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Studie Reiche ticken anders

Wie wird man reich? So ticken Millionäre Quelle: imago, Montage

Wer wird Millionär? Laut einer neuen Studie sind zumindest die Reichen in Deutschland emotional stabiler, leistungsorientierter und narzisstischer veranlagt.

Dass Geld allein nicht glücklich macht, dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. Trotzdem übt Reichtum eine große Faszination aus – vielleicht sogar mehr als je zuvor. In den USA veröffentlicht das Wirtschaftsmagazin „Forbes“ seit 1987 Listen mit den angeblich reichsten Menschen der Welt, in Deutschland ist dafür das „Manager Magazin“ zuständig. Auch wenn die entsprechenden Tabellen von den meisten Reichen weder kommentiert noch ernst genommen werden, weil es sich immer nur um grobe Schätzungen handelt: Wer theoretisch wie viel Geld hat, das interessiert die Menschen dann ja doch.

Aber mal davon abgesehen, wie es sich wirklich lebt mit so viel Vermögen, stellt sich dabei vor allem eine Frage: Wenn man das Geld nicht gerade erbt – wie wird man so reich? Oder anders: Ist dafür ein spezieller Charakter erforderlich?

Eine Antwort auf diese Frage suchte nun Marius Leckelt, Juniorprofessor für Persönlichkeitspsychologie und Diagnostik an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Für seine Studie, die kürzlich im „British Journal of Psychology“ erschienen ist, wertete er mit einigen Kollegen die Daten der Studie „Hochvermögende in Deutschland“ aus. Dafür war es dem Institut TNS Infratest Sozialforschung im Herbst 2014 gelungen, mehr als 130 Deutsche mit einem Privatvermögen von mindestens einer Million Euro zu befragen. Diese so genannten “High-net-worth individuals” beantworteten im Rahmen der Studie auch Persönlichkeitstests.

Und dabei entdeckte Leckelt: Die Millionäre waren emotional stabiler, extravertierter, leistungsorientierter und narzisstischer veranlagt als die Normalbevölkerung. Außerdem glaubten sie stärker daran, die Kontrolle über das eigene Leben zu haben. „Anscheinend sind gewisse Persönlichkeitsmerkmale, die mit Status einhergehen, auch charakteristisch für einige der wohlhabendsten Menschen der Gesellschaft“, sagt Leckelt.

Der Psychologe hält drei Erklärungen für denkbar. Erstens könne es sein, dass die Wahl des Berufs der Persönlichkeit entspricht. Denn schon in der Vergangenheit zeigten Studien: Extrovertierte Menschen werden mit größerer Wahrscheinlichkeit Unternehmer oder streben nach einer Führungsposition – und dort ist ein hohes Gehalt umso wahrscheinlicher.

Zweitens seien Selektionseffekte möglich: Demnach werden extrovertierte, gewissenhafte Charaktere in Jobinterviews und bei Stellenbesetzungen bevorzugt, wovon sie wiederum finanziell profitieren.

Oder, drittens: Die Persönlichkeit beeinflusst die Leistung. Gewissenhafte und weniger neurotische Menschen setzen sich zum Beispiel höhere Ziele und arbeiten sie eifriger ab, was im Gegenzug der Karriere hilft – und damit dem Geldbeutel.

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