Ungezwungener-Freitag Keine Manschetten vor Hosenanzügen

Was die Garderobe anbelangt, so gibt es eine klare Verliererin der US-Wahlen: Hillary Clinton.

Hillary-Clinton Quelle: REUTERS

In der Endphase des Wahlkampfes macht die Politisierung auch vor der Kaffeetheke nicht halt. Wer sich morgens seinen Kaffee to go bei 7-Eleven holt, wird nicht nur nach Milch oder Zucker gefragt, sondern auch, ob man Demokrat oder Republikaner ist. Am Ende des Tages veröffentlicht die Kette dann eine eigene Wahlprognose. Doch damit nicht genug: Neben der Theke sitzen die Kandidaten als Stoffpuppen und starren die müden Kaffeejünger mit aufgerissenen Augen an. Puppe Hillary trägt einen dunkelblonden Kurzhaarschnitt und einen grauen Hosenanzug, Puppe Donald eine knallblonde Kurzhaarfrisur und ebenfalls einen grauen Anzug. Und damit beginnt das Problem. Denn so spannend und absurd der Wahlkampf inhaltlich ist, umso langweiliger ist er optisch. Aber bei einem der beiden Kandidaten hat das wenigstens System.

Hillary Clinton plagen die Probleme vieler mächtiger Frauen. Es ist sowieso alles schon kompliziert genug mit dem Durchsetzen und dem Mithalten, da traut sich kaum eine, die Lage noch durch allzu extravagante Kleidung zu komplizieren. Doch bislang handelte es sich dabei um ein sehr deutsches Problem. Großbritanniens Premier Theresa May trägt karierte Anzüge der ehemaligen Punk-Ikone Vivienne Westwood und extravagante Schuhe in Leopardenoptik. Und egal, ob sie Chucks zum Sommerkleid trägt oder ihre muskulösen Oberarme im Abendkleid zeigt: Michelle Obama hat in den vergangenen acht Jahren so viele Trends kreiert wie keine andere First Lady zuvor.

Und dann Hillary Clinton. Die Präsidentschaftskandidatin kleidet sich wie Kanzlerin Angela Merkel – nur greller. Die Schnitte ihrer Hosenanzüge sind ähnlich altbacken, manchmal überrascht sie mit einem forschen Material wie Rohseide. Doch ihren eigenen Stil hat sie nicht gefunden. Das soll sich nun mithilfe von gleich mehreren Stylisten ändern. Das Ergebnis ist vor allem eins: teuer. Die „New York Post“ schätzt die Ausgaben auf mindestens 200.000 Dollar. Allein die Giorgio-Armani-Jacke, die Clinton im April trug, kostet rund 12.500 Dollar. Und das ausgerechnet bei einer Rede, in der sich Clinton als besonders volksnah gab. Ein echtes Problem: Gilt ihre Nähe zur Elite und zum Geld doch ohnehin als eine ihrer größten Schwachstellen.

Trumps Garderobe hingegen unterstreicht perfekt seine Wahlversprechen. Die weitfließenden Anzüge scheinen aus der Zeit zu stammen, als America wirklich noch great war – also 1980. Der kastige Schnitt, die Manschettenknöpfe, die lange Krawatten spiegeln modisch die Zeit der Old Economy wider. Und genau die will Trump ja wiederbeleben. Solide Industrie statt fancy Start-ups. Das bedeutet eben auch Anzug statt Kapuzenpulli. Zudem unterstreichen die breiten Schultern sein Bild von einem Mann. Auch das war aktuell zu einer Zeit, als ein Klaps auf den Po der Sekretärin auf vielen Chefetagen noch zum guten Ton gehörte. Trumps Garderobe entspringt einem vergangenen Jahrzehnt, genauso seine Ansichten. Doch die trägt er wenigstens völlig unerschrocken zur Schau.

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