WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Soziale Netzwerke Wie Unternehmen auf Facebook & Co. um Kunden buhlen

Seite 2/4

Netzwerkforscher Peter Kruse Quelle: Pressfoto Peter Kruse

Auch die Mehrheit der deutschen Großkonzerne ist auf den Zug Richtung Mitmach-Web aufgesprungen. Das zeigt eine exklusive Umfrage der WirtschaftsWoche unter den 30 größten börsennotierten Unternehmen. Demnach sind bereits mehr als 80 Prozent der Dax-30-Unternehmen auf den Plattformen aktiv: 70 Prozent nutzen den Kurznachrichtendienst Twitter, knapp 60 Prozent betreiben eine Fanpage – seit Kurzem in „Gefällt mir“-Seiten umbenannt – in dem 400 Millionen Mitglieder starken Netzwerk Facebook. Den Videodienst YouTube nutzen schon mehr als die Hälfte aller Großunternehmen. Nur 17 Prozent wagen sich noch nicht auf die virtuellen Plattformen, darunter Commerzbank oder Rohstoffkonzern K+S „Wir analysieren derzeit intensiv“, heißt es bei K+S, „wie unser Unternehmen sich in Zukunft am besten in diesem Bereich präsentieren wird.“

Auch, um Fehler zu vermeiden. Denn die bloße Präsenz auf einer Plattform ersetzt keine Strategie – wie die iPhone-Applikation „StudyAdvisor“ des Elektronikkaufhauses Media-Saturn zeigt. Hier können geneigte Leser drei Studierende des ersten Jahrgangs für „International Retail Management“ an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Ingolstadt begleiten. Das Format ist aber weder spannend, noch liefert es die versprochenen Einblicke in die Ausbildung. So bleibt die hippe Applikation eine kommunikative Einbahnstraße und damit Web von gestern. „Social Media ist kein Selbstzweck“, sagt Professor Gerald Lembke von der neu gegründeten Social Media Akademie in Berlin. „Steigen Sie nicht ein, nur weil es modern wirkt.“

Süchtig nach Kontakten zu anderen

Sieben von zehn Konzernen nutzen soziale Plattformen im Netz für Kommunikation und PR, rund die Hälfte für Marketing und Kundenmanagement. Im Vertrieb und Kundenservice setzt jeder fünfte befragte Konzern auf die neuen Web-Dienste. Und mehr als ein Drittel der befragten Unternehmen wollen mittels Facebook, Xing oder LinkedIn neue Mitarbeiter finden. „Die Option, Social-Media-Sites zu ignorieren, existiert nicht mehr“, sagt Markenexperte Karsten Kilian, Betreiber von Markenlexikon.com. „Man kann bestenfalls entscheiden, wie sehr man sich engagiert.“

Der Grund: Unser Leben verlagert sich immer mehr ins Internet. Laut einer Studie des High-Tech-Verbands Bitkom können sich 80 Prozent der deutschen Internet-Nutzer ein Leben ohne das virtuelle Netzwerk nicht mehr vorstellen. 40 Prozent aller Deutschen sind inzwischen auf sozialen Internet-Plattformen unterwegs, die Jahrgänge 1986 und jünger fast komplett dort zu finden – im Schnitt rund drei Stunden wöchentlich, hat Convios Consulting festgestellt. Neun Millionen Deutsche sind allein bei Facebook aktiv, über den Kurznachrichtendienst Twitter werden weltweit täglich 55 Millionen Kurzmitteilungen, sogenannte Tweets verschickt. Neue elektronische Post liest in den USA bereits jeder zweite Facebook- und Twitter-Nutzer im Bett – nach dem Hinlegen und vor dem Aufstehen. „Wir werden süchtig nach Kontakten zu anderen“, sagt WirtschaftsWoche-Kolumnistin Renate Köcher, Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%