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Selbstständigkeit Im Alleingang durch die Krise

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Furchtlos durch die Krise

Die Deutschen haben zwar Angst vor dem Risiko. Dennoch liebäugeln inzwischen mehr und mehr mit der Idee, ihr eigener Chef zu werden. Auch das zeigt die TNS-Emnid-Umfrage aus dem Jahr 2008: Trotz vieler Vorbehalte ist gleichzeitig für acht von zehn Bundesbürgern die Selbstständigkeit attraktiv. Daran schätzen sie vor allem die Möglichkeit, eigene Ideen umzusetzen, selbstbestimmt und von zu Hause aus zu arbeiten.

Zumal das Risiko der Selbstständigkeit in einer Wirtschaftskrise sogar relativ eher sinkt: Manche sicher geglaubte Anstellung ist es de facto nicht. Und verliert ein Angestellter seinen Arbeitsplatz, „kostet das ihn von heute auf morgen seine komplette wirtschaftliche Existenz“, sagt Freiberufler-Experte Massow. „Verliert ein Selbstständiger dagegen einen von zehn Kunden, mag das seinen Umsatz schmerzhaft treffen, aber existenziell zumeist nicht vernichten.“

Und wer als Einzelkämpfer die Rezession übersteht, kann sich Hoffnungen machen, nie wieder das starre Korsett der Fest‧anstellung anlegen zu müssen. „Wenn die Unternehmen im nächsten Aufschwung wieder Leute brauchen“, ist der Münchner Gründerberater Andreas Lutz überzeugt, „werden sie mehr Aufträge an Selbstständige und Freie geben, bevor sie wieder Mitarbeiter einstellen.“

Selbstständige bleiben in der Krise optimistisch

Entsprechend optimistisch sind viele Einzelkämpfer derzeit. Zum Beispiel Frank Radynski, einer der Redner auf den Deutschen Gründer- und Unternehmertagen. Er hat mit 47 seinen Job als Manager gekündigt, um „U-exist“ aufzubauen, ein „Institut für Unternehmensentwicklung“. Auf dem Podium in Berlin spricht er zunächst über Marketing, Vertrieb und Businesspläne. Am Schluss jedoch stellt ihm einer der Anwesenden die entscheidende Frage: Wie wirkt sich die Krise aktuell aus? „Manche Selbstständige, die ich kenne, sind ausgebucht bis 2010“, antwortet Radynski gelassen. „Die meisten sehen die Lage ziemlich entspannt.“ Die Zuhörer nicken und sind beruhigt.

Radynskis Einschätzung klingt vielleicht kühn und typisch für einen Gründerberater. Sie wird jedoch auch durch eine Umfrage des Internet-Portals gruendungszuschuss.de in Kooperation mit den Forschern Jörn Block, Gino Lombardo und Georg Jürgens von der TU München gestützt, die der WirtschaftsWoche exklusiv vorliegt. Danach sind die Selbstständigen deutlich hoffnungsvoller als die meisten Szenarien, die die Politiker und Ökonomen derzeit Tag für Tag beschwören: Nur knapp jeder fünfte Selbstständige schätzt die Geschäftslage in seiner Branche aktuell als „schlecht“ ein – jeder Dritte hält sie hingegen für „gut“ oder „sehr gut“. Sieben von zehn Befragten erwarten gar, dass sie sich in den nächsten zwölf Monaten verbessert.

Noch zuversichtlicher sind die persönlichen Erwartungen der Selbstständigen für ihr eigenes Unternehmen: Knapp neun von zehn glauben, dass sich ihre eigene Geschäftslage in den nächsten zwölf Monaten nicht verschlechtern wird. Mindestens.

„Overoptimism“ heißt dieses Selbstständigen-Phänomen im Fachjargon. Man könnte es aber auch Selbstbewusstsein nennen. Denn genau das brauchen Unternehmer – ganz unabhängig von ihrer Geschäftsidee oder der Branche, in der sie schaffen –, um erfolgreich zu sein.

Zu diesem Resümee kommt auch EBS-Gründerprofessor Klandt. Schon vor Jahren hat der Wissenschaftler einen psychologischen Test entwickelt, um herauszufinden, was erfolgreiche Gründer auszeichnet. Rund 24.000 Teilnehmer haben sich seitdem durch die rund 80 Fragen im Internet geklickt.

Eindeutiges Ergebnis: Besonders erfolgreich sind diejenigen, die auch in schwierigen Zeiten ihren eigenen Fähigkeiten vertrauen, anstatt den Kopf in den Sand zu stecken; diejenigen, die ihre Pläne selbst verwirklichen, statt dies anderen zu überlassen oder abzuwarten.

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