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Uni-Ranking Die besten Unis 2008: Wo die Elite von morgen studiert

Die deutschen Hochschulen befinden sich im Umbruch: Sie müssen unternehmerischer, praxisorientierter und fokussierter handeln. Das exklusive Uni-Ranking zeigt, wo Ökonomen, Juristen, Ingenieure und Informatiker am besten studieren.

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Sophie Fleischmann Quelle: Dirk Krüll für WirtschaftsWoche

Mannheim erlebt einen Kulturschock. Der Rektor der Universität, Hans-Wolfgang Arndt, bezeichnet sich als Unternehmer und kommt sich dabei kein bisschen merkwürdig vor. Fragt man ihn nach der Zukunft seiner Uni, sagt er: „Unsere einzige Überlebenschance ist es, zu einer Marke zu werden.“ Schon in wenigen Jahren werde die Frage nicht mehr lauten: „Was haben Sie studiert, sondern nur noch: Wo?“

Arndt verordnete der Uni Mannheim einen radikalen Umbau. Die Lehranstalt wurde auf das ausgerichtet, was sie am besten kann: die Ausbildung von Wirtschaftsexperten. Was nicht passte, wurde zusammengeschrumpft, dichtgemacht oder neu erfunden. Selbst Jura wird näher an Wirtschaftswissenschaften herangerückt. Durch interne Reformen, Stiftungsgelder und Mittel aus der Exzellenzinitiative entstehen fast 20 neue Professorenstellen. Damit werden Volks- und Betriebswirtschaftslehre sowie Wirtschaftsinformatik gestärkt. Und es ist der Abschied von einer Universität, die alles will und glaubt, alles zu können.

Der Wirtschaft gefällt das. Die Personalchefs der größten Unternehmen in Deutschland haben in einer aktuellen Umfrage für das große Uni-Ranking der WirtschaftsWoche die Universität an die Spitze aller betriebswissenschaftlichen Fakultäten gewählt. Mannheim besitzt im Fach BWL das höchste Renommee, bringt die besten Absolventen hervor und überzeugt durch ein zukunftsfestes Konzept. Damit verweist die Hochschule Wettbewerber Köln und Münster auf die Ränge.

Ulrich Pickmeier Quelle: Dirk Krüll für WirtschaftsWoche

Das aktuelle Hochschulranking von WirtschaftsWoche, „Handelsblatt“ und „Junge Karriere“ sowie der Beratungsgesellschaft Universum Communications zeigt die Stärken der deutschen Lehranstalten: Wo kommen die besten Wirtschaftsexperten her, wo pauken die praxiserfahrensten Ingenieure und wo werden die brillantesten Juristen ausgebildet? Das Ranking listet exklusiv die besten Universitäten und Fachhochschulen für den zukünftigen Führungs- und Fachkräftenachwuchs auf — sowohl für die Fächer Wirtschaftswissenschaften, Ingenieurwissenschaften, Jura und Informatik.

Noch nie standen die Hochschulen unter so drastischem Veränderungsdruck wie zurzeit. Bachelor, Master, Studiengebühren, Hochschulautonomie — hinter allem steckt eine kleine Revolution. Was wir erleben, sind „die tiefgreifendsten Reformen in der neueren Geschichte der deutschen Hochschulen“, sagt Karl-Heinz Minks, Experte beim Hochschul-Informations-System (HIS). Der Erneuerungsbedarf, der sich seit den Siebzigerjahren massiv aufgestaut hätte, werde nun realisiert.

Die Befragung der rund 5000 Personal- und Rekrutierungsbeauftragten — die größte ihrer Art — bringt Licht ins Hochschuldickicht. Während andere Ranglisten den Schwerpunkt auf Forschung legen, bewertet das WirtschaftsWoche-Uni-Ranking, wo Absolventen am besten auf ihren Job und ihre Karriere vorbereitet werden.

Tobias Draisbach Quelle: Dirk Krüll für WirtschaftsWoche

Das aktuelle Hochschulranking von WirtschaftsWoche, „Handelsblatt“ und „Junge Karriere“ sowie der Beratungsgesellschaft Universum Communications zeigt die Stärken der deutschen Lehranstalten: Wo kommen die besten Wirtschaftsexperten her, wo pauken die praxiserfahrensten Ingenieure und wo werden die brillantesten Juristen ausgebildet? Das Ranking listet exklusiv die besten Universitäten und Fachhochschulen für den zukünftigen Führungs- und Fachkräftenachwuchs auf — sowohl für die Fächer Wirtschaftswissenschaften, Ingenieurwissenschaften, Jura und Informatik.

