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Überflüssige Operationen vermeiden So finden Sie den richtigen Arzt

Operationen an der Wirbelsäule gehören zu den häufigsten Eingriffen in Deutschland. 80 Prozent der OPs seien überflüssig, meint Rückenspezialist Martin Marianowicz. Doch wie finden die üblichen 20 Prozent den besten Operateur?

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Arztsuche: OPs bei Rückenschmerzen sind oft überflüssig. Quelle: dpa

Die Zahlen sind eindeutig: Schmerzen im Rücken zählen zu den häufigsten Ursachen für langanhaltende Ausfälle von Beschäftigten. Mit zehn Prozent bei den Frauen und zwölf Prozent bei den Männern, rangieren die Rückenleiden an Platz zwei der Kosten für Krankengeld, das von den Krankenkassen sechs Wochen nach Beginn der Krankschreibung gezahlt wird. Operationen an der Wirbelsäule liegen auf Platz 2 in deutschen Krankenhäusern, lediglich Kaiserschnitte und die Vernähung eines Dammriss bei der Geburt werden noch öfter durchgeführt. Für den Münchener Orthopäden und Buchautor Dr. Martin Marianowicz sind 80 Prozent aller Wirbelsäulen-Operationen überflüssig. Dennoch werden sie gemacht, weil Patienten sich schnelle Heilung versprechen und Ärzte und Krankenhäuser gut an den Operationen verdienen.

Doch wenn alle sanften Therapien vergeblich sind, ist oft eine Operation unumgänglich. Und auch andere Krankheiten oder Sportverletzungen erfordern einen chirurgischen Eingriff. Dann ist der Patient auf der Suche nach einem geeigneten Operateur. Doch wie findet er den?

Alltagstipps für einen starken Rücken

Die gute Nachricht für die Patienten: In welchem Krankenhaus er sich behandeln lässt, ist ihm freigestellt. Gesetzlich Versicherte müssen allerdings darauf achten, dass die Klinik einen Vertrag mit der eigenen Krankenkasse hat. Privatpatienten können auch damit rechnen, dass Ihre Behandlungskosten einer Privatklinik von ihrer Versicherung übernommen werden. Lediglich bei Notfalleinsätzen besteht kein Anspruch auf freie Wahl des Krankenhauses. Dann sucht das Rettungspersonal das Krankenhaus aus. In allen geplanten Eingriffen ist es dennoch besser, vorher mit der Krankenkasse Kontakt aufzunehmen. So ist es möglich, dass bei einer Klinik, die weiter entfernt ist, Kosten für den Transport nach der Operation anfallen, die dann höher sind und gegebenenfalls vom Patienten selber zu tragen sind.

Die allermeisten Eingriffe sind geplant und der Patient hat die Zeit und Gelegenheit, sich allein oder zusammen mit seinem Arzt die passende Klinik auszusuchen. Vor der Wahl des Krankenhauses steht also oft die Frage nach dem Verhältnis zum behandelnden Arzt. Im Idealfall ist das Vertrauen so groß, dass der Patient sicher ist, dass der Arzt seine Wahl allein auf seinen Erfahrungen und Kenntnis des Krankenhauses und der dort arbeitenden Ärzte beruht. Wer vor der Suche nach dem richtigen Krankenhaus sich ein Bild von dem Arzt machen möchte, ist mit Bewertungsportalen wie jameda gut beraten.

Wie alle Bewertungsportale kann sich zwar der Leser nicht sicher sein, dass alle Kommentare von echten Patienten stammen oder wie fair diese bewerten. Aber wenn einige Dutzend Bewertungen abgegeben wurden, lässt sich nach Lektüre der Kommentare grob einschätzen, ob der Versuch lohnt. Mit einem Schulnotensystem bewerten die Patienten die Ärzte in verschiedenen Kategorien. Zusätzlich können sie einen Text eingeben, um ihre persönliche Erfahrung zu schildern. Dem Leser bietet sich so teils ein sehr gemischtes Bild vom betreffenden Arzt. Dieser hat die Möglichkeit auf die Anwürfe zu antworten. So ist der Leser der Kommentare hinterher besser in der Lage, sich zu entscheiden, ob er diesen Arzt aufsuchen wird.

Patientenbewertungen beachten

Für die richtige Wahl des Krankenhauses und möglichst gar den Namen des talentiertesten Operateurs lohnt es sich, sich im Bekanntenkreis umzuhören. Bei Routineeingriffen, deren Erfolg auch ein Laie beurteilen kann, lohnt es sich, sich umzuhören. Wer diesen Weg nicht beschreiten will, dem bleibt im wesentlichen die Datenbank des Gemeinsamen Bundessausschuss. Diese erfasst die Zahl von Operationen in deutschen Kliniken und deren Erfolg. Unter den zahlreichen Internetsuchmaschinen, die diese Datenbank auswerten von bkk-klinikfinder.de bis derprivatpatient.de wird häufig die weisse-liste.de der Bertelsmann-Stiftung als empfohlen.

