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Ungewöhnliche KarrieretippsWarum Niederlagen erfolgreich machen

Energie zu Spitzenleistungen entsteht aus Frust und Niederlagen. Davon ist der Autor Rolf Schmiel überzeugt. Warum Work-Life-Balance in die Mittelmäßigkeit führt und zu schnelle Wechsel der Karriere schaden. Ein exklusiver Vorabdruck. 08.09.2014 - 17:37 Uhr

Rolf Schmiel: Der Diplompsychologe ist seit 1999 selbstständiger Berater, Dozent und Kongressredner. Zu seinen Kunden gehören Unternehmen wie Audi, Siemens und Würth.

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Die Wahrheit hinter märchenhaften Erfolgen ist häufig alles andere als märchenhaft. Doch wir alle lieben den Mythos vom hässlichen Entlein, das über Nacht zum schönen Schwan wird, oder vom gehemmten Handyverkäufer, der von jetzt auf gleich als Tenor groß herauskommt und Millionen zu Tränen rührt wie Paul Potts. Dass Potts ein Jahrzehnt in verschiedenen Chören sang und vor seinem großen Erfolg einen ersten Talentpreis von 8000 Pfund komplett in Gesangsunterricht an italienischen Opernschulen investierte, wird dabei gern übersehen.

Infos zum Buch: Das Buch „Senkrechtstarter – Wie aus Frust und Niederlagen die größten Erfolge entstehen“ erscheint am 10. September im Campus Verlag und kostet 24,99 Euro.

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Wer sich unter den Supererfolgreichen genauer umsieht, erkennt schnell: Das Erfolgsrezept gibt es ebenso wenig wie das Rezept zum Goldmachen, nach dem Alchimisten in aller Welt jahrhundertelang suchten. Statt eines todsicheren Rezepts gibt es eine Reihe von Zutaten, die großen Erfolgen den Weg ebnen – oder auch nicht, wenn das nötige Quäntchen Glück fehlt.

Willenskraft – Einsatz, bis der Arzt kommt

Im Februar 2014 porträtierte das „Manager Magazin“ Topmanager und andere Prominente im Unruhestand, zum Beispiel den früheren Fresenius Medical Care-CEO Ben Lipps, der trotz seiner 73 Jahre lieber ein Berliner Start-up mit 18 Mitarbeitern leitet, als in Florida die Sonne zu genießen oder Ex-Spiegel-Chef Stefan Aust, der sich mit 67 auf das Himmelfahrtskommando einließ, „Die Welt“ als Herausgeber aus der Krise zu führen.

Man braucht also gar nicht über den großen Teich zu schauen, wo Warren Buffett auch mit 83 noch Tag für Tag ins Büro geht. Während in Deutschland gerade mal wieder über die Rente mit 63 diskutiert wird, ist für manche Menschen der Ruhestand offenbar ein Schreckgespenst. Hinter vielen außergewöhnlichen Erfolgen steckt schlicht – Arbeit, Arbeit, Arbeit.

Gesellschaftliche Debatte

Der Zwang zum Erfolg macht uns fertig

von Ferdinand Knauß

Vor einiger Zeit hatte ich einen jungen Existenzgründer im Coaching, der mit dem Anliegen kam: „Wie kann ich mehr Erfolg haben?“ Auf die Frage, wie sein Tagesablauf aussähe, beschrieb er mir ein eher gemütliches Leben: Frühstück mit der Familie, gegen halb zehn im Büro und nach dem Rechten schauen, ein paar Dinge regeln, spätestens um 17, 18 Uhr wiedernach Hause, Zeit für Hobbys und Familie. Und wo sein Problem sei, wollte ich wissen. „Es läuft eigentlich ganz gut, aber ich hatte mir vorgestellt, dass der Laden abgeht wie eine Rakete.“ Nur braucht eine Rakete mächtig viel Treibstoff, um im Bild zu bleiben. Work-Life-Balance ist der garantierte Weg in die Mittelmäßigkeit.

Umso erstaunlicher ist es, dass durchschnittlich intelligente und gut ausgebildete Mitteleuropäer immer noch Motivationsgurus auf den Leim gehen, die ihnen vorgaukeln, mit der richtigen Programmierung ihres Unterbewusstseins werde sich ihr Erfolg quasi im Schlaf einstellen. Dazu die Gründerin eines Kosmetikimperiums Estée Lauder, die ihre ersten Cremes in der elterlichen Küche zusammenrührte: „Ich habe niemals an Erfolg geglaubt – ich habe dafür gearbeitet.“