Noch nie standen die Hochschulen unter so drastischem Veränderungsdruck wie zurzeit. Bachelor, Master, Studiengebühren, Hochschulautonomie — hinter allem steckt eine kleine Revolution. Was wir erleben, sind „die tiefgreifendsten Reformen in der neueren Geschichte der deutschen Hochschulen“, sagt Karl-Heinz Minks, Experte beim Hochschul-Informations-System (HIS). Der Erneuerungsbedarf, der sich seit den Siebzigerjahren massiv aufgestaut hätte, werde nun realisiert.

Die Befragung der rund 5000 Personal- und Rekrutierungsbeauftragten — die größte ihrer Art — bringt Licht ins Hochschuldickicht. Während andere Ranglisten den Schwerpunkt auf Forschung legen, bewertet das WirtschaftsWoche-Uni-Ranking, wo Absolventen am besten auf ihren Job und ihre Karriere vorbereitet werden.

Größte Überraschung:  Bei den Volkswirten hat die Universität Bonn den rheinischen Rivalen Köln auf den zweiten Platz verwiesen. Kontinuität zeigt sich bei den restlichen Fächern: Im dritten Jahr in Folge gewinnt die Universität Heidelberg den ersten Platz für den besten Ausbildungsort für Juristen. Die RWTH Aachen siegt wie in den Vorjahren in Maschinenbau und Elektrotechnik. Den ersten Platz belegen die Unis Karlsruhe bei Informatikern und Wirtschaftsingenieuren sowie Darmstadt bei Wirtschaftsinformatikern.

Die Spitze setzt sich klar von der Masse ab. Während viele Hochschulen mit der Umsetzung trödeln, nutzen die Ranking-Sieger den Reformdruck als Chance für raschen Wandel. Die Rezepte der Gewinner:

Sie werfen bisherige Curricula über Bord, entrümpeln ihr Fächerangebot und entwickeln ein unverwechselbares Profil. Sie trainieren Studenten praxisbezogener und intensivieren interdisziplinäres Lernen. Sie knüpfen Kontakte zur Wirtschaft und erleichtern Absolventen den Jobeinstieg.

Schon heute profitieren die Studenten dieser Hochschulen enorm. Sophie Fleischmann zum Beispiel spürt an ihrer Universität eine „neue Zeit“, wie sie sagt. Die 20-Jährige gehört zu den ersten BWL-Bachelor-Frischlingen in Mannheim. Überfüllte Hörsäle, endlose Wartelisten für Seminare, all das ist Fleischmann unbekannt. Die Universität wurde renoviert, jede Lehrveranstaltung wird inzwischen von Studenten bewertet, und neben dem Studium kann sie aus einem umfangreichen Seminarangebot wählen: Adidas-Manager zeigten unlängst, wie die Markteinführung eines Produktes funktioniert, und Bosch-Mitarbeiter trainierten den Nachwuchs etwa in Sachen Führung und Mitarbeitergesprächen.

Die besten Unis verknüpfen theoretische Tiefe — traditionell die Stärke der deutschen Alma Mater — mit Inhalten aus dem Wirtschaftsalltag. Auch die Technische Hochschule Karlsruhe erfindet sich neu. Nichts bleibt, wie es war, nicht einmal der Name. Sie geht in einer Fusion mit dem Forschungszentrum Karlsruhe im neu gegründeten Karlsruhe Institute of Technology (KIT) auf — ein Novum in Deutschland mit 8000 Wissenschaftlern und einem Jahresetat von 600 Millionen Euro.

Die Ähnlichkeit im Namen zum renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) ist gewollt. Auch die Konstruktion ist ähnlich: In Karlsruhe arbeitet erstmals eine vom Bund finanzierte Forschungseinrichtung mit einer vom Land getragenen Universität zusammen. Forschung, Lehre und Innovation befruchten sich gegenseitig, so die Hoffnung.

Vorteil für die Studenten: Das Betreuungsverhältnis verbessert sich entscheidend. Künftig werden sie von Uni-Professoren und den besten Köpfen des Forschungszentrums unterrichtet. Innovationen des Instituts werden zudem schon vor Ort in die Praxis umgesetzt. Geplant sind Startups, die von Mitarbeitern des Instituts gecoacht und finanziell gefördert werden.

Die Scheu vor der Wirtschaft haben die besten staatlichen Hochschulen längst verloren. Sie setzen enge Budgets effektiver ein und stocken sie durch Kooperationen auf. Dadurch verbessern sich die Studienbedingungen. Zudem bekommen Studenten früher Kontakt zu Firmen und wachsen so oft nahtlos in ihren ersten Job hinein.

