Studie Glückliche Mitarbeiter steigern den Börsenwert

Sind die Mitarbeiter glücklich und motiviert, ist das auch gut fürs Unternehmen - allerdings gilt das nicht für alle Länder.

Die beliebtesten Arbeitgeber der Wirtschaftswissenschaftler
Platz 20: Hugo Boss5,5 Prozent der befragten Wirtschaftswissenschaftler wünschen sich Hugo Boss als Arbeitgeber. Quelle: dpa
Platz 19: Boston Consulting Group5,6 Prozent der befragten Wirtschaftswissenschaftler wünschen sich die Boston Consulting Group als Arbeitgeber. Quelle: Presse
Platz 18: EZB6,0 Prozent der befragten Wirtschaftswissenschaftler wünschen sich die Europäische Zentralbank als Arbeitgeber. Quelle: dpa
Platz 17: L'Oreal6,1 Prozent der befragten Wirtschaftswissenschaftler wünschen sich L'Oreal als Arbeitgeber. Quelle: REUTERS
Platz 16: Deutsche Bank6,2 Prozent der befragten Wirtschaftswissenschaftler wünschen sich die Deutsche Bank als Arbeitgeber. Quelle: dpa
Platz 15: PwC6,3 Prozent der befragten Wirtschaftswissenschaftler wünschen sich PwC als Arbeitgeber. Quelle: dapd
Platz 14: Unilever6,4 Prozent der befragten Wirtschaftswissenschaftler wünschen sich Unilever als Arbeitgeber. Quelle: dpa
Platz 13: Coca-Cola6,4 Prozent der befragten Wirtschaftswissenschaftler wünschen sich Coca Cola als Arbeitgeber. Quelle: AP
Platz 12: ProSiebenSat.17,0 Prozent der befragten Wirtschaftswissenschaftler wünschen sich ProSiebenSat.1 als Arbeitgeber. Quelle: dapd
Platz 11: Auswärtiges Amt7,3 Prozent der befragten Wirtschaftswissenschaftler wünschen sich das Auswärtige Amt als Arbeitgeber. Quelle: photothek - Auswärtiges Amt
Platz 10: Siemens7,4 Prozent der befragten Wirtschaftswissenschaftler wünschen sich Siemens als Arbeitgeber. Quelle: dapd
Platz 9: Adidas7,5 Prozent der befragten Wirtschaftswissenschaftler wünschen sich Adidas als Arbeitgeber. Quelle: AP
Platz 8: McKinsey7,9 Prozent der befragten Wirtschaftswissenschaftler wünschen sich McKinsey als Arbeitgeber. Quelle: Presse
Platz 7: Lufthansa12,9 Prozent der befragten Wirtschaftswissenschaftler wünschen sich die Lufthansa als Arbeitgeber. Quelle: dpa
Platz 6: Daimler13,1 Prozent der befragten Wirtschaftswissenschaftler wünschen Daimler als Arbeitgeber. Quelle: dpa
Platz 5: Google13,3 Prozent der befragten Wirtschaftswissenschaftler wünschen sich Google als Arbeitgeber. Quelle: dpa
Platz 4: VW14,5 Prozent der befragten Wirtschaftswissenschaftler wünschen sich VW als Arbeitgeber. Quelle: dpa
Platz 3: Porsche17,6 Prozent der befragten Wirtschaftswissenschaftler wünschen sich Porsche als Arbeitgeber. Quelle: dpa
Platz 2: BMW19,9 Prozent der befragten Wirtschaftswissenschaftler wünschen sich BMW als Arbeitgeber. Quelle: REUTERS
Platz 1: Audi20,9 Prozent der befragten Wirtschaftswissenschaftler wünschen sich Audi als Arbeitgeber. Quelle: REUTERS

Sind die Mitarbeiter zufrieden, profitiert das Unternehmen. Was erstmal wie eine Binsenweisheit klingt, wurde nun wissenschaftlich unterfüttert. Der Betriebswirtschaftsprofessor Alex Edmans von der Wharton Business School fand gemeinsam mit zwei Kollegen von der Warwick Business School einen Ansatz, um das Phänomen messbar zu machen: Die Forscher untersuchten den Börsenwert von Unternehmen mit besonders glücklichen Mitarbeitern.

Als Grundlage zog Edmans die Liste der 100 beliebtesten Arbeitgeber der USA heran, die seit 1984 im Magazin "Fortune" veröffentlicht wird. In einer Untersuchung der US-Unternehmen, die Edmans 2012 veröffentlichte, zeigte sich: Wer in der Liste auftauchte, dessen Aktie entwickelte sich deutlich besser als der Markt.

