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So wird 2016 "Das Schlaraffenland ist bald abgebrannt"

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"Das Verhältnis von Freiheit und Sicherheit muss neu bestimmt werden"

Die Schwellenländer schwächeln. Woher kommen neue Impulse für die Weltwirtschaft? Aus der Digitalisierung?

Die digitale Revolution hat doch längst begonnen: Fahrerloses Auto, Internetzugang in der Brille, Mikrochips in unserer Kleidung. Aber die Weltwirtschaft braucht nicht nur neue Technologien, sondern auch neue Sicherheiten. Das Verhältnis von Freiheit und Sicherheit muss neu bestimmt werden, der Paradigmenwechsel vom „Immer mehr“ zum „Immer besser“ auch. Und schließlich muss über die Risiken der wachsenden Kluft zwischen Industrie- und Schwellenländern neu nachgedacht werden, wenn die Ungleichheit nicht zum Pulverfass werden soll. Sozialer Fortschritt wird wichtiger als Wachstum um jeden Preis. Sonst droht Atemnot wie beim Smog in China.

Sind umstrittene Technologien wie Genmanipulation, Nanotechnologie oder Biotechnik der Schlüssel zur Zukunft oder schaffen sie neue Probleme?

Wir wollen doch keine Maschinenstürmer sein. Andererseits weist der Nationale Wohlstands-Index für Deutschland des Ipsos-Instituts (NAWI-D) darauf hin, dass technologische Innovationen keinen Selbstzweck haben. Sie sind nur dann ein Schlüssel zur Zukunft, wenn sie uns dazu verhelfen, besser zu leben. Es geht um die Förderung des persönlichen und sozialen Wohlergehens und nicht nur um Geld und Güter wie beim Bruttoinlandsprodukt.

Was hat das Wirtschaftsjahr 2015 gebracht?
15. Januar Quelle: dpa
22. Januar Quelle: dpa
20. Februar Quelle: dpa
5. März Quelle: dpa
6. März Quelle: dpa
18. März Quelle: dpa
1. April Quelle: dpa

Den Deutschen wird oft nachgesagt, ein innovationsfeindliches Volk zu sein. Stimmt das – und berauben sie sich dadurch ihrer Zukunftschancen?

Nein, das sehe ich nicht so. Die Nachkriegsgeschichte Deutschlands ist doch eine Geschichte der Innovation – politisch, ökonomisch und sozial. Das Wirtschaftswunder, die Wohlstandsgesellschaft und der Titel des Exportweltmeisters und sind doch nicht einfach vom Himmel gefallen. Nach wie vor wollen wir im Wettbewerb der Erste oder Beste sein. Wohl haben wir uns mancher Zukunftschance beraubt, weil wir aus der Innovation keine Investition folgen ließen. Eigentlich müssten wir schon längst ein Fortschrittsland der Magnetschwebebahnen und Elektromobile sein. Mehr Pioniergeist täte uns gut, mehr Mut zu Visionen auch. Unsere Zukunft besteht schließlich nicht nur aus Armut, Arbeitslosigkeit und sozialer Ausgrenzung, sondern auch aus Hoffnung und Fortschritt, Arbeit, Technik und Bildung. Nicht zufällig haben „Wagnis“ und „Weg“ im Deutschen die gleiche Wortwurzel. Die Sorge vor einer ungewissen Zukunft mag groß sein, die Hoffnung auf eine lebenswerte Zukunft aber ist größer und stärker.

Was wird die wichtigste weltpolitische Weichenstellung für die Zukunft sein? War das der Klimagipfel im Dezember in Paris?

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Die Welt wandert und wächst, während Deutschland altert und schrumpft. Das sind global und national die größten Herausforderungen der Zukunft. Wir müssen die Weichen heute so stellen, dass die Welt nicht aus den Fugen gerät, und es in Deutschland demografisch nicht bergab geht. Das ist eine Herkulesaufgabe. Der Klimawandel ist nur ein Teil davon.

Wie immer die Schlussfrage: Wie lautet Ihr Tipp für das Unwort des Jahres?

„Wirtschaftsflüchtling“ und „Obergrenze“ sind für mich die Unwörter des Jahres 2015, weil diese Begriffe Menschen herabsetzen, die wegen existenzieller Not ihre Heimat verlassen müssen.

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