Von Revoluzzern, Besessenen und Ochsen

Wie hat es ein Lehrling geschafft, Deutschlands erfolgreichste Drogerie-Kette aufzubauen? Und wie schaffte es ein Bauernsohn, der als Tbc-Kranker von allen Vergnügungen seiner Altersgenossen ausgeschlossen war, zum Chef der McKinsey zu werden? Martin Steinmeyer und Rudolf Schröck haben prominenten Männern aus Wirtschaft, Sport und Kultur die Rezepte für den Aufstieg entlockt und sie in ihrem Buch „Erfolge und ihr Geheimnis“ (Plassen Verlag. 19,99 Euro) veröffentlicht. In den Interviews berichtet Adidas-Chef Herbert Hainer, dass er wie ein Ochse trainierte, und der Verleger Dirk Ippen betont, wie wichtig es war, seine eigenen Schwächen durch qualifizierte Mitarbeiter zu kompensieren. Und in den meisten Gesprächen wird auch klar, dass manchmal vor allem eine große Portion Glück den Erfolg bringt. Bei seinem entscheidenden Tor im Pokalendspiel 1973 hätte der Ball "eigentlich drüberfliegen müssen", sagt Günter Netzer, "aber er war drin."

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Günter Netzer, Ex-Fußballprofi und Vereinsmanager, heute Manager beim Sportrechte-Unternehmen Infront

»Akribie und Empathie sind für mich der Schlüssel zum Erfolg. Ich war immer gut vorbereitet, weil ich ein hohes Maß an Pflichtbewusstsein und Besessenheit habe. Wenn man etwas nicht unbedingt will, wird man es auch nicht erreichen.«

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Wolfgang Porsche, Aufsichtsratschef der Porsche AG

»Unternehmer kommen nur voran, wenn sie bereit sind, sich und ihr Unternehmen ständig zu hinterfragen und zu verändern. Ein moderner Unternehmer muss auch manchmal ein Revoluzzer sein.«

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Herbert Hainer, Adidas-Chef

»Ich habe für Dingolfing und Landshut in der Amateurliga gespielt. Da waren Fußballer, die deutlich talentierter waren als ich. Aber ich habe trainiert wie ein Ochse und bin zweimal Torschützenkönig geworden. Ohne Training kein Erfolg – das gilt auch im Geschäftsleben: an den Dingen arbeiten, die noch nicht laufen. Versuchen, sich und andere zu verbessern und weiterzutreiben.«

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Götz Werner, Gründer der Drogeriekette dm

»Warum heißt Erfolg Erfolg? Weil er Folgen hat! Und was sind die Folgen des Erfolgs? Dass man nicht so weitermachen darf, wie man zum Erfolg gekommen ist. Oder wie es Einstein formuliert hat: ,Probleme kann man niemals mit der gleichen Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.‘«

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Herbert Henzler, Ex-McKinsey-Deutschland-Chef

»Es gibt diesen wunderbaren Satz von Woody Allen: ,90 Percent of Success is Being There.‘ Und ich war oft zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle – dafür braucht man Glück.«

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Mark Wössner, Ex-Bertelsmann-Chef

»Die Geigerin Anne-Sophie Mutter wusste schon mit zehn Jahren: ,Ich will Weltgeigerin werden!‘ Und sie ist es, basierend auf einzigartigem Talent und großer Willenskraft, auch geworden. Für mich ist deshalb unbedingter Erfolgswille primäre Grundlage, auf der Erfolg aufbaut.«

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Andreas Jacobs, Chef der Jacobs Holding AG

»Ich bin nicht der Typ, der nur ein bequemes Leben führen möchte – nach dem Motto ,Meine Frau, meine Kinder, mein Haus, mein Auto, meine Pferde‘ – und bloß keinen Stress, keine Krise, keine Kündigungen. Krisenmanagement ängstigt mich nicht. Ich freue mich über jede Herausforderung.«

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Konrad Bernheimer, Kunsthändler

»Man muss sich in seinem Metier absolut auskennen. Mir macht heute deshalb keiner was vor, weil ich den Job des Kunsthändlers von Grund auf gelernt habe – von den Teppichen über die Malerei bis zu den Alten Meistern.«

Foto: WirtschaftsWoche

Franz Beckenbauer, ehemaliger Fußballspieler, Fußballtrainer und heute Ehrenpräsident des FC Bayern München

»Das Wichtigste, was ich vom Fußball für meine spätere Zeit übernommen habe, ist das mannschaftliche Denken. Das ist in einem Unternehmen nicht anders. Natürlich muss es – wie in einem Fußball-Team auch – eine gewisse Hierarchie geben. Aber die Basis für unternehmerischen Erfolg ist die Zusammenarbeit.«

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Dirk Ippen, Zeitungsverleger

»Umgebe dich nie mit Leuten, die dir nach dem Mund reden! Oft sind Querdenker die besten Kreativ-Köpfe für ein Unternehmen. In meiner Anfangszeit gab es einige Ressortleiter, die richtig unbequem waren. Wir haben uns oft gestritten, aber am Ende stand eine bessere Zeitung.«

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In Zeiten der Burn-out-Debatte und angesichts ständiger Hinweise auf die Zunahme stressbedingter psychischer Erkrankungen ist die Forderung nach überdurchschnittlichem Engagement fast eine Provokation. Tatsächlich ist der Grad zwischen erfüllendem Ausleben von Ambitionen und ungesundem Workaholismus schmal. Ob „Arbeit, Arbeit, Arbeit“ einen Menschen glücklich oder unglücklich macht, hängt vom persönlichen Wertekostüm ebenso ab wie vom Grad der Selbstbestimmung.

