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Tim Bendzko „Plan B ist eine Ausrede“

Der Sänger Tim Bendzko veröffentlicht sein drittes Album. Er spricht über sein Erfolgsrezept, was er sich vom ersten Vorschuss gönnte und warum er beim Wort Finanzexperte Gänsehaut bekommt.

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Dr. Dre Quelle: AP
Ed Sheeran Quelle: AP
Rihanna Quelle: AP
Ariana Grande Quelle: AP
Mitglieder von Coldplay Quelle: dapd
Sam Smith Quelle: dpa
Clean bandit Quelle: dpa Picture-Alliance

Herr Bendzko, erfolgreiche Menschen werden immer nach ihrem Erfolgsrezept gefragt. Schießen Sie los.
Tim Bendzko: Mein Erfolgsrezept ist, das ich keines habe. Ich will nicht wissen, wie man den perfekten Song schreibt. Für mich ist Musik dann gut und erfolgreich, wenn ich dem Musiker jedes Wort glaube. Das war auch die Prämisse meines neuen Albums: es so zu machen, wie ich es für richtig halte.

Kritiker behaupten, dass Ihr zweites Album kommerziell gefloppt sei ...
Lustig, oder? Dabei war es eines der erfolgreichsten Alben 2013. Man wird in den vergangenen zehn Jahren nicht so viele Alben finden, denen das gelungen ist. Was lernt man daraus? Was andere Leute als Misserfolg werten, muss einem irgendwann egal sein.

Und wie gehen Sie mit Schulterklopfern um?
Ähnlich. Wichtig ist, dass man Erfolg für sich selbst definiert. Wenn einem 100 Leute auf die Schulter klopfen und man von 100 Leuten gesagt bekommt, dass man nichts kann, muss das gleichsam wertlos sein. Entscheidend ist, ob man selbst zufrieden ist.

Das dritte Album gilt für Musiker oft als richtungsweisend. Macht Sie das nervös?
„Immer noch Mensch“ ist das Album, welches am Ende definiert, was ich kann. Deswegen bin ich auch verhältnismäßig entspannt, weil ich weiß: Ich habe die bestmögliche Leistung abgeliefert. Wenn das nicht funktioniert, dann ist es bitter, aber ich kann es nicht besser.

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Wann stand für Sie fest, dass Sie Musiker werden wollen?
Das wollte ich eigentlich schon immer. So richtig los ging es bei mir allerdings erst im Jahr 2009, als ich einer von 14 Gewinnern eines Gesangswettbewerbs wurde. Das war für mich ein ganz entscheidender Punkt, weil ich da auf der Berliner Waldbühne stand und für mich die Frage final beantworten konnte, ob ich nun Musik mache, weil die Leute klatschen oder weil ich das innere Bedürfnis danach habe.

Fühlten Sie sich vor 22.000 Zuschauern sofort in Ihrem Element?
Ganz im Gegenteil. Als ich auf die Bühne kam, hat mir das zunächst einen riesigen Respekt eingejagt.

Wie ging es danach weiter?
Der Auftritt hat mir zunächst mal gar nichts weiter eingebracht außer der Erkenntnis, mich komplett auf die Musik konzentrieren zu wollen. Kurze Zeit später erkrankte ich an einer Stimmbandentzündung. Ich hatte damals noch einen festen Job als Auto-Auktionator.

Wie kamen Sie denn daran?
Ein Freund arbeitete in einem Auto-Auktionshaus. Für die Musik war es damals noch zu früh, und eine Ausbildung oder ein anderes Studium zu beginnen hatte nicht so richtig Sinn. Also habe ich angefangen, als Aushilfe in dem Auktionshaus zu arbeiten. Nach etwa zwei Monaten hat es mich derart gelangweilt, Autos hin- und herzufahren, dass ich meinen Chef gefragt habe, ob ich denn nicht auch auktionieren könnte. Nach ein paar Monaten Training stand ich auf dem Podium und habe auktioniert.

Da ist eine Stimmbandentzündung natürlich schlecht ...
Ich sah sie als Signal, mit meinem Job aufzuhören, weil ich mir sonst durch das viele Sprechen auf den Auktionen meine Stimmbänder ruiniert hätte. Also kündigte ich, um mich auf Musik zu konzentrieren.

Ganz schön mutig.
Genauso war es. Absurderweise stand ich gerade vor einer Gehaltserhöhung, als ich die Kündigung einreichte. Meine Mutter dachte, ich sei total übergeschnappt. Aber eigentlich war es für meine Familie keine große Überraschung, die wusste, dass ich schon immer Profimusiker werden wollte.

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