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Schwarmforschung Was wir von Tieren lernen können

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Aber wenn die Dichte die Kapazitätsgrenze übersteigt, und sei es auch nur für einen kurzen Moment, dann ändert sich die Dynamik, die Menschen verlieren die Kontrolle und bewusstes Handeln wird durch die Bewegungen und Reaktionen der Gruppe unmöglich gemacht. Die Menge kann sich nur noch eingeschränkt selbst organisieren und verwandelt sich in eine hirnlose Masse, die von physischen Kräften und Angst beherrscht wird.

Statt das Problem mithilfe einfacher Daumenregeln herunterzubrechen und auf zahllose Individuen zu verteilen, wie dies die Ameisen tun, springt die Masse in einen chaotischen Zustand, in dem nur noch das eigene Überleben zählt – wie in einem Heuschreckenschwarm.

Mangelnde Kommunikation

Ein Grund für diesen Zusammenbruch ist die mangelnde Kommunikation innerhalb der Masse. Die Information aus dem vorderen Bereich der Masse wird nicht nach hinten durchgereicht. Daher sind die Sicherheitskräfte nicht in der Lage, an der Unglücksstelle den Druck herauszunehmen, weil sich diejenigen, die ihn verursachen, außer Hörweite befinden. Stattdessen verbreiten sich oft Gerüchte und schüren die Angst derart, dass die Menschen kopflos schieben, drängen und versuchen wegzulaufen.

Dieses Chaos lässt sich nur vermeiden, wenn man von vornherein Sicherheitsmaßnahmen einbaut. Dies taten die Saudis denn nach dem Unglück des Jahres 2006. Die alte Dschamarat-Brücke wurde abgerissen und eine neue erbaut, die fünf statt zuvor zwei Etagen hatte. Die zusätzlichen Etagen boten nicht nur mehr Pilgern Platz, sie hatten auch mehrere Notausgänge.

Es wurden auch neue Strategien zur Lenkung der Besucherströme entwickelt, unter anderem wurden Zäune errichtet, um die Pilger von der Zeltstadt direkt zur Brücke zu schleusen, und alle Wege waren ausschließlich Einbahnstraßen.

Um die Besucher über den ganzen Tag zu verteilen, mussten sich die Pilgergruppen anmelden und erhielten feste Zeiten zugewiesen. Das Sicherheitspersonal wurde im Umgang mit Software zur Zählung der Pilger geschult. „Nicht nur die Brücke war neu, sondern der gesamte Ansatz“, sagt Keith Still. „Jetzt war alles vollständig unter Kontrolle.“

Keine Panik im Folgejahr

Vielleicht. Doch bei der nächsten Hadsch im Dezember 2006 waren erst zwei Etagen der neuen Brücke fertiggestellt, und der Ansturm war größer denn je.

Mehr als zwei Millionen Menschen drängten sich in das Tal von Mina und stellten die Dschamarat-Brücke auf eine erste Bewährungsprobe. Die Pilger müssen nervös gewesen sein, denn sie erinnerten sich sicher, dass ein Jahr zuvor Hunderte ihr Leben verloren hatten.

Dieses Mal kam es nicht zu einem Unfall. Niemand wurde zu Tode getrampelt, keine Panik brach aus. Obwohl mehr Gläubige nach Mina kamen als je zuvor, überstieg die Dichte zu keinem Zeitpunkt die Kapazität der neuen Brücke, genau wie es der Plan vorsah.

Obwohl die Pilger erschöpft waren und unter der Hitze litten, verloren sie nie ihre Identität und verwandelten sich nie in eine hirnlose Masse. Sie taten das, wozu sie gekommen waren, und kehrten müde, aber glücklich nach Hause zurück. 

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