An der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) in Aachen war der Austausch zwischen Unternehmen und Universität schon immer intensiv. 150 Millionen Euro ihres 540-Millionen-Euro-Haushalts fährt die Hochschule durch Drittmittel ein – mehr als jede andere deutsche Universität. Das Energy Research Center, eine Kooperation mit dem Energiekonzern E.On, ist nur das jüngste Beispiel. Wissenschaftler des Instituts forschen unter anderem über erneuerbare Energien.

Die Aachener Ziele sind ehrgeizig - und der Weg dorthin ist noch eine große Baustelle. Sogar sprichwörtlich. Am Westrand der Stadt, auf dem Gelände eines ehemaligen Güterbahnhofs, entsteht ein neuartiger Campus. Die RWTH, die im Rahmen der Exzellenzförderung mit 180 Millionen Euro ausgestattet wurde, will Forschung und Wirtschaft noch enger verflechten. Auf einer Fläche von 200 000 Quadratmetern wird es einen Boulevard für Jogger und Autos geben, mit Restaurants, einer Kita, Kongresszentren, Geschäften und kurzen Wegen zwischen Uni-Einrichtungen und Unternehmen. Zwischen 750 Millionen und einer  Milliarde Euro kostet das Projekt, und in einigen Jahren sollen dort rund 10.000 Menschen Arbeit finden: darunter Spitzenforscher und Top-Studenten aus der ganzen Welt – so der Plan. Andreas Achtzehn profitiert von dem Projekt. Der 25-Jährige studiert an der RWTH im zehnten Semester Elektrotechnik und arbeitet als Hilfskraft am Lehrstuhl für Mobilfunknetze. Die Forschungsgelder des Lehrstuhls stammen unter anderem aus der Exzellenzförderung der Bundesregierung. Achtzehn und seine Kollegen entwickeln Instrumente, die mobile Kommunikation in unser Leben integrieren, etwa elektrische Zahnbürsten, die einen Bürstenkopf bestellen, wenn der alte verbraucht ist. „Wir arbeiten hier wie in der Forschungsabteilung eines Unternehmens“, sagt Achtzehn. Das macht sich gut im Lebenslauf: Achtzehn hatte schon mehrere Angebote aus der Industrie auf dem Tisch.

Das neue Denken in den Hochschulverwaltungen wirbelt das hiesige System durcheinander. Bisher lagen private Kaderschmieden mit ihren Kontakten zur Wirtschaft vorn. Doch die Spitze der staatlichen Unis hat die Privaten inzwischen überholt. Auch deswegen sind ihnen die ersten Plätze in den Ranglisten längst nicht mehr sicher. Die Wissenschaftliche Hochschule für Unternehmensführung (WHU) bei Koblenz macht im Vergleich zum Vorjahr zwar Boden gut und klettert von Platz zwölf auf Platz vier, ebenso die Handelshochschule Leipzig (HHL), die sich von Platz 15 auf den achten Rang verbesserte. Doch schon die European Business School musste vom dritten auf den sechsten Platz weichen, und die Privatuni Witten-Herdecke ist im Ranking gar nicht vertreten.

Einziger Wermutstropfen: Im Durchschnitt schneiden die Privat-Absolventen bei Personalchefs immer noch bestens ab. Laut Befragung sind sie durchsetzungsstärker, haben bessere Fremdsprachenkenntnisse und treten besser auf. Nur bei der Eigenständigkeit sehen die Personalchefs die Absolventen staatlicher Hochschulen klar vorn.

Große Unternehmen kennen die Stärken der Absolventen genau. Die Personal- und Rekrutierungsabteilungen analysieren regelmäßig eingestellte Bewerber, sowie Forschungsrankings, Karrieremessen und Medienartikel — und ziehen so Rückschlüsse auf die Qualität der Hochschulen. Im Kampf um Nachwuchs-Talente preschen manche Unternehmen dann frühzeitig an die Top-Unis. Ihre Strategie: Sie definieren für sich „Zielhochschulen“, an denen sie sich verstärkt engagieren und auf dortigen Karrieremessen für sich werben.

Besonders aktiv ist die Deutsche Bank. Mehrere Teams mit im Schnitt zehn Mitgliedern kümmern sich um die wichtigsten Ziel-Unis. Abwechselnd besuchen sie Diskussionen, Uni-Messen und Workshops. Machen sie einen geeigneten Kandidaten ausfindig, kann der „Team Captain“ persönlich ein Vertragsangebot aussprechen — teilweise schon am selben Abend.

