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Tourismus in Zeiten des Terrors Was bleibt vom Urlaubsziel Deutschland?

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Datteln statt Äpfel

Der Gebetsteppich liegt feinsäuberlich zusammengefaltet auf der Kommode. Trotzdem überprüft Hotelmanager Cyrus Heydarian, ob alles stimmig ist. Im Düsseldorfer Luxushotel Breidenbacher Hof richten die Angestellten die Zimmer für jeden Gast einzeln her. Japaner finden grünen Tee auf ihrem Zimmer, Chinesen ein paar Hausschuhe und Araber eben den Teppich, den Koran und einen Zettel mit den Gebetszeiten. Daneben steht ein üppiger Obstkorb. „Ganz wichtig, mit Datteln statt Äpfeln“, sagt Heydarian. „Die mögen viele arabische Gäste am liebsten.“

So digital sind die Reiseveranstalter

Sechs Millionen Euro investierte das Hotel, um seine oberste Etage ganz nach den Wünschen der arabischen Gäste herrichten zu lassen: großräumige Wohnungen, inklusive Esszimmer. Viele mieten die Etage als Ganzes, für 28.000 Euro die Nacht. Zuletzt war eine königliche Familie hier. Vor dem Aufzug – mit eigenem Zugang zum Hotel – steht noch ein Stuhl. „Für den Personenschutz“, sagt Heydarian.

Viele arabische Gäste sind Sicherheitsmaßnahmen gewöhnt. In ihren eigenen Ländern gehören Sicherheitskontrollen und das Militär auf den Straßen zum Alltag. Aber es sei ihnen wichtig, im Urlaub davon Abstand zu bekommen, sagt Heydarian.

Araber besuchen besonders gerne München

Doch ganz besonders lieben die Araber ausgerechnet das von Anschlägen und Amoklauf erschütterte Bayern und ganz besonders München. Beim Shoppen geben sie 44 Prozent des Geldes in der bayrischen Landeshauptstadt aus, ermittelten die Einkaufsexperten von Global Blue in einer Studie. Jetzt, nach dem Ramadan, flanieren Hunderte über die Maximilianstraße mit ihren Luxusboutiquen. Doch nach dem Amoklauf fürchten die Münchner Hoteliers, dass Araber, Amerikaner oder Australier ihre Reisepläne kurzfristig ändern.

Cathy Myers beobachtete am Freitagabend von ihrem Hotelzimmer aus, wie das Chaos auf dem Münchner Karlsplatz ausbrach. Heute sitzt die Australierin in einem Münchner Wirtshaus und lacht fröhlich. „München ist eine großartige Stadt“, schwärmt die ältere Dame aus Melbourne. „Die Polizei hat hoch professionell gehandelt.“, sagt sie. Innerhalb von Minuten sei der Platz abgesperrt gewesen. „Ziemlich beeindruckend, was die Polizei dort geleistet hat“, findet Myers.

Das Telefon beim Münchner Tourismusamt klingelte trotzdem häufig in den vergangenen Tagen, sagt Robert Leckel, der beim Amt für den arabischen Markt zuständig ist. Viele Reiseveranstalter und Gäste erkundigten sich, wie die Lage in der Stadt sei. Relativ normal, sagt Leckel dann. „Hier kehrt langsam wieder Alltag ein.“ Doch welche Auswirkungen die Nachrichten aus München, Würzburg und Ansbach nun endgültig haben, sei noch nicht abzuschätzen, gibt er zu.

Arabische Touristen reagierten auf Amoklauf

Vor allem die arabischen Touristen reagieren empfindlich, sagt Tobias Reinsch vom Verband deutscher Incoming-Agenturen, die im Auftrag von Reiseveranstaltern die ausländischen Urlauber hier betreuen. Noch am Tag nach dem Amoklauf in München haben viele der arabischen Urlauber ihre Reisen storniert, einige seien extra früher aus München abgereist.

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