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Social Media Manager Was Berufstwitterer den ganzen Tag machen

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Madlen Nicolaus Quelle: Simon Koy für WirtschaftsWoche

„Social Media Manager sind Reputationsagenten und Markenbotschafter“, erklärt Klaus Eck, Kommunikationsberater und Social-Media-Experte aus München. „Sie können die Wahrnehmung eines Unternehmens massiv beeinflussen.“

Diese Hilfe braucht Kodak dringend: Der ehemalige Filmgigant ist schwer angeschlagen. Zu lange hielten die Amerikaner an der Analogfotografie fest. Erst spät entwickelten sie eigene Geräte für den rasch boomenden digitalen Markt, auf dem inzwischen die Konkurrenz den Ton angibt.

Heute muss sich der ehemalige Branchenführer, dessen Marktanteil einst 90 Prozent erreichte, mit einem Platz in der Top Five zufriedengeben. Jahr um Jahr meldet er bittere Verluste, Personal und Budgets sind massiv reduziert, für teure Werbekampagnen bleibt kaum Geld.

Kodaks Gang ins soziale Netz ist auch das Resultat einer finanziellen Notlage.

Keine Chance ohne Privatblog

„Für Kodak ist es geradezu überlebenswichtig, sich im Internet ein neues Image aufzubauen“, sagt Nicolaus. Längst wächst eine Generation heran, die mit dem Namen kaum etwas verbindet. Und diese jungen Nutzer erreiche man nun einmal „am einfachsten und effektivsten“ via Facebook, Twitter und YouTube.

Seit vier Jahren arbeitet Nicolaus für Kodak – zuerst als externe PR-Beraterin, im Februar 2010 holte der US-Konzern die Sächsin dann in seine Europazentrale nach Hemel Hempstead bei London. Zahlreiche dieser Karrieren beginnen so: Zuerst beraten die Online-Experten die Unternehmen. Können sie mit ihren Konzepten nachhaltig punkten, werden sie abgeworben oder eingestellt.

Für Nicolaus war das Jobangebot von Kodak die Erfüllung eines Kindheitstraums: Schon als Kind begeistert sie sich für die Fotografie, auch deshalb studiert sie nach dem Abitur Medienwissenschaft, produziert Fernsehbeiträge, Radiofeatures und Artikel für die Lokalzeitung.

Das soziale Netz entdeckt sie in dieser Zeit erst einmal privat: Nach einem Studienaufenthalt in Südafrika will sie mit ihren neuen Freunden unkompliziert Fotos und Neuigkeiten austauschen – ihr erstes Blog entsteht, sie meldet sich bei Twitter und Facebook an.

„Mir war sofort klar, welches Potenzial diese Netzwerke entwickeln“, erinnert sich Nicolaus. „Heute denke ich, dass Unternehmen viel Einfluss verschenken, wenn sie im Internet nicht aktiv sind.“

Ihr neuer Arbeitgeber lässt indes wenig Zweifel daran, wohin die Reise geht: Kodak kann auf ein weltweites Netzwerk von 150 Social-Media-Mitarbeitern zurückgreifen – das Kernteam allerdings ist klein: Gerade einmal vier Leute managen den Web-Auftritt.

Doch das reicht. Allein in Europa haben sie im vergangenen Jahr 51 Millionen Menschen erreicht – durch Tipps zur Bildbearbeitung oder Fotoreportagen von der Fußball-WM, Links zu interessanten Kunstaktionen oder simplen Gewinnspielen. Daneben bloggt und twittert Nicolaus bis heute auch privat weiter. Auch das ist wichtig in ihrer Position.

Ihr Lebenslauf ist typisch für Social Media Manager. „Wer sich nicht privat in den Kanälen bewegt, kann dort auch -beruflich nicht überzeugend auftreten“, urteilt Kommunikationsexperte Eck. An der Stelle ist er rigoros – aber bei Weitem keine Ausnahme mehr: Einen Bewerber ohne privaten Account bei Facebook, Xing oder Twitter würde er zum Beispiel nicht mehr einstellen.

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