Sogar die Vorstände der Deutschen Bank müssen ran. Sie verpflichten sich neuerdings, drei bis vier Universitäten pro Jahr zu besuchen. Dort halten sie Vorträge, beteiligen sich an Diskussionen und präsentieren die Bank „als attraktiven Arbeitgeber“, sagt Georg Johann Bachmaier, Leiter Personalrekrutierung für Deutschland. Studenten wollen „in Kontakt mit Top-Führungskräften kommen und sich so ein Bild des Unternehmens machen“. Nebenbei erfährt der Student, dass die Bank jährlich rund 1000 Absolventen einstellt.

Eine der Top-Zielunis von Banken ist etwa die Goethe-Universität Frankfurt. Gemeinsam mit der Commerzbank gründete sie jüngst das Forschungszentrum „Retail Banking Competence Center“. SAP wiederum hat in Deutschland 250 Hochschulen mit SAP-Software ausgerüstet und hält intensiven Kontakt. Die IT-Beratung Cirquent, eine 100-prozentige BMW-Tochter, schätzt die Master-Ausbildung „Beratung“ an der FH Emden und den Weiterbildungskurs „Finanzen für Informatiker“ an der TU Darmstadt. Audi fördert Doktoranden und Postdoktoranden der Geistes- und Sozialwissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU).

Die Kooperation mit Lehrstühlen ist für Audi ein „wichtiges Thema, das in Zukunft an Bedeutung zunehmen wird“, sagt Audi-Personalvorstand Werner Widuckel. „Wir wollen die leistungsstarken Mitarbeiter so früh wie möglich kennenlernen.“

Stressiger Bachelor

Top-Talente rekrutieren die Unternehmen seit Jahrzehnten vor allem in Deutschland - und nicht im Ausland. Nur eine Minderheit der Vorstände in Dax-Unternehmen hat jenseits der Grenzen studiert, so eine Analyse der Personalberatung Heidrick & Struggles. Die Vorstandsschmieden stehen vor allem in München (TU und LMU), Göttingen, Karlsruhe und Köln.

Die Hochschulen müssen aber aufpassen, dass sie die Zeichen der Zeit nicht übersehen. Die Anforderungen der Wirtschaft haben sich geändert: Manager von morgen müssten „eine partnerschaftlich orientierte Unternehmenskultur“ und „ethikorientierte Führung“ verfolgen, sagt Dieter Frey, Wirtschaftspsychologe an der LMU. Hochschulen müssten Studenten „Grundlagen des Umgangs mit Menschen“ beibringen, etwa „richtige Fragen zu stellen, die Motive seines Gegenübers zu erkennen“ und „Mitarbeiter zu Höchstleistungen“ zu bringen.

Der Veränderungsdruck an den Hochschulen durch Exzellenzinitiative, Hochschulautonomie und die Umstellung auf neue Abschlüsse wie Bachelor und Master, wie von den europäischen Bildungsministern 1999 in Bologna vereinbart, kommt gerade recht. „Es ist gut, dass der Pfropfen endlich gezogen ist“, sagt Thomas Sattelberger, Personalvorstand bei Deutsche Telekom. Der Rückstand ist aber „noch groß“. Der Umbau des deutschen Hochschulsystems gleiche einem „laufenden Reparaturbetrieb“. Die verkrustete deutsche Almer Mater muss noch „einen mühsamen Weg gehen“.

Noch knirscht es gewaltig im Reformgebälk. Das spüren Menschen wie Rudolf Hübner fast täglich. Der Jurastudent aus Heidelberg leitet inzwischen Tutorien mit Studienanfängern und hat so den direkten Vergleich zu seiner Zeit als Frischling. „Man merkt, dass die jüngeren Semester unter größerem Druck stehen“, sagt der 26-Jährige. Sie verbringen mehr Zeit in der Bibliothek und wollen keine Zeit verlieren: Wer ein Semester vergeigt, muss extra zahlen. » Jedes halbe Jahr an der Uni schlägt mit 500 Euro Studiengebühr aufs Budget.

Julia Kirn von der Universität Karlsruhe berichtet Ähnliches: „Die Bachelor-Studenten sind schon sehr im Stress. Die müssen durchweg mehr Veranstaltungen besuchen als wir“, sagt die 21-Jährige. Kirn studiert Wirtschaftsingenieurwesen und gehört dem letzten Diplom-Studiengang an.

