Religion in Kinofilmen Hollywood entdeckt die Bibel neu

Die amerikanische Filmbranche hat die christliche Spiritualität für sich entdeckt. Ein Indiz für eine Renaissance der Frömmigkeit oder kalkulierte Strategie?

Quelle: imago / united archives

Jordan Roberts ist kein Name, der in Hollywood für Aufsehen sorgt. Er verfasste die Drehbücher zu vergessenen Filmen wie „Around the Bend“ oder „Frankie Go Boom“. Sein einzig bemerkenswerter Beitrag zum Kino war bislang das Skript für die amerikanische Fassung von „Die Reise der Pinguine“. Und doch wird der Autor derzeit von den Studios begehrt wie selten zuvor, bekommt mindestens eine Anfrage pro Woche. Der Grund dafür hat nur zum Teil mit seinen handwerklichen Qualitäten zu tun. Denn er hat eine Eigenschaft, die ihn über seine Kollegen hinaushebt: Er geht regelmäßig in die Kirche.

Im amerikanischen Kino ist das Heilige so beliebt wie zuletzt in den Fünfzigern, als fromme Epen wie „Das Gewand“ oder „Ben Hur“ die Bibel zum großen Geschäft machten. Das augenfälligste Beispiel ist derzeit das apokalyptische Spektakel „Noah“, das weltweit rund 360 Millionen US-Dollar einspielte. Pünktlich zum Weihnachtsfest schickt dann Starregisseur Ridley Scott („Gladiator“) das Volk Israel wieder in den „Exodus“, danach will er als Regisseur oder Produzent den biblischen König David in Szene setzen. Eine Neuverfilmung von „Ben Hur“ befindet sich in Vorbereitung.

Die besten Streifen über Wirtschaft und Geld
Trading Places (dt. Glücksritter, 1983)An der Börse in Chicago gehen zwei ultrareiche Broker eine Wette ein: Ein reicher Händler aus gutem Hause soll zu einem armen Obdachlosen verwandelt werden, und ein armer Obdachloser in einen reichen Händler. Der Wetteinsatz: ein Dollar. Die zwei Opfer rächen sich. Das reiche Opfer sagt Sätze wie: “Denke immer groß, denke positive, zeige nie ein Zeichen von Schwäche. Gehe immer an die Gurgel. Kauf billig, und verkaufe teuer. Angst? Das ist das Problem der Anderen!” Eddie Murphy, Dan Aykroyd und Jamie Lee Curtis machen diesen Streifen zu einem perfekten 80er-Jahre-Abend.
Die Oceans Trilogie (2001-2007)Kasinos ausrauben macht Spaß. Dabei auch noch eine gute Figur machen – das hat der Regisseur Steven Soderbergh mit seiner glänzenden Trilogie immer wieder aufs Neue inszeniert. Das Publikum bedankte sich artig bei ihm und füllte die Kinos und die Kasse von Soderbergh, der damit seine Independent-Filme drehte.
21 (2008)Etwas ernster geht es in diesem Film zu: Studenten vom Massachusetts Institute of Technology wenden mathematische Strategien an, mit denen sie mit Blackjack in Kasinos weltweit ganze Millionengewinne einheimsen. Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit. Quelle: PR
Ri$iko - Der schnellste Weg zum Reichtum (2000)Ben Affleck spielt hier Jim Young, der direkt nach der Uni bei einem Börsenbroker anheuert. Gewissenhaft und schnell arbeitet sich Young ein. Bald beherrscht er die Kunst des Verkaufens so gut, dass er aufpassen muss, nicht auch seine Mutter zu verkaufen. Quelle: PR
Casino (1995)„Ein Kasino zu betreiben, ist wie ein Banküberfall, aber ohne das die Bullerei anrückt. Las Vegas wäscht mich von meinen Sünden frei. Es ist wie eine Moral-Waschanlage“ sagt Ace Rothstein (Robert de Niro). Er und Nicky Santoro (unvergesslich: Joe Pesci) sitzen am Ruder des Tangiers, ein fiktives Kasino in Las Vegas. Beide kommen aus der Mafia-Unterwelt, Rothstein macht Wetten, Santoro kümmert sich um das schmutzige Geschäft. Beide kennen sich in ihrem Metier wie keine Zweiten aus. Erzählt wird: Aufstieg und Fall einer skrupellosen Mafiatruppe, die in Las Vegas einfällt, um im Kasino-Geschäft Fuß zu fassen. Nur in wenigen Streifen kann man so gut verfolgen, was Geld bedeutet und was Geld mit den Menschen anstellt. Die Szenen in „Casino“ sind garniert mit Sätzen wie: „Es hätte alles perfekt sein können. Ace hatte mich, Nicky Santoro, der auf seinen Arsch aufgepasst hat. Er hielt Ginger, die Frau, die er liebte, in seinen Armen. Am Ende haben wir es alle verschissen.“ Es ist vielleicht der beste Film von Martin Scorsese. Viele kritisieren den Regisseur dafür, er hätte mit diesem Film gleich den Vorgänger „Goodfellas“ nochmal gedreht. Auch wenn der Vorwurf stimmen sollte: Es gibt nur wenige Filmemacher, denen solche eine Chuzpe gelingt. Quelle: Screenshot
Der große Crash - Margin Call (2011)Ein Risikomanager wird aus einer großen Bank gefeuert. Sein vermeintliches Vergehen: Er hat herausgefunden, dass die Aktienpapiere nichts wert sind und dass die Bank sofort Pleite gehen könnte, wenn es geringe Marktbewegungen geben könnte. In 24 Stunden muss die Bank gerettet werden. Ein sehr gut besetzter Film (Kevin Spacey, Demi Moore,..), der den Beginn der Finanzkrise am besten seziert. Quelle: PR

