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Ungewöhnliche Karrieretipps Warum Niederlagen erfolgreich machen

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An der Spitze ist es einsam

Aus den beiden bisherigen Zutaten für den Senkrechtstart – Willensstärke und Fokussierung – ergibt sich die dritte schon fast zwangsläufig: Wer nach oben will, muss Opfer bringen. Luxus sind für Erfolgsmenschen oft ganz einfache Dinge: Zeit für die Familie, ein Abend mit Freunden, ein Tag offline.

Beiersdorf-CEO Stefan Heidenreich ist täglich um sechs im Büro, ab sieben hält er Besprechungen ab. Wer weiter kommen will als andere, muss offenbar auch früher aufstehen. Managementexperte Reinhard K. Sprenger hat schon vor Jahren moniert, dass viele Menschen große Ambitionen haben, aber nicht bereit sind, den Preis dafür zu bezahlen. Ich fürchte, Sprenger hat Recht. Wenn die Lust auf Verzicht fehlt, war die Motivation offenbar nicht groß genug.

Erfolgreiche Gründer und ihre Geheimnisse
Renzo Rosso Quelle: REUTERS
Titus Dittmann Quelle: dpa
James Dyson Quelle: dpa
Günther Fielmann Quelle: dpa
Eike Batista Quelle: REUTERS
Erich Sixt Quelle: dapd
Richard Branson Quelle: REUTERS

Risiko – Der Spieler im Sieger

Ein rundherum abgesichertes Vollkaskoleben bietet wenige Chancen auf einen fulminanten Senkrechtstart. Ein schönes Beispiel für Risikofreudigkeit ist Titus Dittmann. Nie gehört? Dann haben Sie noch nie auf einem Skateboard gestanden. Dittmann gilt als Vater der Skateboard-Szene in Deutschland.

Das Interessante: Dittmann startete in einem Beruf, der nicht unbedingt für seine Risikofreudigkeit bekannt ist: als Lehrer. Er unterrichtete vier Jahre lang als Studienrat, bevor er Beamtendasein und sichere Pension sausen ließ. Ist Dittmann ein Zocker, der alles auf die Skateboard-Karte setzte? Nein.

Bei genauerem Hinsehen ging Dittmann Risiken sehr kontrolliert ein. Er handelte bereits sechs Jahre mit Boards und hatte schon diverse Aktivitäten gestartet, bevor er den Beamtenjob hinwarf. Er kannte sich in der Szene bestens aus. Er setzte auf kontinuierliches Wachstum. Doch ein Risiko blieb die Unternehmung. Als der Skateboard-Boom Ender der Achtzigerjahre abebbte, geriet das Unternehmen in eine erste Krise. 2002 bis 2007 folgten weitere schwere Jahre, Dittmann schlitterte knapp an einer Insolvenz vorbei und löste seine Lebensversicherungen auf, um das Unternehmen zu retten. Die Kehrseite eines Senkrechtstarts ist die mögliche Bruchlandung, das eine ist ohne das andere kaum zu denken.

Natürlich spielt in all diesen Fällen auch Glück eine Rolle – ein Faktor, auf den wir noch zu sprechen kommen. Aber ohne ihre Risikofreudigkeit hätten die beiden Herren auch kein Glück haben können. Dabei meine ich mit Risikofreudigkeit nicht Kamikazementalität. Auch wenn es Sie überraschen mag: Wer zielstrebig auf einen Erfolg zusteuern will, bringt am besten das Durchhaltevermögen und die Kaltblütigkeit eines Poker-Profis mit.

Ein erfolgreicher Pokerspieler zeichnet sich dadurch aus, dass er sich der Risiken des Spiels bewusst ist, sich nicht von kurzfristigen Misserfolgen irritieren – oder kurzfristigen Erfolgen blenden– lässt, sondern möglichst kühl die jeweilige Spielsituation analysiert und vor diesem Hintergrund akzeptable Risiken eingeht.

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