Tipps für Mitarbeitergespräche Keine Angst vor dem Jahresgespräch

Für ein erfolgreiches Mitarbeitergespräch gibt es verschiedene Komponenten, die Mitarbeiter und Chefs beachten sollten. Quelle: Fotolia

Viele Unternehmen ersetzen das Mitarbeitergespräch am Ende oder Anfang des Jahres durch 360 Grad-Feedback, weil sie es effektiver finden. Ihr Unternehmen gehört nicht dazu? Kein Grund zur Panik.

Einmal im Jahr ist es soweit: Der Chef bittet zum Mitarbeitergespräch. Häufig finden diese Gespräche zum Ende oder Beginn eines Jahres statt. Inhalt und Ablauf der Gespräche sind ähnlich – egal ob beim kleinen Handwerksbetrieb oder dem Dax-Konzern: Der Chef bewertet die Leistung des jeweiligen Mitarbeiters, benotet vielleicht sogar, fragt nach der persönlichen Jahresbilanz und legt mit dem Delinquenten Ziele für das neue Jahr fest.

Verknüpft vielleicht individuelle Belohnungen an deren Erfüllung: Wenn du dies erreichst, bekommst du das.

Diese Praxis ist üblich in der deutschen Wirtschaft, auch wenn sich mehr und mehr Firmen davon verabschieden. „Das klassische Mitarbeitergespräch ist ein sehr starres System der Personalführung ohne kontinuierliche Interaktion“, sagt beispielsweise SAP-Personalchef Stefan Ries. Der Konzern hat die interne Vorgabe zum Jahresgespräch deswegen gestrichen und stattdessen ein System eingeführt, in dem sich Beschäftigter und Chef ständig austauschen - und zwar ohne Noten. Statt Mammut-Pflichtgespräch nun Feedback-Häppchen.

Häufige Fehler von Vorgesetzten (aus "Mitarbeitergespräche" von W. Mentzel, S. Grotzfeld und C. Haub)

Ein Beispiel: Geht ein Vertriebler zum Kunden, kann er danach über das Netzwerk vom Treffen berichten. Sein Chef kann darauf antworten, ob mit Lob, Kritik oder Tipps. Wann interagiert wird, wird nicht vorgeschrieben - „das soll individuell gelebt werden“, so Ries. Und auch normale Treffen soll es geben, ohne Zwang und ohne Noten. Nur einmal im Jahr ein Feedback zu haben, sei zu wenig, zumal solche Konversationen oft unpräzise seien - weil man sich bisweilen kaum erinnere, was vor acht oder zehn Monaten gemacht wurde, sagt Ries.

Auch anderen IT-Konzernen ist ein Einmal-pro-Jahr-Treffen zu wenig. Hewlett Packard Enterprise (HPE) beispielsweise setzt auf Quartalsgespräche als Mindestvorgabe, kürzere Intervalle sind möglich. „Die Häufigkeit des Feedbacks ist situationsbedingt unterschiedlich und hängt unter anderem ab vom jeweiligen Reifegrad des Mitarbeiters, von der Art der Aufgabe oder der jeweiligen Projektphase“, sagt HPE-Personaler Ernst Reichart.

Was Mitarbeiter im Gespräch mit ihrem Vorgesetzten in jedem Fall beachten sollten

Durch die Globalisierung, das Internet und andere technologische Möglichkeiten würden Arbeitsabläufe beschleunigt und Geschäftsmodelle veränderten sich radikal, sagt Katharina Heuer von der Deutschen Gesellschaft für Personalführung. Daher gebe es einen Trend weg vom klassischen jährlichen Mitarbeitergespräch. „Einmal festgelegte Ziele für den Mitarbeiter für ein ganzes Jahr nützen nichts, wenn sich das Geschäft in diesem Zeitraum viel schneller entwickelt.“ Trotzdem ist das Jahresgespräch noch nicht tot. Elke Eller vom Bundesverband der Personalmanager bewertet es als „wichtiges Instrument der Personalführung“ – vorausgesetzt, es wird richtig gemacht. Und Sabine Pfeiffer von der Universität Hohenheim sagt: „Es hat auch gute Seiten, dass Führungskräfte – auch die schlechten – einmal im Jahr gezwungen sind, Themen systematisch und dokumentiert zu besprechen.“

