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Tourismus in Zeiten des Terrors Was bleibt vom Urlaubsziel Deutschland?

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Niedriger Ölpreis hemmt Saudis

Ohnehin bedauern es die Münchner Hoteliers, dass zurzeit weniger Araber nach München kommen. Der Grund: Wegen des niedrigen Ölpreises sind die Portemonnaies vor allem bei den Saudis weniger prall als üblich. München rechnet deshalb in diesem Jahr nur mit einem einstelligen Wachstum bei den Übernachtungszahlen – im Vorjahr war es noch ein Plus von 11,4 Prozent.

Doch die Menschen reisen nur, solange sie Geld haben und sich sicher fühlen. Das bekam zuletzt Dresden zu spüren, einst Hochburg für russische Touristen. Doch wegen des schwachen Rubel und der politischen Spannungen bleiben die Russen fern, im vergangenen Jahr sank ihre Zahl deutschlandweit um fast 30 Prozent. Dresden entgingen dadurch 40 000 Übernachtungen, rechnet Hotelier Johannes Lohmeyer vor, Vorsitzender des Tourismusverbands Dresden.

Die beliebtesten Reiseziele weltweit
Kapstadt, Südafrika Quelle: dpa
Eiffelturm Quelle: dpa
Casa Rosada, Buenos Aires, Argentinien Quelle: dpa
Kolosseum, Rom Quelle: dpa
Tower Bridge, London Quelle: REUTERS
Karlsbrücke, Burg in Prag, Tschechien Quelle: dpa
Pfirsichblüte, Hanoi, Vietnam Quelle: REUTERS

Hinzu kommt der „Pegida-Faktor“. Die Demonstrationen haben nicht nur deutsche Touristen ferngehalten. In Israel berichteten die Medien groß über die Aufmärsche. Die USA und Kanada erließen zeitweise sogar eine Reisewarnung für Ostdeutschland. Die negativen Effekte, sagt Hotelier Lohmeyer, haben im vergangenen Jahr mehr als 750 Arbeitsplätze im Dresdener Tourismus vernichtet.

Das Beispiel macht vielen Hoteliers und Touristikern Sorgen. Was, wenn die fremdenfeindliche Stimmung nach Ansbach und Würzburg wieder ankocht? Was, wenn sie sich dann auch gegen die Urlauber richtet? „In den Ferien will man sich willkommen fühlen“, warnt Reinsch. „Wenn die Urlauber hier negative Erfahrungen machen, spricht sich das in der Heimat schnell rum.“

Wer am wenigsten Urlaub bekommt
Im Schnitt haben die Deutschen über alle Branchen und Positionen hinweg 27,4 Tage Urlaub im Jahr Quelle: dpa
Per Gesetz ist ein Mindesturlaubsanspruch von 20 Tagen geregelt. Quelle: dpa
25 Tage für Kellnerinnen, 26 Tage für Köche und Putzfrauen Quelle: dpa
24 bis 29 Tage - je nach Einkommen Quelle: dpa
26,5 Tage im Osten, 28 Tage im Süden Quelle: dpa
28 Tage für Metall- und Fahrzeugbauer Quelle: dpa
28,5 Tage für Ver- und Entsorger Quelle: dpa

Im Europa-Park Rust ist von diesen Sorgen wenig zu spüren. Hier herrscht Fröhlichkeit, wie sie nur in der Kunstwelt eines Ferienparks existieren kann. Im Quartier Français tummeln sich die Menschen, auch ohne dass Sicherheitspersonal am Straßenrand steht. Selbst der Brexit wird in der heilen Welt von Rust ausgeblendet: England werde im Park weiter ein Teil Europas sein, versichert Thomas Mack.

Der Europa-Park zählt laut einer Umfrage unter internationalen Gästen als beliebteste Attraktion in Deutschland. „Letztes Jahr haben wir sogar das Schloss Neuschwanstein von der Spitze der beliebtesten Sehenswürdigkeiten verdrängt“, sagt Mack stolz. „Wir rechnen erneut mit einer sehr guten Saison“, sagt er. Die perfekt inszenierte heile Welt zieht. Trotz – oder gerade wegen der Weltpolitik.

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