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Überstunden Fließende Grenze zwischen Arbeit und Freizeit

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Stress pur

Annelie Buntenbach Quelle: dpa

Besonders oft fühlen sich Mitarbeiter im Gastgewerbe gehetzt, von denen 70 Prozent angaben, unter enormen Zeitdruck bei der Arbeit zu stehen. Im Sozial- und Gesundheitswesen verspüren laut der DGB-Studie 65 Prozent häufig oder sehr häufig Stress, im Baugewerbe 60 Prozent. Am seltensten verspürten Mitarbeiter in der öffentlichen Verwaltung, bei den Sozialversicherungen und in der Bundeswehr Hetze. Hier gaben 43 Prozent der Befragten an, häufig oder sehr häufig unter Stress zu stehen, gefolgt vom Maschinen- und Fahrzeugbau mit 45 Prozent.

Krank zur Arbeit

Fast jeder Siebte (15 Prozent) arbeitet sehr häufig oder oft unbezahlt in der Freizeit. Fast die Hälfte (49 Prozent) der Befragten geben an, dass sie 2011 mindestens zweimal zur Arbeit gegangen sind, obwohl sie sich „richtig krank“ gefühlt haben. Für DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach zeigt die Umfrage: „Der Arbeitsplatz gilt als Stressfaktor Nummer eins.“ Die psychischen Belastungen durch Arbeitsstress, Arbeitshetze und Arbeitsintensivierung seien inzwischen so hoch, dass sie Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Beschäftigten gefährdeten. Notwendig seien kein Anti-Stress-Training für die Beschäftigten, „sondern vor allem Arbeitsbedingungen, die weniger Stress produzieren“. Buntenbach wies darauf hin, dass die Fehlzeiten der Arbeitnehmer in den Betrieben aufgrund psychischer Leiden seit 1984 um 80 Prozent zugenommen haben - und damit „geradezu explodiert“ seien. Stress am Arbeitsplatz sei inzwischen nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel.

Wer Überstunden macht
Der Bürodienstleister Regus hat Arbeitnehmer befragt und herausgefunden, das beispielsweise 13 Prozent der Deutschen jeden Tag mehr als elf Stunden im Büro verbringen. Im internationale Schnitt sind es etwa zehn Prozent. Von den Deutschen, die täglich mehr als elf Stunden arbeiten, sitzen 18 Prozent im sogenannten Home-Office. Regus befragte insgesamt rund 12 000 Mitarbeiter weitweit, davon etwa 1000 in Deutschland. Quelle: dpa
Deutschland Quelle: dpa
USA Quelle: dpa
Frankreich Quelle: dpa
BrasilienSpitzenreiter in Sachen Überstunden ist Brasilien. 17 Prozent der dortigen Arbeitnehmer absolvieren eine 60-Stunden-Woche, dabei sind es 20 Prozent der brasilianischen Männer und nur vier Prozent der Frauen. Quelle: dpa
Japan Quelle: dpa
Home-Office Quelle: obs


IG-Metall-Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Urban sagte dazu: „Das Gefühl, gehetzt zu sein, ist ein Faktum, das genauso hart ist und genau so ernst zu nehmen ist wie das Resultat einer Blutdruckmessung oder Gefahrstoff-Analyse.“ IG-BCE-Vorstandsmitglied Edeltraud Glänzer forderte, die „Rekordhatz für die Beschäftigten“ per Tarifvertrag zu stoppen. Urban warb erneut für eine Anti-Stress-Verordnung - mit klaren Vorschriften für erlaubte Belastungen im Job. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) habe sich für mehr psychosoziale Prävention in der Arbeitswelt zwar offen gezeigt. Es gebe aber noch „strategische Differenzen“ über den Weg dorthin.

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