WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Uni-Ranking Die besten Unis 2008: Wo die Elite von morgen studiert

Seite 3/4

Tobias Draisbach Quelle: Dirk Krüll für WirtschaftsWoche

Das aktuelle Hochschulranking von WirtschaftsWoche, „Handelsblatt“ und „Junge Karriere“ sowie der Beratungsgesellschaft Universum Communications zeigt die Stärken der deutschen Lehranstalten: Wo kommen die besten Wirtschaftsexperten her, wo pauken die praxiserfahrensten Ingenieure und wo werden die brillantesten Juristen ausgebildet? Das Ranking listet exklusiv die besten Universitäten und Fachhochschulen für den zukünftigen Führungs- und Fachkräftenachwuchs auf — sowohl für die Fächer Wirtschaftswissenschaften, Ingenieurwissenschaften, Jura und Informatik.

Noch nie standen die Hochschulen unter so drastischem Veränderungsdruck wie zurzeit. Bachelor, Master, Studiengebühren, Hochschulautonomie — hinter allem steckt eine kleine Revolution. Was wir erleben, sind „die tiefgreifendsten Reformen in der neueren Geschichte der deutschen Hochschulen“, sagt Karl-Heinz Minks, Experte beim Hochschul-Informations-System (HIS). Der Erneuerungsbedarf, der sich seit den Siebzigerjahren massiv aufgestaut hätte, werde nun realisiert.

Die Befragung der rund 5000 Personal- und Rekrutierungsbeauftragten — die größte ihrer Art — bringt Licht ins Hochschuldickicht. Während andere Ranglisten den Schwerpunkt auf Forschung legen, bewertet das WirtschaftsWoche-Uni-Ranking, wo Absolventen am besten auf ihren Job und ihre Karriere vorbereitet werden.

Größte Überraschung:  Bei den Volkswirten hat die Universität Bonn den rheinischen Rivalen Köln auf den zweiten Platz verwiesen. Kontinuität zeigt sich bei den restlichen Fächern: Im dritten Jahr in Folge gewinnt die Universität Heidelberg den ersten Platz für den besten Ausbildungsort für Juristen. Die RWTH Aachen siegt wie in den Vorjahren in Maschinenbau und Elektrotechnik. Den ersten Platz belegen die Unis Karlsruhe bei Informatikern und Wirtschaftsingenieuren sowie Darmstadt bei Wirtschaftsinformatikern.

Die Spitze setzt sich klar von der Masse ab. Während viele Hochschulen mit der Umsetzung trödeln, nutzen die Ranking-Sieger den Reformdruck als Chance für raschen Wandel. Die Rezepte der Gewinner:

Sie werfen bisherige Curricula über Bord, entrümpeln ihr Fächerangebot und entwickeln ein unverwechselbares Profil. Sie trainieren Studenten praxisbezogener und intensivieren interdisziplinäres Lernen. Sie knüpfen Kontakte zur Wirtschaft und erleichtern Absolventen den Jobeinstieg.

Schon heute profitieren die Studenten dieser Hochschulen enorm. Sophie Fleischmann zum Beispiel spürt an ihrer Universität eine „neue Zeit“, wie sie sagt. Die 20-Jährige gehört zu den ersten BWL-Bachelor-Frischlingen in Mannheim. Überfüllte Hörsäle, endlose Wartelisten für Seminare, all das ist Fleischmann unbekannt. Die Universität wurde renoviert, jede Lehrveranstaltung wird inzwischen von Studenten bewertet, und neben dem Studium kann sie aus einem umfangreichen Seminarangebot wählen: Adidas-Manager zeigten unlängst, wie die Markteinführung eines Produktes funktioniert, und Bosch-Mitarbeiter trainierten den Nachwuchs etwa in Sachen Führung und Mitarbeitergesprächen.

