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Rückblick und Ausschau "2017 geraten wir in den Sog des Populismus"

Der Zukunftsforscher Horst Opaschowski blickt nicht nur auf den Horror des vergangenen Jahres, sondern auch auf die positiven Seiten und wagt einen Blick in die neue Welt(un)ordnung in 2017.

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Horst Opaschowski (2012) Quelle: dpa

WirtschaftsWoche: In 2016 hat sich die ohnehin hohe Schlagzahl einschneidender Ereignisse noch beschleunigt. Gibt es etwas, das wir aus dem abgelaufenen Jahr für die Zukunft lernen können?

Opaschowski: Es gab 2016 schreckliche Ereignisse wie die Attentate von Berlin, Ansbach und Nizza. Andererseits gab es ermutigende Beispiele, aus denen wir lernen können. Aus meiner Sicht ist das Verhalten des Rennfahrers Nico Rosberg richtungsweisend für Politiker und Manager: Unmittelbar nach seinem Gewinn der Formel-1-Weltmeisterschaft tritt er auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn freiwillig ab von der Bühne des beruflichen Erfolgs. Damit hat er sich als ökonomisch bereits reicher Mann zu einem Millionär ganz neuer Art gemacht, nämlich zu einem Millionär für Zeitwohlstand und Beziehungsreichtum in Familie und Freundeskreis.

War Rosbergs Rücktritt für Sie das Ereignis des Jahres 2016?

Nein, natürlich nicht. Rosberg habe ich lediglich positiv als Person mit Vorbildcharakter hervorgehoben. Aus weltpolitischer Sicht viel folgenreicher ist selbstverständlich die unerwartete Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten gewesen. Die politischen Folgen dieses Ereignisses für 2017 sind heute noch gar nicht absehbar – auch für die Zukunftsforschung nicht.

Zur Person

Vor einem Siegeszug des Populismus haben Sie bereits in den Vorjahren gewarnt. Wie gehen demokratische Gesellschaften am besten mit Trump, Putin & Co. um?

2017 wird ein Trump, Putin & Co.-Wendejahr mit radikal-konservativen Wirkungen. Russland und die USA, Polen, Ungarn und die Türkei, aber auch Deutschland, Frankreich, England und die Niederlande geraten in den Sog des Populismus, der aus Stimmungen Wählerstimmen macht. Die berühmte Berliner Grundsatzrede des früheren Bundespräsidenten Roman Herzog im Jahr 2004 mit der plakativen Forderung „Durch Deutschland muss ein Ruck gehen!“ erfährt eine radikale Kehrtwende. Der Ruck wird zum Rechtsruck und zum Synonym für Rückschritt. Planungsunsicherheit breitet sich in Wirtschaft und Gesellschaft aus. Kurz: Trump, Putin & Co. machen mit ihrer Hau-Ruck-Politik die nahe Zukunft unberechenbar.

Wie lang überleben der Euro und Europa noch?

Sie kennen doch den geradezu in Stein gemeißelten Satz der Bundeskanzlerin: „Scheitert der Euro, scheitert Europa“. Die britische Zeitung TIMES hat 2011 die Euro-Politik Merkels als Krieg bezeichnet. In diesem Konfliktfeld – Euro versus Europa – ist politisch und psychologisch so viel in Bewegung, dass kein Zukunftsforscher hier eine zukunftsfeste Prognose abgeben kann.

"Ich bin bereit – ich will Deutschland weiter dienen..."
Angela Merkel Quelle: dpa
Donald Trump Quelle: REUTERS
Theresa May Quelle: REUTERS
Frank-Walter Steinmeier Quelle: dpa
Beatrix von Storch Quelle: dpa
Frauke Petry Quelle: dpa
Bernd Osterloh Quelle: dpa

Der Wahlerfolg von Donald Trump in den USA hat das Koordinatensystem der Weltpolitik verändert. Amerika scheint nicht mehr zum Westen zu gehören. Wer wird zur neuen weltpolitischen Schutzmacht Europas und Deutschlands?

In dem Buch „Deutschland 2010“ hatte ich im Jahr 2004 die folgenden „unwahrscheinlichen Zukünfte“ beschrieben: „Kalter Krieg zwischen Europa und den USA – Handelsembargo EU/USA – Die USA sind keine Weltmacht mehr“. Solche aus gegenwärtiger Sicht unwahrscheinlichen Szenarien werden in der Zukunftsforschung „Wild Cards“ genannt. Sie sollen als Augenöffner dienen und beim Aufbau von Frühwarnsystemen helfen. Auf dem Weg in das Jahr 2020 gerät die Welt tatsächlich aus den Fugen. Das Gleichgewicht ist gestört. Ganz klar, China steht in den Startlöchern. Verfestigt sich das sich abzeichnende Bündnis zwischen den beiden europa- und chinakritischen Politikern Trump und Putin weiter, könnten Europa und China vielleicht sogar zu einem Gegenpol werden.

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