Die drei genannten Portale funktionieren alle nach dem gleichen Muster. In die Suchmaske gibt der Patient zum Beispiel "Meniskus" ein und erhält mehrere Vorschläge, welche Art von Operation in Frage kommt, in diesem Falle wären vier verschiedene Diagnosen das Ergebnis, mitsamt dem Code, der im Gesundheitswesen dafür verwendet wird. Danach folgt noch die Postleitzahl und die Entfernung, in der das Krankenhaus liegen darf. Wer für eine Meniskusoperation in Düsseldorf bereit ist, im Umkreis von 50 Kilometern eine Klinik aufzusuchen, bekommt so 140 Treffer. Immer noch zu viele. Durch die Sortierung über Entfernung, Weiterempfehlung von Patienten, Name des Krankenhauses, die Zahl der Behandlungsfälle oder der für die Behandlung relevante Ausstattung lässt sich die Auswahl verbessern. So schwankt die Empfehlungsquote in diesem Beispiel zwischen 95 Prozent und 59 Prozent. Der Schnitt liegt bei 82 Prozent Weiterempfehlung.

Schmerzfrei bei der Arbeit
Wiederholen Sie diesen Bewegungsablauf möglichst fünfmal zu jeder Seite: 1) Sie sitzen wieder aufrecht an der Stuhlkante und drehen den Oberkörper langsam und so weit wie möglich abwechselnd nach links und nach rechts. Die Arme sind angewinkelt und werden ebenso wie der Kopf mitgeführt. 2) In der Mittelposition einatmen, beim Drehen ausatmen. Quelle: GU, Nicolas Olonetzky
Auch diese Bewegung wiederholen Sie am besten fünfmal: 1) Sie sitzen wieder aufrecht auf der Stuhlkante, die Beine sind mehr als schulterbreit auseinander. Die Hände hängen zwischen den Beinen. 2) Nun rollen Sie sich von oben nach unten ein und gehen mit dem Oberkörper ganz langsam nach unten. Danach rollen Sie sich langsam in die aufrechte Position zurück. 3) In der aufgerichteten Position und beim Aufrollen einatmen, beim Abrollen ausatmen. Quelle: GU, Nicolas Olonetzky
Wiederholen Sie diesen Bewegungsablauf langsam und entspannt fünf- bis zehnmal: 1) Setzen Sie sich nach vorn auf die Stuhlkante und richten Sie Ihre Wirbelsäule auf. Der Bauchnabel zieht leicht nach innen, sodass das Becken nach vorn geht. 2) Gehen Sie dann wieder in eine entspannte Sitzhaltung zurück. 3) Beim Aufrichten einatmen, beim Entspannen. Quelle: GU, Nicolas Olonetzky
Diese Bewegung wiederholen Sie am besten fünfmal zu jeder Seite: 1) Sie sitzen wieder aufrecht auf der Stuhlkante, die Arme hängen seitlich locker am Körper. 2) Beugen Sie sich nun so weit wie möglich erst zur einen und dann zur anderen Seite. Dabei zieht der Arm auf der jeweiligen Seite in Richtung Boden. 3) In der aufgerichteten Position einatmen, beim Beugen ausatmen. Quelle: GU, Nicolas Olonetzky
Die Übungen sind dem Buch "Den Rücken selbst heilen" entnommen. Quelle: GU, Nicolas Olonetzky

Wer dann noch sieht, dass die Klinik mit der besten Quote bei der Weiterempfehlung auch noch überdurchschnittlich viele Fälle behandelt hat, ist noch gewisser, eine gute Adresse gefunden zu haben. Allerdings gelten die Werte für die Weiterempfehlung für das gesamte Krankenhaus. Obwohl also überdurchschnittlich viele Patienten dieses Krankenhaus ihren Freunden und Bekannten weiterempfehlen würden, kann es sein, dass beispielsweise die Chirurgie deutlich besser ist als die Orthopädie im gleichen Haus.

Eine Rangliste bedeutet dies auch deshalb nicht. Zudem haben Patienten immer unterschiedliche Ansprüche an ein Krankenhaus. Einen ist die Ausstattung wichtig, anderen die Nähe zum Wohnort, damit Besuch sie leicht erreicht. Und selten wird eine operierende Abteilung nur von einem Arzt besetzt sein - den Operateur kann sich der Patient nur nicht aussuchen. Ursula Faubel vom Bundesverband Deutsche Rheuma-Liga kennt die Sorgen von Menschen, die eine größere Operation vor sich haben. Wie viele andere Patientenverbände werden in der Rheuma-Liga besonders die Bedürfnisse einzelner Krankheiten angesprochen. Die Rheuma-Liga bietet unter anderem mit der Versorgungslandkarte eine Hilfe, Ärzte, Physiotherapeuten oder Kliniken zu finden, die besonders den Anforderungen von Rheuma-Patienten entgegenkommen. Diese Art von Patientenverbänden gibt es für zahlreiche Leiden.

Forschung



Ein weiterer Weg zum richtigen Operateur können Selbsthilfegruppen einer bestimmten Erkrankung sein, wo am ehesten die gute alte Mundpropaganda von Betroffenen zu bekommen ist. Wer sich tief in die Materien knien wolle und nicht von der Fachsprache abschrecken ließe, könne aber in den Qualitätsberichten zum Beispiel erfahren, wie hoch die Quote von sogenannten Revisionen seien, also Operationen, die nicht das gewünschte Ergebnis brächten.

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