Damit die Ergebnisse nicht durch die Kursentwicklung unmittelbar nach Veröffentlichung der Bestenlisten verzerrt werden, betrachtete er die Entwicklung stets erst einen Monat nach der Bekanntgabe - und dann über das ganze Jahr hinweg betrachtet. Und zwar von 1984 bis 2009. Das Ergebnis: Die Aktienkurse beliebter Arbeitgeber waren auch langfristig höher. Laut Edmans lagen die Renditen der Unternehmen mit hoher Mitarbeiterzufriedenheit zwei bis drei Prozent über dem Durchschnitt.

Die Forscher trieb nun die Frage um, inwiefern sich ihre Ergebnisse für den US-Markt auch auf andere Länder übertragen lassen. In der aktuell veröffentlichten Studie nahm er nun 14 weitere Länder in den Fokus. Es zeigte sich: Kosten und Nutzen der Investitionen in Mitarbeiterzufriedenheit hängen vom institutionellen Kontext ab.

Wie Unternehmen ihre Angestellten verwöhnen
Einen Monat UrlaubMal so richtig auf der faulen Haut liegen - das US-Unternehmen Epic Systems (Software für Einrichtungen im Gesundheitswesen) gewährt allen Angestellten, die fünf Jahre an Bord sind, einen einmonatigen, bezahlten Urlaub. Ein guter Grund, langfristig in der Firma zu bleiben. Und es wird noch besser: Wenn die Angestellten ein Land auswählen, in dem sie noch nie zuvor waren, übernimmt Epic den Großteil der Reisekosten für den Angestellten sowie eine Begleitperson. Auch das Firmengelände an sich bietet einige Highlights: Wer bei Epic arbeitet, kann sich nicht nur auf weitläufige Grünanlagen für Outdoor-Aktivitäten freuen. Es gibt auch einen Indiana-Jones-Tunnel oder einen Baumhaus-Konferenzsaal. Quelle: Businessinsider.com Quelle: dpa
Google Berlin Quelle: Google
Akupunktur und PhysiotherapieLanges Sitzen ist ungesund - das ist bekannt. Das US-Telekommunikationsunternehmen Cisco Systems schafft Abhilfe. Im konzerneigenen Gesundheitszentrum gibt es nicht nur ein Fitnessstudio mit allerlei Trainingsgeräten. Auch für Physiotherapie, Akupunktur, eine medizinische Grundversorgung und sogar eine eigene Apotheke ist gesorgt. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
Concierge-ServiceBei S.C. Johnson (Reinigungs-, Hygiene- und Pflegeprodukte) steht alles im Zeichen der Familie. Damit die Angestellten sich wie Zuhause fühlen und nicht von sonstigen Pflichten abgelenkt werden, gibt es einen Concierge-Service, der so ziemlich alles erledigt - vom Wäscheabholen aus der Reinigung bis zur Buchrückgabe in der Bibliothek. Außerdem gibt es für Angestellte mit Kindern ein umfassendes Betreuungsangebot. So lobte etwa 2005 das "Working Mothers Magazine" Johnson als einen der zehn besten US-Arbeitgeber für berufstätige Mütter. Elternzeit und bezahlte Sabbaticals lassen viele Angestellte anderer Unternehmen erblassen vor Neid. Quelle: dpa
Gratis-FlügeAb in den Urlaub: Die Angestellten von Southwest Airlines sollen durch Gratis-Flüge ans Unternehmen gebunden werden - auch ihre Familie und Freunde dürfen umsonst an Bord. Für eine Handvoll anderer Airlines gibt es immerhin Rabatte. Ebenso für einige Hotels, Freizeitparks oder Mietwagen-Anbieter. Wenn die Mitarbeiter gerade mal nicht auf Reisen sind, können sie am jährlichen Chili-Wettkochen oder der großen Halloween-Party teilnehmen, bei der es am Southwest-Hauptsitz in Dallas kräftig spukt. Quelle: REUTERS
Kletterwand und TauchkurseWer für das Energieunternehmen Chesapeake arbeitet, kann sich über ein mehr als 6000 Quadratmeter großes Fitness-Center freuen. Wem Beachvolleyball-Feld, Kletterwand und Swimmingpool nicht ausreichen, der kann auch Tauchkurse absolvieren - mit der ganzen Familie. Wer das Tauchen gelernt hat, dem hilft Chesapeake dabei, Trips an exotische Orte zu organisieren. Etwa nach Cozumel in Mexiko, einem beliebten Touristenziel für Tauchexkursionen. Quelle: Reuters
Oktoberfest, Baby-Partys, SportkurseDas Internetunternehmen Yahoo bietet Mitarbeitern so Einiges: Neben Fitness-Zentren, in denen auch Yoga, Pilates oder Golfkurse angeboten werden, gibt es in den Büros ergonomische Stühle sowie gesunde Getränke und Snacks auf jeder Etage. Außerhalb des Firmengeländes können sich Yahoo-Angestellte auf Rabatte für Ski-Urlaub, Freizeitparks in Kalifornien und eine Oktoberfest-Party freuen. Für Mitarbeiter, die Eltern geworden sind, schmeißt der Konzern eine Baby-Party. Quelle: dpa
Zwölf Mal bezahlter UrlaubBoeing unterstützt neue Mitarbeiter bei der Eingewöhnung mit seinem "Reach"-Programm mit sozialen Aktivitäten und der Vernetzung untereinander. Das Luftfahrt-Unternehmen bietet außerdem zwölf bezahlte Urlaube und eine Winterpause zwischen Weihnachten und Neujahr. Quelle: REUTERS
Bezahlte Kinder-ZeitFür den Spielzeug-Hersteller Mattel sind Kinder die Zukunft. Daher bietet das Unternehmen etwa ein Programm, das die Kosten für die Adoption eines Kindes trägt. Angestellte bekommen zudem 16 Stunden bezahlte Arbeitszeit zugestanden, um sich für Schul-Aktivitäten der Kinder wie Ausflüge oder Auftritte Zeit zu nehmen. Und die lieben Kleinen können sich doppelt freuen: Ihre Eltern bekommen nämlich auch noch Rabatt auf das Spielzeug. Zusätzlich gibt es mit der "Mattel Children's Foundation" eine eigene Non-Profit-Organisation, die den Angestellten ehrenamtliche Tätigkeiten vermittelt. Quelle: AP
Bezahlte ElternzeitBezahlte Elternzeit ist zwar in Deutschland gesetzlich geregelt, in den USA aber die Ausnahme. Microsoft ist eines der wenigen Unternehmen, dass Eltern bezahlte Auszeiten zugesteht. Ein Netzwerk von Mentoring- und Weiterbildungs-Programmen unterstützt die Mitarbeiter in ihrer Entwicklung. Als erstes großes Unternehmen bietet Microsoft zudem bei seinen Versicherungsleistungen auch eine Autismus-Therapie an. Quelle: AP
Der Panda-FreitagDer World Wildlife Fund (WWF) hat einen Weg gefunden, um nicht nur Energie zu sparen, sondern auch seinen Mitarbeitern eine Atempause zu gönnen: Die Angestellten arbeiten unter der Woche etwas mehr, um dann jeden zweiten Freitag frei zu bekommen. Das freut nicht nur die Angestellten, es reduziert auch den CO2-Fußabdruck des Non-Profit-Unternehmens, wenn die Zentrale in Washington zwei Mal im Monat nicht in Betrieb ist. Quelle: dpa
Schlank, rauchfrei und entspanntDas Technologie-Unternehmen 3M bietet nicht nur faire Lebens- und Rentenversicherungslösungen, auch die Gesundheits- und Zahnersatzleistungen können sich sehen lassen. Das familienorientierte Unternehmen bietet Unterstützung bei der Kinder- und Altenversorgung, ein Rauch-Stopp-Programm sowie Coaching für gestresste und übergewichtige Mitarbeiter, die gern abnehmen möchten. Quelle: dpa