Die besten Unis verknüpfen theoretische Tiefe — traditionell die Stärke der deutschen Alma Mater — mit Inhalten aus dem Wirtschaftsalltag. Auch die Technische Hochschule Karlsruhe erfindet sich neu. Nichts bleibt, wie es war, nicht einmal der Name. Sie geht in einer Fusion mit dem Forschungszentrum Karlsruhe im neu gegründeten Karlsruhe Institute of Technology (KIT) auf — ein Novum in Deutschland mit 8000 Wissenschaftlern und einem Jahresetat von 600 Millionen Euro.

Die Ähnlichkeit im Namen zum renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) ist gewollt. Auch die Konstruktion ist ähnlich: In Karlsruhe arbeitet erstmals eine vom Bund finanzierte Forschungseinrichtung mit einer vom Land getragenen Universität zusammen. Forschung, Lehre und Innovation befruchten sich gegenseitig, so die Hoffnung.

Vorteil für die Studenten: Das Betreuungsverhältnis verbessert sich entscheidend. Künftig werden sie von Uni-Professoren und den besten Köpfen des Forschungszentrums unterrichtet. Innovationen des Instituts werden zudem schon vor Ort in die Praxis umgesetzt. Geplant sind Startups, die von Mitarbeitern des Instituts gecoacht und finanziell gefördert werden.

Die Scheu vor der Wirtschaft haben die besten staatlichen Hochschulen längst verloren. Sie setzen enge Budgets effektiver ein und stocken sie durch Kooperationen auf. Dadurch verbessern sich die Studienbedingungen. Zudem bekommen Studenten früher Kontakt zu Firmen und wachsen so oft nahtlos in ihren ersten Job hinein.

An der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) in Aachen war der Austausch zwischen Unternehmen und Universität schon immer intensiv. 150 Millionen Euro ihres 540-Millionen-Euro-Haushalts fährt die Hochschule durch Drittmittel ein – mehr als jede andere deutsche Universität. Das Energy Research Center, eine Kooperation mit dem Energiekonzern E.On, ist nur das jüngste Beispiel. Wissenschaftler des Instituts forschen unter anderem über erneuerbare Energien.

Die Aachener Ziele sind ehrgeizig - und der Weg dorthin ist noch eine große Baustelle. Sogar sprichwörtlich. Am Westrand der Stadt, auf dem Gelände eines ehemaligen Güterbahnhofs, entsteht ein neuartiger Campus. Die RWTH, die im Rahmen der Exzellenzförderung mit 180 Millionen Euro ausgestattet wurde, will Forschung und Wirtschaft noch enger verflechten. Auf einer Fläche von 200 000 Quadratmetern wird es einen Boulevard für Jogger und Autos geben, mit Restaurants, einer Kita, Kongresszentren, Geschäften und kurzen Wegen zwischen Uni-Einrichtungen und Unternehmen. Zwischen 750 Millionen und einer  Milliarde Euro kostet das Projekt, und in einigen Jahren sollen dort rund 10.000 Menschen Arbeit finden: darunter Spitzenforscher und Top-Studenten aus der ganzen Welt – so der Plan. Andreas Achtzehn profitiert von dem Projekt. Der 25-Jährige studiert an der RWTH im zehnten Semester Elektrotechnik und arbeitet als Hilfskraft am Lehrstuhl für Mobilfunknetze. Die Forschungsgelder des Lehrstuhls stammen unter anderem aus der Exzellenzförderung der Bundesregierung. Achtzehn und seine Kollegen entwickeln Instrumente, die mobile Kommunikation in unser Leben integrieren, etwa elektrische Zahnbürsten, die einen Bürstenkopf bestellen, wenn der alte verbraucht ist. „Wir arbeiten hier wie in der Forschungsabteilung eines Unternehmens“, sagt Achtzehn. Das macht sich gut im Lebenslauf: Achtzehn hatte schon mehrere Angebote aus der Industrie auf dem Tisch.

