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Rainer Bechtel "Donald Duck ist eine Person aus dem echten Leben"

Seite 3/5

"Entenhausen ist Vorbild und Mahnung"

Seit 80 Jahren erfreut Donald Duck Jung und Alt Quelle: dpa

Und in Deutschland? Auch hier galt ein strebsamer Mensch als Vorbild, ein Mensch, der ein Lotterleben führt wie Donald eher mit Skepsis betrachtet.

Im Deutschland der 50er Jahre, als die ersten Hefte rauskamen, galten ja schon Comics als Untergang des Abendlandes. Comics wurden von vielen Eltern und Lehren als Schund abgetan. Sie haben völlig verkannt, dass dieses damals neue Medium etwas sehr geniales ist, diese Verbindung aus Bild und Text. Das wurde mit sehr großen Vorurteilen aufgenommen. Selbstverständlich wurde auch nicht erkannt, welche herrliche Sprache die Übersetzerin Dr. Erika Fuchs in die Comics brachte.

Knall, Peng, Puff?

Oder knirsch, schauder, klickeradoms. Das sind diese Lautworte, die wahrgenommen wurde, übersehen wurden Sätze, die in ihrer Schönheit so nicht in Schulbüchern selbstverständlich waren. Wir Donaldisten nennen diese Lautworte übrigens Erikativ.

Ist denn Entenhausen eine liberale Gesellschaft im Gegensatz zum Deutschland, das Comics verteufelte?

Donald ist jedenfalls akzeptiertes Mitglied der Gesellschaft. Er ist Mitglied in Vereinen. Er hat viele Freunde. Er hat auch Feinde, zum Beispiel den Nachbar Zorngiebel, mit dem er sich mehrfach streitet. Aber das hat nichts mit Donalds Charakterfestigkeit zu tun oder dass er nicht akzeptiert ist.

Gibt es eine Erklärung dafür?

Autor Barks hat - auch wenn wir glauben, dass er uns berichtet - hat natürlich versucht, eine Nachricht zu vermitteln. Er hat auch versucht, moralische Vorstellungen unterzubringen. Und er war fast ein Revoluzzer, der aber auch versuchte, Regeln zu verbreiten. Ganz banale, wie, dass man im Wald kein Feuer anzünden soll. Aber in Geschichten wie "Geld fällt vom Himmel" erörtert er Fragen von der Sinnhaftigkeit von Grundeinkommen und schildert die Funktion von Inflation und thematisiert den Wert von Geld. Darüber hinaus vermittelt er manche klassische Moralvorstellungen wie "Diebstahl lohnt nicht." Entenhausen ist Vorbild und Mahnung!

Klingt eher nach Bibel als Comic.

Auf der anderen Seite hat Barks auch eine allzu konservative Gesellschaft kritisiert.

Es ist eine kapitalistische Gesellschaft. Wovon lebt Entenhausen eigentlich?

In der Stadt ist eigentlich alles da. Unser Stadtplanforscher schätzt Entenhausen auf eine Einwohnerzahl von etwa 200.000 Personen. Eine typische amerikanische Stadt, die sich über die Jahrzehnte entwickelte. Gegründet von einem Herrn Erpel. Basis ist wohl ein ehemaliges Fort, da an dieser Stelle stand. Dieser Stadtgründer war auch – so scheint es – ein Vorfahr von Dagobert. Dagobert ist wohl früh übergesiedelt – von Schottland. Dagobert hat also schottische Vorfahren und ist nach Amerika gereist und hat dort durch Goldschürfen am Klondyke Geld gemacht. Aber auch in anderen Tätigkeiten, Dagobert hat immer hart gearbeitet.

Der perfekte amerikanische Traum.

Ja, er ist der typische Kapitalist, der Milliardär, der es sich erarbeitet hat, aus dem Nichts ein Imperium geschaffen hat und die Nachricht ist: Jeder kann es schaffen. Er hat sich nie etwas gegönnt und laut aus eigener Aussage war er immer der härteste der Harten, der Zäheste der Zähen. Und sparsamer als jeder andere.

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