Heißt konkret: Auf flexiblen Arbeitsmärkten sind die positiven Auswirkungen von glücklichen Mitarbeitern größer. Ist der Arbeitsmarkt stark durch den Gesetzgeber reglementiert und werden viele Sozialleistungen bereitgestellt, dann sind die Auswirkungen der Mitarbeitermotivation geringer.

Die Folge: Für Länder wie Japan oder Großbritannien halten sich die direkten Vorteile glücklicher Mitarbeiter in Grenzen. Glückliche Mitarbeiter steigern den Börsenwert also durchaus - aber längst nicht in allen Ländern.

Die Studie gibt also den Unternehmen recht, die sich weltweit besonders um das Wohl ihrer Mitarbeiter sorgen. Während manche Gratis-Malzeiten, Yoga-Kurse und Wäscherei-Service übertrieben finden, zeigte erst im März eine Studie von drei Ökonomen der Warwick-Universität, dass glückliche Mitarbeiter auch produktiver sind. Die Studie zeige, dass zufriedene Menschen rund zwölf Prozent produktiver sind als andere. Allerdings wollten die Wissenschaftler damals nichts über Kosten und Nutzen für die Unternehmen sagen.

Das holt Edmans nun nach. Die Unternehmen, die in die Förderung und die Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter investieren, sind in vielen Ländern wirtschaftlich erfolgreicher - und machen so auch meist auch noch ihre Aktionäre glücklich.

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