Ungezwungener Freitag

Sieger auf weißen Sohlen

Lin Freitag
Lin Freitag Stellvertretende Ressortleiterin Erfolg

Kurzarmhemden und Comic-Schlips? Gehen gar nicht. In deutschen Büros schon. Das wollen wir ändern. Eine Kolumne.

Wenn Schuh, der so einfach ist, dass er einfach zu allem passt. Quelle: Fotolia

Manchmal ist guter Stil einfach nur das Weglassen von Überflüssigem. Vor mehr als 40 Jahren gewann der US-amerikanische Tennisprofi Stan Smith in einem eher unspektakulären Finale das wohl wichtigste Tennisturnier der Welt in Wimbledon. An seinen Füßen: Viel Weiß, ein bisschen Grün – fertig war der Schuh. Trotzdem avancierten beide, Träger wie Schuh, in kurzer Zeit zu Ikonen. Mit mehr als 40 Millionen verkauften Stück dürfte der Adidas-Schuh aber mittlerweile sogar deutlich bekannter sein als der Namensgeber. Smiths kleiner Sohn soll seinen Vater mal gefragt haben, ob der Sneaker nach ihm benannt wurde – oder der Vater nach dem Schuh. Ein Kleidungsstück wird zur Ikone, wenn die Historie faszinierend, das Design stimmig, der Zeitgeist passend ist – und die Marketingstrategie raffiniert.

Adidas rief vor anderthalb Jahren zunächst das Ende des Stan Smiths aus, um dann mithilfe prominenter Blogger und stark limitierter Stückzahl das große Comeback zu feiern. Damit leitete der Konzern einen bis heute andauernden Trend ein: Auf einmal schmückte der Stan Smith die Promi-Füße von Rapper Kanye West und Gisele Bündchen. Das Top-Model posierte in den Schuhen bei einem Fotoshooting des Modemagazins „Vogue“ – und trug ansonsten: nichts. Die Konkurrenz zog schnell nach. Das schwedische Trend-Label Acne hat in dieser Saison mehrere Varianten im Angebot. Genau wie Saint Laurent, Gucci, Jimmy Choo – und die Massenschneider von Zara und H&M. Doch warum ist das Einfache gerade wieder so beliebt? Zum einen steht ein Retroschuh wie der Stan Smith für eine weniger komplexe Welt – und bedient eine wachsende Sehnsucht in immer hektischeren Zeiten. Unterstrichen noch durch die Farbe. Weiß steht für das Gute, Unschuld, Bescheidenheit, Wahrheit. Damit passt der Schuh perfekt in eine Zeit, in der sich immer mehr Menschen nach Entschleunigung sehnen und das Glück im Weniger suchen. Zwar steigen die Ausgaben für Konsum in Deutschland seit Jahren an. Dennoch zeichnet sich eine Veränderung im Kaufverhalten ab: Die Bundesbürger kaufen weniger, aber hochwertiger.

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Schluss mit dem Primark-Prinzip „Hauptsache billig“. Verzicht ist in. Dazu passt ein Schuh, der so einfach ist, dass er einfach zu allem passt. Und damit auch ins Büro Weißes Leder ist seriöser als knallbuntes Polyester, eine flache Sohle macht sich besser auf grauen Büroteppichböden als turmhohe Luftkissen – wie etwa beim Trendschuh 2013, dem Nike-Klassiker Air Max. Damit ist der Stan Smith auch für Normalos tragbar, die nicht in einem hippen Start-up in Berlin arbeiten, sondern für ein Düsseldorfer Wirtschaftsmagazin.

Geht gut: ohne Socken, zu aufgekrempelten Hosenbeinen, einem Oxford-Hemd und dunkelblauem Sakko.

Geht gar nicht: als jugendlicher Stilbruch zum Businessanzug – total Werbebranche 2001.

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