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Sprachgebrauch Welche Nazi-Wörter uns im Alltag begleiten

Jährlich prangert er das „Unwort des Jahres“ an. Nun hat Hans Dieter Schlosser in seinem neuen Buch „Sprache unterm Hakenkreuz“ die Wortwahl der Nazis untersucht. Bis heute sind viele Begriffe im Alltag üblich.

SonderbehandlungEine Sonderbehandlung zu erfahren, hat einen positiven Klang, jemandem wird etwas „besonderes“ zuteil, man ist damit selbst etwas „Besonderes“. Mit zahlreichen „Sonder"-Begriffen wollte auch die SS ihren Taten einen verharmlosenden, beschönigenden Schleier geben: Wer bei der SS eine „Sonderbehandlung“ erfuhr, wurde umgebracht. Das Bild zeigt den Reichsführer-SS, Heinrich Himmler. Quelle: AP
Mädel„Mädels!“ Dieser saloppe Ausruf erlebt eine Renaissance: Ob unter jungen Frauencliquen, die feiern gehen, oder den Kandidatinnen von Heidi Klums „Germany’s Next Topmodel“. Der eigentlich antiquierte Begriff Mädel ist wieder üblich geworden – und damit die unter Nazis gängige Bezeichnung für jugendliche und junge Frauen. Der „Bund deutscher Mädel“ war 1944 zahlenmäßig die größte weibliche Jugendorganisation der Welt. Das Wort wurde von den Nazis derart überstrapaziert, dass es 1957 in das „Wörterbuch des Unmenschen“  von Dolf Sternberger, Gerhard Storz und Wilhelm Süskind aufgenommen wurde. Quelle: Bundesarchiv, Bild 133-237, CC-BY-SA
AnschlussDer Nationalsozialismus wollte sich modern und fortschrittlich geben. Damals der letzte Schrei: Die sich immer weiter verbreitende Elektrotechnik. Aus diesem Bereich bedienten sich die Nazis gerne mit ihren Bezeichnungen – unter anderem „Anschluss“: Etwa für den Anschluss – oder besser gesagt die Übernahme – Österreichs, des Sudetenlands, sowie des restlichen Tschechiens. Auch bei mit dem Begriff „Gleichschaltung“ bedienten sich die Nationalsozialisten an der Elektrotechnik. Damit meinten sie die komplette Anpassung des Staates an die Strukturen der NSDAP, die ab 1933 fortschreitend das politische und gesellschaftliche Leben infiltrierte. Quelle: Bundesarchiv, Bild 183-1987-0922-500, CC-BY-SA
MischeheWenn zwei Menschen aus unterschiedlichen Nationen oder Bevölkerungsgruppen heiraten, spricht man noch heute von einer „Mischehe“ – ein Begriff, den die Nationalsozialisten geprägt haben. Quelle: Jens Liebenau, gemeinfrei
EndlösungIn scheinbar endlosen Diskussionen, wünscht sich manch einer endlich zur Endlösung zu kommen. In der Weimarer Republik war „Endlösung“ einer gängiger Begriff – auch unter Nationalsozialisten. Schon 1881 forderte der Antisemit Eugen Dühring die „endgültige Lösung der Judenfrage“. Die Endlösung wurde schließlich zu dem Begriff, den die Nationalsozialisten immer wieder für ihren Völkermord an den Juden beschönigend runterbeteten. Quelle: ap
Gestapo-MethodenWenn von Spionage die Rede ist, von  brutalem Vorgehen und vor allem von willkürlichem Vorgehen seitens der Staatsgewalt, dann spricht man auch heutzutage von Gestapo-Methoden. Damit bezieht man sich auf die Geheime Staatspolizei der Nazis, die sie nur kurz „Gestapo“ genannt haben. Das Bild zeigt das ehemalige Hauptquartier des Geheimdienstes. Quelle: Bundesarchiv, Bild 102-16180, CC-BY-SA
AusmerzenImmer wieder bedienten sich Nationalsozialisten an negativ behafteten Begriffen aus der Biologie. Dabei ging es ihnen vor allem um jene, die sich um „Parasiten“ und „Schädlinge“ drehten, die es „auszumerzen“ und „auszurotten“ galt. Quelle: AP
SelektionIn der Evolutionstheorie beschreibt Selektion das Überleben der am besten an ihre Umwelt angepassten Mitglieder einer Art. Die Nationalsozialisten interpretierten dieses Prinzip auf eine falsche, brutale und menschenverachtende Weise – und nahmen für sich in Anspruch diese Auslese der Natur selbst zu übernehmen: In den Konzentrationslagern „selektierten“ sie, welche Häftlinge noch arbeitstauglich waren und welche nicht – und damit dem Tode geweiht. Damit instrumentalisierten die Nazis einen wissenschaftlichen Begriff, um ihr Gedankengut scheinbar zu stützen. Das Bild zeigt das Konzentrationslager Dachau nach der Befreiung durch amerikanische Truppen im April 1945. Quelle: dpa
Drittes ReichDas Deutsche Reich zwischen 1933 und 1945 wird auch heute noch als „Drittes Reich“ bezeichnet – ein ideologischer begriff, den sich die Nationalsozialisten selbst gegeben haben. Damit legitimierten sie ihre Herrschaft und stellten sie in die Tradition des deutschen Kaisertums: Beim ersten deutschen Reich handelte es sich ihrer Zählung nach um das mittelalterliche „Heilige Römische Reich Deutscher Nation“, beim zweiten Reich um das Deutsche Kaiserreich von 1871 bis 1918 und das dritte Reich sollte als „logische“ Konsequenz der Geschichte das NS-Regime darstellen. Zwar hieß die Weimarer Republik auch offiziell „Deutsches Reich“, wurde von den Nationalsozialisten jedoch als „Zwischenreich“ angesehen. Quelle: Bundesarchiv, Bild 183-1982-1130-502, CC-BY-SA
FührerReiseführungen, Betriebsführungen, Museumsführungen – und überall gibt es einen Führer, dem die Gruppe folgt. Ab 1933 galt Adolf Hitler seinerzeit als Führer der Deutschen, womit der Begriff derart beansprucht wurde, dass es eines der zentralen Nazi-Wörter ist. Quelle: dpa/dpaweb
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