Ungezwungener Freitag

Der Duft der Macht

Lin Freitag
Lin Freitag Stellvertretende Ressortleiterin Erfolg

Erfolg riecht heute anders: Gurke-Limette löst Moschus und Patchouli ab.

Eine Frau steht vor einer Vitrine mit verschiedenen Flacons Quelle: dpa

Es gibt nicht nur einen Dresscode der Macht, Erfolg hat auch einen speziellen Duft.

Dieser ist immer Spiegel seiner Zeit: Bevor der Tabakkonzern Davidoff Mitte der Achtzigerjahre sein Cool Water auf den Markt brachte, ähnelten sich Frauen- und Männer-Parfüms stark. Doch der Yuppie-Look der Achtzigerjahre verlangte nach einem entsprechend männlichen Duft. Zu Schulterpolstern, Zweireiher und Aktentasche trug der Geschäftsmann von Welt Aromen von Moschus, Amber und Tabak. Für Frauen war es damals schwer, zu den beliebtesten Düften gehörte Jil Sanders Sun – bis heute ein Verkaufsschlager.

Macht riecht dezent

Doch es ist gar nicht so leicht, Kompetenz auszustrahlen, wenn man riecht wie ein Puddingteilchen. Daher veränderte sich der Duft der Chefetage. Macht riecht mittlerweile dezenter. Und gleichzeitig individueller, mit einer feinen Note Extravaganz. Trug der erfolgreiche Mann früher Hugo Boss, darf es heute Gurke-Limone sein. Auch sein eigenes Parfüm entwerfen zu lassen ist kein Problem, sondern eine Frage des Geldes. Bis zu 30.000 Euro kostet ein solcher Flakon, mitunter braucht ein Parfümeur mehrere Jahre.

Das bedeuten die verschiedenen Business-Dresscodes

Doch auch abseits dieses speziellen Luxus boomt das Besondere. Bei der britischen Duftmarke Jo Malone etwa erschnüffelt man Kreationen von Ingwer-Muskat bis hin zu Salbei-Holz-Meersalz. Das bereits 1760 gegründete Traditionshaus Creed duftete schon Napoleon und Kaiserin Sissi ein. Heute hüllen sich Prinz Charles und Robert Redford in den Duft Green Irish Tweed, der riecht wie ein Morgenspaziergang im Frühling. Klar, dass das auch im Büro funktioniert. Aber was geht nicht?

Weniger ist mehr

Zunächst gilt – Überraschung! – weniger ist mehr. Vor allem Fans der aufdringlichen deutschen Lieblingsdüfte Le Male von Jean-Paul Gaultier oder Thierry Muglers Angel sollten besser wohl dosieren. Gut hingegen sind Düfte mit Zitronen- oder Orangennoten. Zunächst stehen diese Gerüche für Lebendigkeit, Dynamik und Aktivität. Ebenfalls nicht ganz nutzlos im Job: Sie sollen die Produktivität steigern. Allzu sehr sollte es dann aber doch nicht nach Zitrusfrüchten riechen. Die Bundesbürger verbinden einen besonders intensiven Duft mit Klostein, in Frankreich hingegen kann es gar nicht zitronig genug sein.

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Und da sind wir auch schon beim Dilemma: Geht es um Duft, spielen Geschmack und Sozialisierung eine große Rolle. Die Nasenschleimhaut ist im Unterschied zu jedem anderen unserer Sinnesorgane mit der Großhirnrinde verbunden. Gerüche wandern direkt ins limbische System und in den Hippocampus. Diese Teile des menschlichen Gehirns sind für Gefühle, Triebe und Erinnerungen zuständig. Apropos Triebe: Ganz neu im Duftregal ist das Werk des Proll-Millionärs Robert Geiss zu erschnüffeln. Beworben als „Rockig und Markant“ riecht ein echter Geiss nach Patchouli und Bergamotte. Klingt streng, muss aber auch nicht im Büro funktionieren. Der Mann ist mittlerweile seit vielen Jahren Privatier.

Geht gut: unaufdringliche, natürliche Noten wie Koriander, Obst und Hölzer

Geht gar nicht: zu süß, zu herb, zu betont männlich, zu betont weiblich

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