So wird das Jahresendgespräch nicht zur Katastrophe
1. Sachlich bleiben und Fakten nennenAuch wenn Mitarbeitergespräche ein emotionales Thema sein können, sind Gefühlsausbrüche fehl am Platz. Statt auf die Tränendrüse zu drücken oder sich selbst zu beweihräuchern, sollten Arbeitnehmer bei den Fakten bleiben und ihre Leistungen aufzählen. Hier ist eine gründliche Vorbereitung besonders wichtig. Deshalb lohnt es sich, das Jahr über Buch zu führen und sich sämtliche erbrachte Leistungen aufzuschreiben. Das können erfolgreich abgeschlossene Projekte, organisierte Events oder wirtschaftlich relevante Kennzahlen sein. Quelle: gehalt.de Quelle: Fotolia
2. Nicht mit Kolleginnen und Kollegen vergleichenSätze wie: „Ich habe viel schneller und besser gearbeitet als Kollege X“ sind ein absolutes NoGo. Ein solcher Vergleich ist nicht nur unprofessionell, sondern unkollegial zugleich. Besser ist es, Teamarbeit hervorzuheben. „Mit dem Kollegen X habe ich in diesem Jahr besonders gerne und effektiv zusammengearbeitet“, klingt da viel besser. Quelle: Fotolia
3. Negative Leistung benennen und zu Fehlern stehenNobody is perfect! Jeder hat mal einen schlechten Tag und wir sind keine Maschinen. Da sind Fehler normal und zu diesen sollte jeder stehen. Falls ein Projekt, ein Auftrag oder ein Kundentermin erfolglos war, ist es keine Schande, dies zu gestehen. Ganz im Gegenteil: Selbstreflexion und kritische Beurteilung der eigenen Leistung wirken positiv und zeigen dem Arbeitgeber, dass der Beschäftigte mit Misserfolg professionell umgehen kann. Quelle: Fotolia
4. Feedback an den ArbeitgeberDas Jahresgespräch sollte immer auch als Feedback an den Arbeitgeber gestaltet sein. Es ist durchaus angebracht, auch positive wie negative Punkte zu nennen, die den Chef betreffen. Hier ist natürlich Fingerspitzengefühl und Sachlichkeit gefragt. Ein argumentativ fundiertes Feedback ist für die Geschäftsführung wertvoller als übertriebene Lobeshymnen, die sehr leicht als Heuchelei enttarnt werden. Quelle: Fotolia
5. Auf angemessene Kleidung achtenAnzug oder Pullover? Es kommt natürlich auf den Beruf und die Arbeitsumgebung an: Beschäftigte in klassischen Bürojobs sollten zum Jahresgespräch Hemd oder Bluse tragen, in anderen Bereichen wie der produzierenden Industrie sind auch Pullover und Jeans völlig in Ordnung. Grundsätzlich gilt: Zum Gespräch immer etwas schicker erscheinen als im alltäglichen Betrieb – nur nicht übertreiben. Quelle: Fotolia
6. Den „Drive“ haben: Zeigen Sie Ihre AmbitionenPläne für das Jahr 2017 gehören ebenfalls in das Jahresgespräch. Wohin geht die Reise und was ist geplant? An dieser Stelle können sich Beschäftigte präsentieren und ihren „Drive“ zeigen. Hier gilt es, den Spagat zwischen großen und immer noch realistischen Zielsetzungen zu schaffen. Die Ausformulierung von Zielen, neuen Projekten und konkreten Maßnahmen zeigen den Vorgesetzten die Ambitionen des Mitarbeiters. Quelle: Fotolia
7. Es ist doch Weihnachten …… ist kein Argument, um mehr Lohn zu verlangen. Private Geldsorgen, anstehende Hochzeiten oder abzuzahlende Kredite gehören nicht in die Gehaltsverhandlung. Wer hier die Fassung verliert, auf die Tränendrüse drückt und ins Emotionale abfällt, hat schlechte Karten. Quelle: Fotolia
8. Ankerwert setzen: Den Gehaltswunsch nennenGeht es in die Gehaltsverhandlung, sollte immer der Arbeitnehmer seinen Gehaltswunsch zuerst nennen. Das setzt einen sogenannten „Ankerwert“, an dem sich das Folgeangebot seitens des Arbeitgebers orientiert. In der Regel sollten nicht mehr als 5 bis 10 Prozent Aufschlag gefordert werden, es sei denn, ein Karrieresprung mit zunehmenden Verantwortungsbereichen steht bevor. Wichtig: Für die Gehaltsverhandlung ist das Wissen um den eigenen Marktwert essenziell. Quelle: Fotolia
9. Es muss nicht immer mehr Geld seinFalls die Geschäftsführung das Grundgehalt nicht erhöhen kann bzw. will, gibt es noch die Möglichkeit der nicht-monetären Vergütung. Dazu zählen zum Beispiel Zuschläge für öffentliche Verkehrsmittel, Essensmarken oder mehr Freizeit. In diesem Zusammenhang ist die Frage nach Weiterbildungen oder einem Zweitstudium ebenfalls legitim. Einfach mal versuchen! Quelle: Fotolia
10. Nicht mit Kündigung drohenWenn das Jahresgespräch und die Gehaltsverhandlung nicht so laufen wie erwünscht, herrscht oft Frustration. Einige versuchen dann mit der Kündigung zu drohen, um doch noch zum gewünschten Erfolg zu kommen. Auch wenn dadurch mehr Gehalt erreicht wird, herrscht zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber Eiszeit. „Mit Kündigung drohen ist keine professionelle Verhandlungsstrategie, sondern eine emotional aufgeladene Reaktion, bei der sich der Arbeitnehmer meistens selbst ins Abseits bringt“, sagt Philip Bierbach, Geschäftsführer von Gehalt.de. Quelle: Fotolia


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