Management

Manager können von Spitzensportlern lernen

Menschen, die sich als unabhängig erleben, verkraften ein hohes Arbeitspensum besser als Menschen, die sich Zwängen ausgesetzt sehen. Dies führt paradoxerweise dazu, dass Selbstständige auch dann zufriedener mit ihrer Arbeit sind, wenn sie mehr arbeiten und weniger verdienen als Angestellte – zumindest dann, wenn sie die Selbstständigkeit freiwillig gewählt haben.

Wer Leistung und Lebensglück verbinden will, muss sich nicht selbstständig machen – Krux ist vielmehr, sein Ding zu finden, eine Tätigkeit also, die mit eigenen Talenten und Interessen harmoniert.

Nicht jeder, der sehr viel arbeitet, ist also zwangsläufig ein Workaholic. Zum Thema Arbeitssucht sind in den letzten Jahren zahlreiche Publikationen erschienen. Kleinster gemeinsamer Nenner: Gefährlich wird Arbeit dann, wenn der Betroffene sich in einen Teufelskreis von zwanghaftem Schuften befindet, wenn Arbeit körperlich krank macht, wenn Arbeit keine Befriedigung mehr bringt, sondern oft sogar von Erfolglosigkeit begleitet wird, was der echte Workaholic zu bekämpfen sucht, indem er die Dosis erhöht und noch mehr arbeitet.

Stress im Büro

Leiser Lärm kann krank machen

von Meike Lorenzen

Fokus – Alles auf eine Karte

Otto von Bismarck sagte einmal über das Geheimnis seiner Erfolge: „Ich jage nie zwei Hasen auf einmal.“ Wer Großes erreichen will, muss sich fokussieren. Wir alle haben nur begrenzt Talent und Zeit zur Verfügung, und Allround-Dilettanten sind weitaus häufiger als Universalgenies. Mit Fokus meine ich ein Höchstmaß an Konzentration auf eine Sache und damit das Gegenteil von Verzettelung.

Fokussierung kann zu grotesker Einseitigkeit führen, wie etwa im Klischee des zerstreuten Professors, der sein Fachgebiet genial beherrscht, aber an Alltagskleinigkeiten scheitert. Über Martin Winterkorn, den technikbesessenen VW-Chef, wird beispielsweise berichtet, er habe eine Veranstaltung im New Yorker Museum of Modern Art, wo er vor Megastars wie Madonna, Yoko Ono, Lou Reed oder Patti Smith auftrat, früh verlassen: „Er müsse jetzt noch den neuen Passat in Manhattan testfahren“, soll er gesagt haben.

Mal ehrlich: Würden Sie lieber Passat fahren, als mit Madonna zu plaudern? Das erinnert ein wenig an den exzentrischen Mathematiker Grigori Perelman, der mit der Poincaré-Vermutung eines der sieben Millennium-Probleme der Mathematik löste. Das dafür ausgelobte Preisgeld von einer Million Dollar 2010 schlug er aus, weil er nicht zur Preisverleihung in die USA reisen wollte. Stattdessen verschanzte er sich weiterhin in der St. Petersburger Wohnung seiner Mutter.

Renzo Rosso, Gründer von Diesel, hat es vom Bauernhof in die Chefetage geschafft.

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Titus Dittmann

Über den Gründer des Skateboard-Labels Titus kam 2012 sogar ein Film ins Kino

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James Dyson

Der britische Erfinder und Unternehmer wurde durch seinen beutellosen Staubsauger berühmt

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Günther Fielmann
Der Vorstandsvorsitzende von Fielmann eröffnete 1972 sein erstes Fachgeschäft

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Eike Batista

Der Unternehmer ist der reichste Mann Brasiliens

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Erich Sixt

Der 68-Jährige machte Sixt zur größten Autovermietung Deutschlands

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Richard Branson

Der Airline-Gründer will mit seinem Unternehmen Virgin Galactic Privatleute ins All schicken

Foto: REUTERS

Zu schnelle Wechsel verhindern Tiefe und echte Meisterschaft. Ausnahmeerfolge setzen Konzentration und oft auch langjährige Erfahrung voraus. Der Wissenschaftsjournalist und Bestsellerautor Malcolm Gladwell rückte diesen Aspekt in seinem Buch „Überflieger“ ins Bewusstsein, in dem er der 10.000-Stunden-Regel ein ganzes Kapitel widmete. In Kürze besagt diese Regel: Wer etwa 10 .00 Stunden etwas intensiv betreibt, hat sehr gute Chancen, darin zum Ausnahmetalent zu werden, und zwar gleichgültig, ob es sich dabei um ein Musikinstrument oder das virtuose Knacken von Safes handelt.

