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Ungezwungener Freitag

Holt die Krawatte aus der Krise!

Lin Freitag
Lin Freitag Stellvertretende Ressortleiterin Erfolg

Die Krawatte gilt als Gegenteil von Innovationsfreude, Flexibilität und moderner Führungskultur. Jetzt verzichten schon Autobosse und Industriechefs darauf. Zeit, den Schlips wieder cool zu machen. Eine Kolumne.

So geht der Krawattenknoten "Four-In-Hand"
Schritt 1Stellen Sie den Kragen Ihres zugeknöpften Hemdes auf und legen Sie sich die Krawatte mit der Vorderseite nach oben um den Hals. Dann legen Sie das längere über das kürzere Ende. Dabei sollte das kürzere Ende bei durchschnittlich großen Männern ungefähr auf Höhe der Taille enden. Diese Faustformel variiert jedoch, je nach Größe der Person und Dicke der Krawatte. Quelle: Felix Ehrenfried
Schritt 2Führen Sie das lange Ende unterhalb des kurzen Krawattenendes durch und fixieren Sie die dabei entstehende Umwicklung mit dem Finger. Quelle: Felix Ehrenfried
Schritt 3Nun schlagen Sie das lange Ende erneut über das kurze Ende der Krawatte, sodass das kurze Ende vom langen im Prinzip einmal „umwickelt“ wurde. Quelle: Felix Ehrenfried
Schritt 4Jetzt führen Sie das lange Ende nach oben an den Hals und führen es durch das Loch zwischen der umgelegten Krawatte und des Halses. Quelle: Felix Ehrenfried
Schritt 5Das ist der entscheidende Schritt: Sie stecken das lange Ende der Krawatte durch das Loch auf der Vorderseite des kurzen Endes, dass durch die Umwicklung in Schritt 3 entstanden ist. Quelle: Felix Ehrenfried
Schritt 6Wichtig dabei: Halten Sie die Umwicklung mit dem Finger immer weit oben am Hals fest, während Sie das lange Ende durch das Loch führen und den Knoten festziehen. Quelle: Felix Ehrenfried
Schritt 7Der Abschluss: Ziehen Sie die Krawatte fest und achten darauf, dass Sie mittig zwischen den Kragenflügeln sitzt. Das perfekte Finish erreichen Sie, wenn Sie der Krawatte kurz unter dem Knoten eine kleine Delle eindrücken, in Fachkreisen Dimple genannt. Das sorgt für leichte Lichtreflexion auf der Krawatte und lässt den Knoten eleganter wirken. Haben Sie die richtige Länge gewählt, sollte die Krawatte die Gürtelschließe gerade noch berühren. Quelle: Felix Ehrenfried

Für Daimler-Chef Dieter Zetsche ist es ein Symbol der digitalen Transformation. Für Bosch-CEO Volkmar Denner gehört es zur Verankerung einer jüngeren Unternehmenskultur. Und der Telekom-Vorstandsvorsitzende Timotheus Höttges verhält sich eh schon länger so, als führte er ein Start-up und keinen ehemaligen Staatskonzern.

Worum es geht? Um Krawatten. Oder genauer: um deren zunehmende Abwesenheit in Deutschlands Büros. Der Schlips ist zum Feind mutiert, gilt als Gegenteil von Innovationsfreude, Flexibilität und moderner Führungskultur. Doch warum gerade der Schlips? Steht er doch auch für all die Eigenschaften, für die Deutschland vom Rest der Welt beneidet wird: Er ist konservativ, korrekt, ein bisschen bieder.

Darauf sollten Sie beim Anzug achten

Das ist Teil des Problems. Krawatte, das klingt eben auch nach beigebraunen Teppichböden, Behördenmentalität, kurz: der alten Republik. Als Manager nicht zum Lunch gingen, sondern ein von der Gattin geschmiertes Butterbrot verspeisten; sie noch Filterkaffee statt Coffee to go tranken. Und Industriebarone keine Konkurrenz von Start-ups fürchten mussten.

Abkehr vom Schlips als positiver Wirtschaftsindikator

Die Krawattenkrise hat aber noch einen anderen Grund. Deutschland geht es aktuell wirtschaftlich so gut wie lange nicht mehr. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass Männer und Frauen gerade in angespannten Zeiten dazu neigen, sich konventionell zu kleiden. Das Bewährte soll dabei Halt bieten. Die Abkehr vom Schlips ist also als positiver Wirtschaftsindikator zu verstehen.

So kleiden Sie sich richtig

Eine erfreuliche Auswirkung auf den Stil hat das nicht zwangsläufig. Nur weil Manager den Schlips im Schrank lassen, heißt das nicht, dass sie dadurch besser gekleidet sind. Auf dem Weg zu einem modernen Businesslook liegen noch ganz andere Felsbrocken, die es zu zerschlagen gilt. Bollerige Bundfaltenhosen, Hemden mit Brusttasche oder auch Jack-Wolfskin-Jacke zum Anzug.

So wundert es nicht, dass zahlreiche Gegenbeispiele von Krawattenträgern zeigen, wie man auch oben mit modern aussehen kann. Der scheidende Bayern-Trainer Pep Guardiola kombiniert Krawatte mit grauem V-Pulli und sieht trotzdem nicht aus wie sein eigener Großvater.

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So ist das eben bei Trends: Kaum sind sie in der breiten Masse angekommen – siehe Zetsche und Denner –, tragen Modebewusste wieder das Gegenteil. Das zeigen auch die aktuellen Kollektionen. Mausgraue Polyester-Binder gibt es nur noch als Artefakt in der Herrenabteilung von Karstadt zu bestaunen. Die neuen Modelle sind schmal wie ein Lineal, aus Kaschmir oder gestrickter Seide.

Ein anderer Gewinner der Krawattenkrise ist die Fliege. Auch sie wird schon länger nicht mehr nur zum Smoking oder von SPD-Gesundheitsexperten getragen. Mehr Vielfalt am Kragen tut der Bundesrepublik gut. Bedeutet das Ende des Krawattenzwangs doch auch das Ende eines besonders unerfreulichen Anblickes: Manager, die so gequält gucken, als würden sie einen Strick und keinen Schlips um den Hals tragen.

Geht gut: Krawatte aus Samt, gewaschener oder gestrickter Seide, mit Blumendrucken.

Geht gar nicht: Krawatte aus Polyester, mit humorvollem Print – außer von Hermès.

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