Gleichzeitig setzt Oscar-Gewinner Martin Scorsese einen Kontrapunkt zum hedonistischen Kapitalismus von „Wolf of Wall Street“. In der Romanadaption „Silence“ widmet Scorsese sich den Christenverfolgungen im Japan des 17. Jahrhunderts. Auch Steven Spielberg folgt der Tendenz zur Transzendenz. So sicherte er sich die Rechte an dem Drehbuch „The Kidnapping of Edgardo Mortara“, der – wahren – Geschichte eines jüdischen Jungen, der von den päpstlichen Behörden seinen Eltern entzogen wurde und letztlich dem Augustinerorden beitrat.

Bei all diesen Projekten handelt es sich um Hollywood-Hochglanz. Doch in diesem Frühjahr lief in den USA gleichzeitig eine Reihe von bescheidener konzipierten Filmen an, die beinah im Wochentakt für frohe Botschaften sorgten. 2013 wurde „The Bible“ auf dem „History Channel“ zum Quotenerfolg und dann auf DVD und Blu-ray zur bestverkauften Miniserie überhaupt. Die geschäftsbewussten Produzenten brachten die neu geschnittenen und leicht ergänzten Szenen der Jesus-Geschichte als Spin-off mit dem Titel „Son of God“ in die Kinos – ihr geringer Zusatzaufwand wurde mit knapp 70 Millionen US-Dollar an der Kinokasse honoriert. Inzwischen folgten noch weitere, „glaubens-basierte“ Filme, so der Branchenjargon.

Frühe Erfahrungen mit Jesus

Die unabhängige Produktion „God’s Not Dead“, in der ein christlicher Student seinen Glauben gegen seinen atheistischen Professor verteidigt, spielte in den USA 60 Millionen Dollar ein. Und wenn Gott nicht tot ist, dann gibt es auch einen Himmel: Die Bestsellerverfilmung „Heaven is for Real“ über die Nahtoderfahrung eines kleinen Jungen behauptet sich seit Wochen in den Top Ten und mehrte das Vermögen seiner Schöpfer bislang um mehr als 96 Millionen Dollar.

Nicht dass die Branche bislang solche Themen komplett gemieden hätte. Mel Gibsons „Passion Christi“ erwies sich 2004 als eine der erfolgreichsten unabhängigen, also nicht von den Studios finanzierten Produktionen aller Zeiten. Aber noch nie gab es eine derartige Konzentration von Erbauungswerken. Bob Waliszewski, ein ehemaliger Pastor im Dienst der evangelikalen Organisation „Focus on Family“ jubelt: „Im Lauf der letzten 20 Jahre habe ich noch nie so viele solcher Filme gesehen – das ist das Drei- bis Vierfache der normalen Menge.“

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