All das deutet darauf hin, dass Talent zwar nicht völlig unwichtig ist, aber gnadenlos überschätzt wird – und manchmal auch als lahme Ausrede jener herhalten muss, die sich nicht wirklich mit Haut und Haaren einer Sache verschreiben wollen.

Die großen Karriere-Irrtümer
Viele ambitionierte Menschen verlassen sich auf logisch erscheinende Theorien, die nur auf Erfahrungen Einzelner basieren. Natürlich gibt es auch nützliches Erfahrungswissen, aber ohne psychologische Reflexion und systematische Aufbereitung bleibt es Einzelwissen.
Beim Mentoren-Prinzip fördern erfolgreiche Top-Manager ihre jüngeren, unerfahrenen Kollegen. Der Mentor will dem Mentee nach bestem Wissen und Gewissen sagen, „wo es lang geht“. Ist der Mentor gut, schrumpft das Wissensgefälle nach kurzer Zeit – und damit auch die Wichtigkeit des Mentors. Dieser wird dann oft wütend und eifersüchtig und ist versucht, die Karriere seines Schützlings zu hemmen.
Es ist eine verbreitete, aber falsche Annahme, dass Chefs offene und konstruktive Kritik benötigen, um besser zu werden. Denn diese wirkt sich oft desaströs auf die Karriere des Kritisierenden aus. Zumindest unbewusst will sich kein Chef Kritik anhören, schon gar nicht in seiner Position.
Es ist die Haltung des Gebens, die zum Erfolg und damit zur Karriere führt. Auch als unerfahrener Mitarbeiter kann man seinem Mentor etwas „geben“. Anstatt eine Beziehung zu seinem Mentor anzustreben, in der man nur selbst profitieren will, macht man seinem Vorbild Komplimente, zeigt seine Bewunderung und bittet um Rat und Hilfe.
Man muss nicht unbedingt mehr im Unternehmen arbeiten, wenn man höherwertige Positionen im Unternehmen erreicht. Top-Manager müssen vor allem die Verbindung zwischen der eigenen beruflichen und privaten Person intensivieren und als Persönlichkeit auf das Unternehmen wirken und dieses repräsentieren.
Karrieren hängen nicht von einzelnen Situationen ab, sondern entwickeln sich über einen langen Zeitraum. Bei Entscheidungen unter Zeitdruck ist es unerlässlich, innezuhalten. Je länger sie pausieren, ohne nachzudenken, umso unwahrscheinlicher ist eine Fehlentscheidung.
Talent ist zu vernachlässigen, wenn alle anderen Dimensionen für eine Karriere – wie das Streben nach höchstem Können und eine stabile Psyche – stimmen.
Die individuelle Karriere folgt keiner Normalverteilung. Für sie gibt es keine berechenbare Wahrscheinlichkeit. Die realen Einflussgrößen sind Widerstände und Krisen, die zu bestehen sind und an denen man wachsen kann.
Wer das System Karriere nicht durchschaut, hält die Erfolge seiner Karriere für Zufall. Es ist jedoch nicht Glück, sondern der autonomer Wille der Ambition – also harte Arbeit unter der Regie seiner Ziele.

Aus den beiden bisherigen Zutaten für den Senkrechtstart – Willensstärke und Fokussierung – ergibt sich die dritte schon fast zwangsläufig: Wer nach oben will, muss Opfer bringen. Luxus sind für Erfolgsmenschen oft ganz einfache Dinge: Zeit für die Familie, ein Abend mit Freunden, ein Tag offline.

Beiersdorf-CEO Stefan Heidenreich ist täglich um sechs im Büro, ab sieben hält er Besprechungen ab. Wer weiter kommen will als andere, muss offenbar auch früher aufstehen. Managementexperte Reinhard K. Sprenger hat schon vor Jahren moniert, dass viele Menschen große Ambitionen haben, aber nicht bereit sind, den Preis dafür zu bezahlen. Ich fürchte, Sprenger hat Recht. Wenn die Lust auf Verzicht fehlt, war die Motivation offenbar nicht groß genug.

Keine virtuellen Teams

Eine Harvard-Studie hat herausgefunden, dass Teams, die physisch zusammenarbeiten, besser harmonieren und funktionieren, als virtuelle Gruppen. Nur per E-Mail und Telefon zu kommunizieren, verschlechtert das Arbeitsergebnis also. Wer virtuelle Teams trotzdem nicht umgehen kann, findet hier einige Tipps, wie sich deren Führung verbessern lässt.

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Narzissten sind ideale Chefs

Narzissmus ja, aber bitte nicht zu viel. So lautet die Beschreibung für den idealen Chef. Wissenschaftler um Emily Grijalva von der Universität von Illinois fanden heraus, dass der Zusammenhang zwischen Narzissmus und dem Erfolg als Führungskraft die Form eines umgekehrten U annimmt. Soll heißen: Extremer Narzissmus hilft ebenso wenig weiter wie überhaupt kein Narzissmus. „Der ideale Chef ist in Maßen narzisstisch“, sagt Grijalva.

