Studie Die Lernrückstände von Schülern sind groß – und ungleich verteilt

Verwaistes Klassenzimmer: In Deutschland lernten Schülerinnen und Schüler via Distanzunterricht. Den Lernrückstand dadurch beziffert eine Studie für die Region Europa auf vier Monate. Quelle: imago images

Manche hörten den Unterricht im Radio, andere nutzten Lernsoftware: Die Ungleichheit zwischen Schülern weltweit zeigt sich deutlich bei den Lernrückständen durch Schulschließungen. Eine Studie gibt Einblicke.

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Die Schulschließungen wegen Corona rufen hierzulande längst Bildungsforscher auf den Plan. Sie sorgen sich beispielsweise um die Lesefähigkeiten von Grundschülern. Die pandemiebedingten Lernrückstände bei Schülern sind groß – wie groß, hängt jedoch stark von Land und Region ab. Das ist das Ergebnis einer Studie der Beratung McKinsey. Deutschland und Europa stehen zumindest im weltweiten Vergleich gut da. Denn die Lernlücken unterscheiden sich von Region zu Region.

Diese Ungleichheit trifft vor allem Schülerinnen und Schüler in einkommensschwächeren Regionen wie Lateinamerika oder Südasien. Dort waren die Schulen am längsten geschlossen: mindestens 75 Wochen, mancherorts länger. In Europa und Zentralasien waren es im Schnitt 30 Wochen, in afrikanischen Ländern südlich der Sahara 34 Wochen.

Das reißt Lücken in den Lernerfolg. Laut der Studienautoren haben Schüler weltweit in den ersten 23 Monaten seit Pandemiebeginn durchschnittlich acht Lernmonate verloren. Während in Europa und Nordamerika etwa vier Monate Rückstand aufzuholen sind, müssen junge Menschen in Südasien, Lateinamerika oder der Karibik „möglicherweise mehr als ein Jahr“ Rückstand aufholen.



Unterricht per Radio oder Fernsehen

Das liegt nicht zuletzt an den verwendeten Lernmethoden. Während die privilegierteren Schülerinnen und Schüler mit guter Technik ausgestattet teils sogar Unterstützung von angeheuertem Lehrpersonal hatten, konnten viele dank Internetzugang, Lernsoftware, Videokonferenzen und Lernmanagementsystemen zumindest dem Unterricht folgen. In Tansania, so schreiben die Autoren, blieb den Kinder oft nichts anderes als den Unterricht nur im Radio zu hören (6 Prozent), im Fernsehen zu verfolgen (5 Prozent) oder online beizuwohnen (weniger als 1 Prozent). „Einige Schüler hatten möglicherweise keinen Zugang zu Lernangeboten“, lautet das nüchterne Fazit.

Auch innerhalb der Bildungssysteme sei die Ungleichheit deutlich gestiegen. In den USA vergrößerte sich die Kluft zwischen Schulen, in denen mehrheitlich schwarze oder weiße Schülerinnen und Schüler lernen. In Äthiopien sei wiederum die Lücke zwischen Stadt und Land gewachsen.

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Die Unternehmensberatung schätzt, dass das geringere Lernniveau das Einkommen der Pandemie-geplagten Schüler drücken und die Wirtschaftskraft von Ländern schwächen könnte. Bis 2040 könnten die wirtschaftlichen Auswirkungen dieser Lernrückstände weltweit zu jährlichen Verlusten von 1,6 Billionen Dollar führen.

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