Das neue Denken in den Hochschulverwaltungen wirbelt das hiesige System durcheinander. Bisher lagen private Kaderschmieden mit ihren Kontakten zur Wirtschaft vorn. Doch die Spitze der staatlichen Unis hat die Privaten inzwischen überholt. Auch deswegen sind ihnen die ersten Plätze in den Ranglisten längst nicht mehr sicher. Die Wissenschaftliche Hochschule für Unternehmensführung (WHU) bei Koblenz macht im Vergleich zum Vorjahr zwar Boden gut und klettert von Platz zwölf auf Platz vier, ebenso die Handelshochschule Leipzig (HHL), die sich von Platz 15 auf den achten Rang verbesserte. Doch schon die European Business School musste vom dritten auf den sechsten Platz weichen, und die Privatuni Witten-Herdecke ist im Ranking gar nicht vertreten.

Einziger Wermutstropfen: Im Durchschnitt schneiden die Privat-Absolventen bei Personalchefs immer noch bestens ab. Laut Befragung sind sie durchsetzungsstärker, haben bessere Fremdsprachenkenntnisse und treten besser auf. Nur bei der Eigenständigkeit sehen die Personalchefs die Absolventen staatlicher Hochschulen klar vorn.

Große Unternehmen kennen die Stärken der Absolventen genau. Die Personal- und Rekrutierungsabteilungen analysieren regelmäßig eingestellte Bewerber, sowie Forschungsrankings, Karrieremessen und Medienartikel — und ziehen so Rückschlüsse auf die Qualität der Hochschulen. Im Kampf um Nachwuchs-Talente preschen manche Unternehmen dann frühzeitig an die Top-Unis. Ihre Strategie: Sie definieren für sich „Zielhochschulen“, an denen sie sich verstärkt engagieren und auf dortigen Karrieremessen für sich werben.

Besonders aktiv ist die Deutsche Bank. Mehrere Teams mit im Schnitt zehn Mitgliedern kümmern sich um die wichtigsten Ziel-Unis. Abwechselnd besuchen sie Diskussionen, Uni-Messen und Workshops. Machen sie einen geeigneten Kandidaten ausfindig, kann der „Team Captain“ persönlich ein Vertragsangebot aussprechen — teilweise schon am selben Abend.

Sogar die Vorstände der Deutschen Bank müssen ran. Sie verpflichten sich neuerdings, drei bis vier Universitäten pro Jahr zu besuchen. Dort halten sie Vorträge, beteiligen sich an Diskussionen und präsentieren die Bank „als attraktiven Arbeitgeber“, sagt Georg Johann Bachmaier, Leiter Personalrekrutierung für Deutschland. Studenten wollen „in Kontakt mit Top-Führungskräften kommen und sich so ein Bild des Unternehmens machen“. Nebenbei erfährt der Student, dass die Bank jährlich rund 1000 Absolventen einstellt.

Eine der Top-Zielunis von Banken ist etwa die Goethe-Universität Frankfurt. Gemeinsam mit der Commerzbank gründete sie jüngst das Forschungszentrum „Retail Banking Competence Center“. SAP wiederum hat in Deutschland 250 Hochschulen mit SAP-Software ausgerüstet und hält intensiven Kontakt. Die IT-Beratung Cirquent, eine 100-prozentige BMW-Tochter, schätzt die Master-Ausbildung „Beratung“ an der FH Emden und den Weiterbildungskurs „Finanzen für Informatiker“ an der TU Darmstadt. Audi fördert Doktoranden und Postdoktoranden der Geistes- und Sozialwissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU).

Die Kooperation mit Lehrstühlen ist für Audi ein „wichtiges Thema, das in Zukunft an Bedeutung zunehmen wird“, sagt Audi-Personalvorstand Werner Widuckel. „Wir wollen die leistungsstarken Mitarbeiter so früh wie möglich kennenlernen.“

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%