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Männer mögen keine Teamarbeit

Der Mann als einsamer Jäger - eine Studie des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) zeigt, dass es sich dabei nicht nur um ein Klischee handelt. Männer arbeiten tatsächlich nicht gerne im Team. Es sei denn, sie können daraus einen konkreten Vorteil erzielen: Ein Mammut lässt sich schließlich auch nicht von einem allein erlegen.

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Frauen können besser mit Männern

Frauen arbeiten besser mit Männern als mit anderen Frauen zusammen. Das belegen mittlerweile sogar Studien. Wer also gut funktionierende Teams möchte, sollte keine reinen Frauengruppen zusammenstellen.

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10. In der Wir-Form denken

Ein guter Manager vergisst das „Ich“ und denkt in der „Wir“ Form. Er weiß zwar, dass er die Hauptverantwortung trägt, die sich weder teilen noch delegieren lässt. Seine Autorität entsteht aber erst dadurch, dass er Vertrauen durch die anderen Mitarbeiter bekommt.

Druckers Tipp: Kümmern Sie sich erst um die Bedürfnisse und Chancen der Organisation und Ihrer Mitarbeiter, bevor Sie sich um Ihre eigenen Bedürfnisse Gedanken machen. Dieser Grundsatz mag einfach klingen, wird aber von vielen Führungskräften missachtet.

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Narzissten sind risikobereiter

Wer sich selbst alles zutraut, ist automatisch risikobereiter. Für Unternehmen kann das zum Erfolgskonzept, denn Risiken bergen oft die Chance neuer Innovationen. Dennoch ist Vorsicht angebracht: Zu viel Risikobereitschaft kann dem Unternehmen auch schaden.

Foto: dpa/dpaweb

Wer müde ist, ist teamfähiger

Eine Studie aus London zeigt, dass Mitarbeiter, die unausgeschlafen sind, besser zusammenarbeiten. Bei Aufgaben, die flexibles Denken, schnelle Anpassung und echte Teamarbeit verlangten, zeigten sich müden Kollegen den anderen überlegen.

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Ein Querulant reicht, um alles zu ruinieren

Wenn in einem Team aber ein Kollege sitzt, der faulenzt, wird die Arbeit darunter leiden. Diverse Studien belegen, dass es auch nicht hilft, wenn alle anderen Vollgas geben, so lange einer bummelt. In diesem Zusammenhang spricht man vom Ringelmannn-Effekt.

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Karrierefaktor Empathie: Sich in andere Menschen hineinversetzen zu können wird auch für Manager immer wichtiger.

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Wer am lautesten ist, hat Recht

Außerdem lassen sich Teams leicht durch Wiederholungen manipulieren. Eine Studie des Institute for Social Research an der Universität Michigan zeigt nämlich, dass derjenige, der am lautesten brüllt und oft genug dasselbe erzählt, am Ende Recht bekommt. Einen Kollegen, der zu so einem Verhalten neigt, sollte man also nicht unbedingt in ein Team stecken.

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Risiko – Der Spieler im Sieger

Ein rundherum abgesichertes Vollkaskoleben bietet wenige Chancen auf einen fulminanten Senkrechtstart. Ein schönes Beispiel für Risikofreudigkeit ist Titus Dittmann. Nie gehört? Dann haben Sie noch nie auf einem Skateboard gestanden. Dittmann gilt als Vater der Skateboard-Szene in Deutschland.

Das Interessante: Dittmann startete in einem Beruf, der nicht unbedingt für seine Risikofreudigkeit bekannt ist: als Lehrer. Er unterrichtete vier Jahre lang als Studienrat, bevor er Beamtendasein und sichere Pension sausen ließ. Ist Dittmann ein Zocker, der alles auf die Skateboard-Karte setzte? Nein.

Bei genauerem Hinsehen ging Dittmann Risiken sehr kontrolliert ein. Er handelte bereits sechs Jahre mit Boards und hatte schon diverse Aktivitäten gestartet, bevor er den Beamtenjob hinwarf. Er kannte sich in der Szene bestens aus. Er setzte auf kontinuierliches Wachstum. Doch ein Risiko blieb die Unternehmung. Als der Skateboard-Boom Ender der Achtzigerjahre abebbte, geriet das Unternehmen in eine erste Krise. 2002 bis 2007 folgten weitere schwere Jahre, Dittmann schlitterte knapp an einer Insolvenz vorbei und löste seine Lebensversicherungen auf, um das Unternehmen zu retten. Die Kehrseite eines Senkrechtstarts ist die mögliche Bruchlandung, das eine ist ohne das andere kaum zu denken.

Natürlich spielt in all diesen Fällen auch Glück eine Rolle – ein Faktor, auf den wir noch zu sprechen kommen. Aber ohne ihre Risikofreudigkeit hätten die beiden Herren auch kein Glück haben können. Dabei meine ich mit Risikofreudigkeit nicht Kamikazementalität. Auch wenn es Sie überraschen mag: Wer zielstrebig auf einen Erfolg zusteuern will, bringt am besten das Durchhaltevermögen und die Kaltblütigkeit eines Poker-Profis mit.

