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Triathlet Sebastian Kienle Mit Alkohol und Schokolade den Ironman gewinnen

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Mehr als einmal die Woche Schokolade

Wurmt es Sie, dass der Sport, der 1978 in Hawaii mit 15 Teilnehmern aus der Taufe gehoben wurde, um herauszufinden, ob Schwimmer, Radler oder Läufer fitter sind, bei Olympia in einer viel kürzeren Version ausgetragen wird?

Nein, das ist gerechtfertigt. Auch für den olympischen Sport ist es wichtig, dass er medial präsentabel ist. Das wäre bei einer Langdistanz, für die die besten Athleten gut acht Stunden brauchen, sehr schwierig.

Kienle bei seinem Ironman-Sieg auf Hawaii im Oktober 2014. Quelle: dpa

Leidet die Sportart also zum Großteil an ihrer ureigenen Faszination, den extremen Distanzen?

Ja, das ist so. Wir könnten die Langdistanz reizvoller machen, wenn die Streckenführung bei den Rennen stark verkürzt würde und die Radfahrer in mehreren Runden öfter am Publikum vorbeikämen. Es wird aber sicher eine parallele Entwicklung geben wie in der Leichtathletik: Da gibt es den 100-Meter-Sprint und den Marathon. Die beiden Extreme wecken die Aufmerksamkeit, und in der Mitte sinkt das Zuschauerinteresse. Das wird der Triathlon vermutlich ähnlich erleben. Die kurze Distanz wird mediale Aufmerksamkeit auf sich ziehen und die lange Distanz zugleich nicht an Faszination einbüßen.

Die Zahl der Mitglieder der Deutschen Triathlon Union steigt kontinuierlich, ebenso das Angebot an Wettbewerben in allen Regionen Deutschlands. Dort werden mit Schnupper- oder Sprint-Triathlon immer kürzere Distanzen angeboten, die sich an jedermann richten. Ist Triathlon schon ein Volkssport?

Triathlon kombiniert die drei beliebtesten Ausdauersportarten in Deutschland. Schon dadurch hat der Sport das Potenzial, ein Breitensport zu werden. Volkssport wäre übertrieben, denn da gibt es im Grunde nur zwei Kandidaten: Fußball und Laufen. Alle anderen, auch Radfahren oder Schwimmen, sind keine Volkssportarten.

Aber der Sport boomt.

Sicher, er wächst. Aber auch Boomsportart würde ich es nicht nennen, das wäre auch gar nicht erstrebenswert. Wir wachsen konstant. Das aber schon seit sehr langer Zeit. Ein sehr gesundes Wachstum. Das ist ein Pfund, mit dem wir wuchern können.

Triathlon ist neben Marathon eine der wenigen Sportarten, wo Hobbysportler im gleichen Rennen starten wie Profis. Für die Amateure ist das ein Anreiz. Für Profis auch?

Die Atmosphäre bei den Rennen ist bemerkenswert. Es sind sehr angenehme Kontakte, und das ist sicher auch der Grund, warum wir ohne Securitypersonal auskommen. Ich brauche keine Bodyguards. Wenn ich vorm Wettkampf meine Vorbereitungen treffe, sehen die Athleten schon, dass man mich nicht bestürmen sollte mit Wünschen nach Autogrammen oder Selfies. Auch die Profis wissen um die Verantwortung gegenüber den Amateuren: Man ist auf viel direktere Art Vorbild.

Müssen Sie auf Dinge verzichten, die sonst im Alltag normal sind? Trinken Sie Alkohol?

Ja. Durchaus regelmäßig.

Einmal im Jahr?

Das wäre auch eine Regel. Es geht mir um die innere Balance. Alkohol mindert die Leistung, gewiss, aber wenn ich ein Glas Wein in der Woche trinke, dann ist das kein Problem. Im Gegenteil. Man sollte sich nicht zu arg kasteien, sonst wird man zu unentspannt, und das muss man vermeiden.

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Das heißt, Sie halten auch keine spezielle Diät?

Ich beherzige, was der gesunde Menschenverstand sagt. Ich esse normal. Natürlich möglichst viel frisches Obst und Gemüse. Wenn es geht, wenig Zucker, auch wenn sicher mehr als einmal die Woche Schokolade dabei ist. Ich koche auch gerne selber. Und wenn ich einen Ratschlag geben sollte, dann wäre es folgender: Sobald die Zubereitung länger als 30 Minuten dauert, kann ich schon gar nicht mehr so viel falsch machen. Dann ist genau das drin, was ich drin haben wollte.

Und im Rennen?

Da braucht es die spezielle Wettkampfnahrung, die vorher in harten Einheiten auf Verträglichkeit getestet wird.

Aber im Training tut es auch mal eine Stulle?

Klar.

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