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Sieben Tage vor Weihnachten Wie viele Deutsche in der Vorweihnachtszeit noch konzentriert arbeiten

Ab dem 19. Dezember ist jeder zweite Deutsche in Gedanken nicht mehr bei seiner Arbeit. Quelle: imago images

Mit jedem Tag, den Weihnachten näherrückt, sinken Produktivität und Motivation in deutschen Büros. Dagegen lässt sich auch nicht viel machen – außer, aus der Not eine Tugend zu machen und das Miteinander zu stärken.

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Jeder dritte Deutsche ist spätestens seit Montag – acht Tage vor Heiligabend – in Gedanken im Weihnachtsurlaub. Ob Weihnachtsfeiern oder Glühweinkonsum damit etwas zu tun haben oder nicht, Motivation und Produktivität sind damit so langsam auf dem absteigenden Ast bei deutschen Arbeitnehmern. Ab diesem Donnerstag (19. Dezember) befindet sich dann nämlich bereits jeder zweite von ihnen gedanklich neben dem Tannenbaum, im Kreise der Großfamilie oder am fernen Urlaubsziel.

Ab dem Freitag vor Weihnachten gilt für 69 Prozent der deutschen Erwerbstätigen dann nur noch „Dienst nach Vorschrift“ – die Motivation ist dann am Tiefpunkt und der Kopf geht längst noch einmal die vorweihnachtlichen To-Do-Listen durch. Das zeigt eine Umfrage des dänischen Unternehmens Peakon, das 12.000 Beschäftigte in Deutschland, Großbritannien und den USA nach ihrer Motivation und Produktivität befragt hat.

Der Vergleich mit den beiden anderen Ländern zeigt aber auch: Die deutschen Arbeitnehmer sind noch vergleichsweise pflichtbewusst. Jeder zweite US-Amerikaner ist bereits ab dem 17. Dezember innerlich ganz woanders und die Briten entschwinden einen Tag vor den Deutschen zur Hälfte in die Weihnachtsferien. Und auch am Freitag vor Weihnachten ist mit Amerikanern und Briten noch weniger anzufangen als mit ihren deutschen Kollegen: 81 beziehungsweise 76 Prozent sind dann mental „out of office“.

Arbeitnehmer in den USA sind durchschnittlich zwei bis vier Tage eher gedanklich im Weihnachtsurlaub als in Deutschland oder UK Quelle: P eakon

Die Erklärung für dieses Verhalten ist einleuchtend: Weihnachten und das Jahresende sind gerade in der westlichen Kultur traditionell eine Zeit des Loslassens und Bilanzziehens. Was bis dahin nicht geschafft ist, kann dann auch noch bis zum nächsten Jahr warten. Das liege wohl auch daran, „weil andere Aktivitäten mehr an Bedeutung gewinnen, wie zum Beispiel Zeit mit der Familie zu verbringen“, sagt Julian Tesche, der die Entwicklung von Peakon in Deutschland leitet. In der Adventszeit sollten Arbeitgeber also nicht erwarten, „dass ihre Mitarbeiter die gleiche Leistung erbringen wie zum Beispiel noch zu Beginn des Quartals“, so Tesche.

Die Vorfreude auf den Jahresendurlaub ist übrigens bei jüngeren Arbeitnehmern ausgeprägter als bei älteren. Die Hälfte der 18- bis 24-Jährigen urlaubt schon ab dem 15. Dezember, die Hälfte der 25- bis 34-Jährigen ab dem 16. Dezember. Die über 55-Jährigen dagegen halten es noch bis zum 18. Dezember aus – zumindest die Hälfte von ihnen.

Jüngere Arbeitnehmer in Deutschland sind gedanklich durchschnittlich ein bis zwei Tage eher im Weihnachtsurlaub Quelle: Peakon

Anders, als man annehmen könnte, sind erst am 25. Dezember dann wirklich alle zu hundert Prozent im Urlaub. Rund zehn Prozent versuchen dabei, noch am 23. produktiv zu sein und Gedanken an Weihnachten fortzuschieben.

Unternehmen können auf das dezemberliche Motivationstief im Grunde nur mit Entgegenkommen reagieren. Mit Schelte für geringen Elan macht sich nun kein Chef mehr Freunde – und wird in dieser Jahreszeit auch wenig damit erreichen. Die Adventszeit eignet sich hingegen gut für Teamevents und Meetings, in denen das Jahr reflektiert wird. „Außerdem bietet die Weihnachtszeit eine sehr gute Gelegenheit für Führungskräfte, um darüber nachzudenken, was Angestellte im vergangenen Jahr geleistet haben und um dafür Dankbarkeit zu zeigen“, sagt Julian Tesche. Das erreichten sie etwa mit einer handgeschriebenen Karte oder einem letzten persönlichen Gespräch vor Jahresende – oder auch mit flexibleren Arbeitszeiten als sonst, damit Mitarbeiter auch mal früher gehen könnten, um Geschenke zu besorgen. Denn sonst, glaubt Tesche, würden die es trotzdem tun – nur heimlich.

Genau diese flexiblen Arbeitszeiten und mehr Freizeit wünschen sich der Umfrage zufolge auch 31 Prozent der Befragten für das ganze Jahr. 48 Prozent bevorzugen mehr Geld in Form von mehr Gehalt oder eines höheren Bonus. Weihnachtsgeld bekommen derweil nämlich nur 47 Prozent der Beschäftigten in Deutschland jährlich und fix, acht Prozent unregelmäßig, wie eine Umfrage des Jobportals Gehalt.de ergeben hat. Häufiger erhalten Männer Weihnachtsgeld (51 Prozent plus acht Prozent unregelmäßig) als Frauen (40 plus acht Prozent). Bei Männern beträgt die Summe im Schnitt 3000 Euro, bei Frauen 1900 Euro. Schwankungen ergeben sich außer beim Geschlecht auch je nach Position und Ausbildungsstand: So erhalten Fachkräfte (2213 Euro) weniger Weihnachtsgeld als Führungskräfte (3651 Euro), Akademiker (3397 Euro) mehr als Beschäftigte mit Berufsausbildung (2025 Euro).

Um wieder auf den Weihnachtsurlaub zurückzukommen: Nur 14 Prozent der Arbeitnehmer, die Weihnachtsgeld bekommen, geben dieses für Reisen aus. 35 Prozent nehmen es einfach als zusätzliche Summe für dies und das, 31 Prozent kaufen davon die Weihnachtsgeschenke, 25 Prozent sparen die Summe für schlechtere Zeiten und 17 Prozent zahlen Schulden ab.

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