Ein erfolgreicher Pokerspieler zeichnet sich dadurch aus, dass er sich der Risiken des Spiels bewusst ist, sich nicht von kurzfristigen Misserfolgen irritieren – oder kurzfristigen Erfolgen blenden– lässt, sondern möglichst kühl die jeweilige Spielsituation analysiert und vor diesem Hintergrund akzeptable Risiken eingeht.

Tipp 1: Fragen Sie sich: Bin ich ein Gründertyp?

Diese Frage sollten Sie sich beantworten, bevor Sie mit Ihren Businessplan beginnen. Denn selbst, wenn fachliche Kenntnisse und Fähigkeiten vorhanden sind, ist nicht jeder der geborene Unternehmer. Letztendlich ist die Entscheidung für oder gegen eine Existenzgründung eine Typfrage. Wer feste Arbeitszeiten braucht oder nicht gut mit Finanzen umgehen kann, eignet sich weniger. Wer dagegen Risiken nicht scheut, flexibel und belastbar ist, für den kann die Selbstständigkeit eine Alternative sein.

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Erledigte Aufgaben abhaken

Dieser Trick stammt aus dem Bereich des Zeitmanagements und der Selbstorganisation. Selbst kleine und scheinbar ganz banale Aufgaben können Spaß machen, wenn Sie diese auf einer To-Do-Liste aufschreiben und dann Stück für Stück abhaken. Das geht am besten ganz altmodisch mit Stift und Papier. Bereits der Vorgang des Aufschreibens und dann das Gefühl beim Durchstreichen oder abhaken einer Aufgabe kann Ihre Stimmung enorm steigern.

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Tipp 3: Beschreibung des Produkts / der Dienstleistung

Während die ersten beiden Abschnitte knapp gehalten werden sollten, dürfen jetzt Details folgen. Wenn Sie ein Produkt vertreiben wollen, muss der Businessplan den aktuellen technischen Entwicklungsstand beinhalten sowie Informationen über bestehende Patente oder Lizenzen. Handelt es sich dagegen um eine Dienstleistung, sollten Sie vor allem Alleinstellungsmerkmale betonen. Was macht Ihr Angebot anders als das des Wettbewerbers?

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Tipp 4: Marktanalyse

Keine Firmengründung ohne Kenntnisse des Markts und der Branche! Dazu lohnt eine genaue Zielgruppendefinition inklusive Einkommen und Zahlungsmoral der möglichen Kunden. Dabei sollten Sie im Blick behalten, ob Sie das Produkt nur regional oder auch bundesweit oder sogar international anbieten wollen. Auch ein Blick auf den Wettbewerber ist wichtig: Wer kann Ihnen Konkurrenz machen und welche Strategien verfolgen andere Unternehmen? Das kann auch dabei helfen, Produkte mit Alleinstellungsmerkmal zu entwickeln.

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Tipp 5: Marketingstrategien

Wer eine Firma gründen möchte, muss sich auch im Marketing auskennen. Daher sollte in Ihrem Businessplan nun stehen, mit welchen Strategien Sie auf Ihr Unternehmen aufmerksam machen wollen. Ein gezielter Zeitplan, der die verschiedenen Schritte der Unternehmensgründung beinhaltet, kann dabei helfen. Als Leitfaden können dabei die folgenden Fragen dienen: Wann wollen Sie das Unternehmen eröffnen? Wann und wie wollen Sie die ersten Kunden gewinnen? Dabei sollten auch Werbung und PR als Maßnahmen im Blick behalten werden. Ein wichtiger Schritt, der genau geplant sein sollte, ist der Gang an die Öffentlichkeit. Da all das Geld kostet, darf eine konkrete Beschreibung Ihrer Preisgestaltung nicht fehlen.

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Tipp 6: Personalplanung

Da Sie der erste Mitarbeiter in Ihrem eigenen Unternehmen sind, beschreiben Sie sich zunächst einmal selber. Sparen Sie nicht mit Details zu Ihren berufliche Erfahrungen, Vorkenntnissen und bisherigen Erfolgen sowie Weiterbildungen und Zusatzqualifikationen, die sie erlangt haben. Außerdem sollten Sie Ihre Personalplanung für die nächsten drei bis fünf Jahre darlegen. Wann Sie planen, Mitarbeiter oder Aushilfen einzustellen und welche Qualifikationen mögliche Partner haben sollten.

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Tipp 10: Prioritäten setzen

Wer sich zu viel vornimmt, ist leicht überfordert. Ein Fünf-Punkte-Plan kann dabei helfen, alles zu schaffen, was Sie im Laufe des Tages erledigen wollen. Die Idee: Schreiben Sie sich abends oder früh am Morgen fünf konkrete Punkte in den Kalender, die Sie erledigen wollen. Sobald Sie eine Aufgabe erledigt haben, können Sie einen Haken auf der To-Do Liste setzen. Das fühlt sich gut an und strukturiert außerdem Ihren Tag.   

