: „Finde ich sympathisch, würde ich gern besser kennenlernen.“ Langfristig machen sich Narzissten dagegen keine Freunde – wer länger mit ihnen zu tun hat, dem werden Narzissten auf Dauer unsympathischer.   Quelle: Fotolia
Narzissten sind extrovertiertVor allem mit ihrer Extrovertiertheit können Narzissten oft punkten. Die kann schon beim Bewerbungsgespräch zum entscheidenden Vorteil werden - wenn der Narzisst es schafft, bereits bei diesem ersten Treffen zu glänzen. Quelle: Fotolia
Narzissten sind beharrlichNarzissten sind von sich und ihren Ideen überzeugt - und wirken dementsprechend selbstbewusst. Ihre Ziele halten sie für die einzig waren – und verfolgen sie daher konsequent, wenn andere bereits aufgeben. Auch das ist ein Charakterzug, der im Berufsleben von Vorteil ist. Zumindest in Maßen. Quelle: AP
Was als direkter Angriff begann, kann durch gezieltes Nutzen von Schwächen verstärkt werden Quelle: Werner Heiber/Fotolia

Im Test mit 48 Vorschulkindern von durchschnittlich 4,7 Jahren wurden jeweils zwei gleichaltrigen Kindern desselben Geschlechts zwei Spielzeuge zur Auswahl präsentiert: ein beliebtes und ein weniger beliebtes. Wer sich im Wettbewerb um das beliebtere Spielzeug durchsetzte, galt für die folgende Untersuchung als höher stehend.

Dann wurden die Kinder gefragt, ob sie von fünf Stickern, die sie erhalten hatten, einige an ein angebliches Kind im Krankenhaus ohne Sticker abgeben möchten. Die Verlierer des vorhergegangenen Wettbewerbs gaben im Schnitt häufiger und mehr Sticker an vermeintlich kranke Kinder ab als die Gewinner.  

Für Erwachsene gilt Ähnliches: Solche mit niedrigem Status halfen eher und zeigten eher altruistische Absichten als hochstehende Menschen. Letztere dagegen legten besonderen Wert darauf, als kompetent zu erscheinen.  „Erwachsene mit geringerem Status planen öfter eine berufliche Karriere, die der Gemeinschaft dient, und vertreten mildtätigere und universellere Werte als Personen mit hohem Status“, schreiben die Autoren.  

In einem der Experimente beobachteten sie nach einem Schein-Test, ob Testpersonen einem Mitarbeiter halfen, dem scheinbar zufällig Stifte heruntergefallen waren. Zuvor war den Probanden – Studenten verschiedener Fachrichtungen – mit einem psychologisch bewährten Verfahren eingeredet worden, dass ihr Fachbereich besonders hochstehend oder eher unbedeutend sei. Letztere halfen deutlich öfter und intensiver beim Aufheben der Stifte.

Auf ähnliche Art und Weise wurden auch 50 Kunststudenten durch scheinbare Wertungen ihrer Kunstakademien mit einem hohen oder niedrigeren Status konditioniert. Daraufhin füllten sie Fragebögen über ihre Lebensziele aus. Dabei zeigten die mit niedrigerem Status eine eindeutige Tendenz zu weniger egoistischen und eher am Wohl anderer Menschen ausgerichteten Zielen. Sie gaben auch im Schnitt mehr gewünschte Kinder an.

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Was könnten die Gründe für diesen Zusammenhang sein? Guinote und Kollegen bieten eine evolutionsgeschichtliche Erklärung an: „Mildtätigkeit und partnerschaftliches Verhalten könnte eine Anpassungsstrategie für solche in niedriger Position gewesen sein. Unter vorgeschichtlichen Bedingungen hat ein kooperatives Verhalten den Menschen bessere Aussichten verschafft bei der Nahrungsbeschaffung, Partnerfindung und Verteidigung gegen Bedrohungen.“  

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