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Tipp 8: Investitionen

Eine der wichtigsten Rollen bei der Existenzgründung spielt Geld. Daher sollten Sie in Ihrem Businessplan diesen Punkt extra ausarbeiten und mit Zahlen und Fakten belegen. In einem ersten Teil können mögliche Anschaffungen der nächsten drei bis fünf Jahre aufgelistet werden. Daraus ergeben sich der Kapitalbedarf und die jährlichen Ausschreibungen.

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Tipp 9: Liquiditätsplan

In einem zweiten Teil können Sie Ausgaben und Einnahmen aufzeigen, die Sie für die kommenden Jahre erwarten. Für das erste Jahr sollte dabei eine monatliche Aufstellung gemacht werden, für die Folgejahre dann quartals- und später halbjahresweise. Darüber hinaus sollte der Businessplan eine Kosten-Gewinn-Kalkulation beinhalten, in der aufgeführt wird, wie der Geschäftsverlauf samt Umsätzen, Ausgaben und Gewinnen aussehen könnte. Vergessen sollten Sie dabei nicht, eine Reserve für unvorhersehbare Ausgaben einzuberechnen.

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„Keiner gewinnt allein“, das gilt nicht nur im Fußball. Wenn ein alter Hase den Neuling in die geschriebenen und ungeschriebenen Gesetze der jeweiligen Branche einweiht, ist das von unschätzbarem Vorteil. Auch soziale Aufsteiger berichten häufig, dass es in ihrer Umgebung mindestens eine Person gab, die an ihre Fähigkeiten geglaubt und sie unterstützt hat – einen Lehrer, Ausbilder oder Verwandten, der ihnen den Rücken stärkte.

Gründer

Unternehmerinnen erobern die Start-Up-Szene

von Michael Kroker

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ihren Einzug ins Kanzleramt auch der Unterstützung eines Teams prominenter Frauen, darunter Verlegerin Friede Springer und Journalistin Sabine Christiansen, zu verdanken. Die machtbewussten Damen öffneten der Anwärterin die Türen zu wichtigen gesellschaftlichen Veranstaltungen und sollen am optischen Wandel von „Kohls Mädchen“ zur künftigen Kabinettschefin nicht unbeteiligt gewesen sein.

Bei Merkels Vereidigung 2005 saß das Quartett auf der Bundestagstribüne und genoss den Sieg der eigenen Kandidatin. Hinter großen Erfolgen steckt außer Ehrgeiz und Durchhaltewillen häufig auch die Bereitschaft, dazuzulernen und sich professionelle Helfer zu suchen, vom informellen Netzwerk über Medienberater bis zum Stylisten.

Professionelle Unterstützer und Mentoren haben eine wichtige Motivationsfunktion, weil sie im Idealfall ein wertschätzendes „Du schaffst es!“ mit der gemeinsamen Erarbeitung konkreter Handlungspläne und anschließender Erfolgskontrolle verbinden. Eine wirksame Mischung aus Zuckerbrot und Peitsche, die in der Friede-Freude-Eierkuchenwelt der meisten Motivationsgurus konsequent ausgeblendet bleibt. Das ist kein Wunder, denn dort wird einfacher und grenzenloser Erfolg versprochen. Doch wer sich Helfer sucht, weiß, dass Erfolg nicht einfach passiert. Und er muss vor allem erst einmal die eigenen Grenzen erkannt haben.

Glück – Der unterschätzte Faktor

Die Rolle des Glücks für das Erringen von Ruhm und Ehre schält sich am deutlichsten bei jenen Glücklosen heraus, die alles mitbrachten – Willenskraft, Fokus, Opferbereitschaft und den Mut zum Risiko, sogar wohlmeinende Gönner – und trotzdem zu Lebezeiten weitgehend erfolglos blieben.

Als Vincent van Gogh sich mit 37 Jahren in die Brust schoss, hatte er in nur zehn Jahren 1000 Zeichnungen angefertigt und rund 840 Bilder gemalt – und nur ein einziges davon verkauft. Van Gogh war zeitlebens von seinem jüngeren Bruder Theo, einem Kunsthändler, finanziell abhängig. Auch Kontakte zu anderen Künstlern seiner Zeit wie Paul Gauguin beförderten sein Fortkommen nicht. Heute erzielen seine farbenfrohen Gemälde Rekordpreise.

Umgekehrt hat eine glückliche Fügung manchem Ausnahmeerfolg den Weg geebnet. Aristoteles Onassis verdankte seinen Reichtum wesentlich einem exzellenten Geschäft zu Beginn seiner Karriere, als er einem bankrotten Reeder die Schiffsflotte für einen Spottpreis abkaufte. Thomas Middelhoffs Image zehrte jahrelang vom Coup des Aktiengewinns durch den rechtzeitigen Verkauf der AOL-Aktien während seiner Bertelsmann-Zeit. Bill Gates wurde zur richtigen Zeit in die richtige Familie geboren, die ihn auf eine Schule schickte, die die ersten Computer hatte und ihn tagelang programmieren ließ.

Doch obwohl glückliche Fügungen den individuellen Erfolg begünstigen (und unglückliche ihn hemmen) können, besteht kein Anlass für Fatalismus. Wer nichts tut, kann auch kein Glück haben. Selbst für einen Lottogewinn müssen Sie sich zumindest aufraffen und einen Schein ausfüllen.

Was sich nicht erzwingen lässt und wofür es in der Regel das berüchtigte Quäntchen Zusatzglück braucht, ist der ultimative Megaerfolg. Doch gerade aus diesen Ausnahmeerfolgen leiten viele Motivationsgurus ihre „Alles ist möglich“-Botschaften ab und ignorieren damit, dass auf jeden Richard Branson zahlreiche durchschnittlich erfolgreiche Musikproduzenten und etliche völlig erfolglose kommen.

„Man sieht nur die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht“, heißt es schon in der Dreigroschenoper. Noch ein letzter Aspekt: Es genügt nicht, Chancen zu haben, man muss sie auch sehen. Manche Menschen verfügen einfachüber einen besseren Chancenradar als andere, sie wittern Geschäftsideen, die andere übersehen, sie erkennen wertvolle Kontaktmöglichkeiten, wo andere den ruhigen Feierabend bedroht sehen, sie fragen gewohnheitsmäßig „Ja, warum eigentlich nicht?!“, statt sich ebenso routiniert in die „Ja, aber“-Stagnation zu flüchten.

Das kann man sich übrigens auch dann noch angewöhnen, wenn man durch eine langjährige „Ja, aber“-Schule in Ausbildung und Berufsleben gegangen ist. Menschen mit Chancenradar sind ein wenig wacher, neugieriger und risikofreudiger als der Durchschnitt.

Alles hat seine Zeit – Work-Life-Tides

Ich halte nicht viel von Work-Life-Balance. Die Metapher des Balancierens evoziert eine heikle Gradwanderung mit der dauernden Gefahr, abzustürzen, und das entspricht ja durchaus der Lebenswirklichkeit vieler Menschen. Tagtäglich versuchen sie, eine Reihe von Ansprüchen unter einen Hut zu bringen. Das klappt, solange nichts schiefgeht. Da im Leben jedoch regelmäßig etwas schiefgeht, ist es aus mit der Balance, sobald ein Projekt unerwartet mehr Zeit braucht, ein Kind krank wird oder der Chef wechselt. Dann stürzt die wackelige Alltagsorganisation zusammen wie ein Kartenhaus. Vor einiger Zeit stolperte ich über einen Artikel zum Thema „Die erschöpfte Familie“.

Alle Mitglieder, ob Vater, Mutter, Teenagertochter oder kleiner Bruder, alle waren unzufrieden, alle klagten über Stress. Schließlich wolle man neben Arbeit und Schule beziehungsweise Hausaufgaben ja auch regelmäßig zum Handball beziehungsweise zum Yoga, und auch der Kirchenchor sei wichtig, und übers Smartphone bis spätabends mitzuchatten sei quasi Teenagerpflicht, und jeden Tag müsse gesund gekocht werden, und der Musikunterricht der Kinder und das Ballett und die Fahrdienste und die Verpflichtungen im Kindergarten. Ein wenig klang das nach einem Vierjährigen, der sich beim Kindergeburtstag durch das gesamte Süßigkeitenangebot gefuttert hat und sich hinterher bitter beklagt, dass ihm übel wird.

Mein Eindruck ist: Wir leben in einer Zeit, in der immer mehr Menschen alles wollen, und zwar sofort.

An die Stelle des „Alles auf einmal“ der Work-Life-Balance möchte ich ein Gezeitenmodell des stetigen Wandels setzen. Work-Life-Tides bedeutet: Unterschiedliche Lebensphasen verlangen unterschiedliche Schwerpunktsetzungen, will man nicht unter dem Druck der eigenen Ansprüche einknicken. Das setzt eine reife Persönlichkeit, eine bewusste Lebensplanung und die Zuversicht voraus, dass die Zeit für andere Vorhaben schon kommen wird. Ein prominentes Beispiel für ein derartiges Lebenskonzept ist Tennisstar Steffi Graf, die als Leistungssportlerin beeindruckende Erfolge feierte, sich dann auf die Familie konzentrierte und nach einigen Jahren als Geschäftsfrau aktiv wurde.

Für Sie kann das bedeuten, sich klar darüber zu werden, was in der jeweiligen Lebensphase im Vordergrund stehen soll und in welches Projekt Sie Ihre meiste Kraft investieren wollen. Wenn Sie beruflich nach den Sternen greifen, ein Unternehmen gründen oder 10.000 Stunden in Ihr Talent investieren wollen, ist das vermutlich nicht die beste Zeit, um gleichzeitig noch ein Haus zu bauen und sich aktiv in die Kindererziehung einzubringen.

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