Experten stützen die Beobachtung der Studenten. „Sorgen über die Studienfinanzierung und eng gestrickte Lehrpläne erzeugen Stress“, sagt der Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks (DSW), Achim Meyer auf der Heyde, und belegt das mit Zahlen: 2004 kamen rund 16.100 Menschen in die psychologischen Beratungsstellen der Unis, 2006 baten fast 23.000 um Hilfe. Und die Probleme sind vielfältig.

Zum Beispiel Bachelor: Hier wurde die Studienzeit so vollgepackt, dass Studenten oft Zeit für Auslandssemester fehlt. Laut Erhebungen des DSW ist der Aufwand eines Bachelor-Studiums mit 36 Wochenstunden fast so groß wie ein Jura-Staatsexamensstudium mit 41 Wochenstunden. Magister-Studenten müssen lediglich 30 Stunden aufwenden.

Zum Beispiel Auslandsstudium:   Bei der internationalen Mobilität gibt es Probleme. So sind deutsche Bachelor-Programme oft nur sechs Semester lang. Master-Programme im Ausland verlangen häufig vier Jahre. Wer sich etwa für ein Master-Programm in Holland bewirbt, bekommt seinen deutschen Bachelor mitunter nicht anerkannt. Umgekehrt werden ausländische Lehrveranstaltungen oft in Deutschland nicht angerechnet. Hier hilft nur, sich bei Partnerunis der eigenen Hochschule zu bewerben oder vor Auslandssemestern schriftlich fixieren zu lassen, was anerkannt wird und was nicht.

Zum Beispiel Vergleichbarkeit:   Bei dem Ziel, die Abschlüsse international vergleichbar zu machen, „hinken die meisten Hochschulen weit hinterher“, sagt Christian Schutz, verantwortlich für Strategische Personalentwicklung und Nachwuchssicherung bei BMW sowie Leiter des Bereichs Bachelor/Master beim Arbeitskreis Personalmarketing (DAPM). Die im Rahmen des Bologna-Prozesses zusätzlich zu vergebenden Noten von „A“ bis „F“ — sie spiegeln die Leistung im Vergleich zu Mitstudenten eines Jahrgangs wider - hätte „nur ein Bruchteil der Hochschulen umgesetzt“, sagt Schutz. Zudem würden noch immer zu wenige Hochschulen ihren Absolventen ein „Diploma Supplement“, also eine detaillierte Liste der Pflichtkurse und Wochenstunden, als Zertifikat mitliefern. Für Unternehmen sei das ein wichtiges Element, um Studenten vergleichen zu können.

Zum Beispiel Inhalt: Der große Wurf bei den Studienprogrammen ist der Mehrheit nicht gelungen. Statt innovative und interdisziplinäre Studiengänge anzubieten, hätten die Hochschulen meist „alten Wein in neue Schläuche gegossen“, sagt Telekom-Vorstand Sattelberger. „Zutiefst betroffen“ machen ihn etwa die hohen Abbrecherquoten.

Die deutschen Spitzen-Unis haben die Probleme allerdings erkannt. Um beispielsweise die Vergleichbarkeit der Abschlüsse und der Noten zu gewährleisten, knüpfen sie bereits enge Kontakte zu ausländischen Hochschulen. Die Universität Mannheim macht das Auslandssemester sogar obligatorisch: Alle BWL-Bachelor-Studenten müssen ein Semester an einer ausländischen Alma Mater verbringen.

Die Ausbildung an Fachhochschulen ist da schon weiter. Unbemerkt vom medialen Hype haben sie ihre Hausaufgaben gemacht und sind den Universitäten oft einen Schritt voraus. Grund: Sie bieten Bachelor-Programme mit Seminaren zu Handlungskompetenzen und intensiven Praxismodulen an, die sich oft über ein ganzes Semester hinziehen. Universitäten haben die Lehre lediglich auf sechs Semester reduziert — ohne dabei Praxiselemente anzubieten. Deshalb können die Fachhochschulen „die Gewinner dieser Entwicklung“ sein, sagt HIS-Forscher Minks.

Universitäten und Fachhochschulen bewegen sich ohnehin „aufeinander zu“, sagt BMW-Manager Schutz. Dieser Meinung sind auch knapp 39 Prozent seiner Personalkollegen in anderen Unternehmen. Die Universitäten würden gezwungen, ihre Lehre stärker an der Praxis aus- » zurichten und Sozial- und Methodenkompetenzen zu lehren. Die FHs haben hier schon Erfahrungen. Zudem werde der Wechsel von einem FH-Bachelor zu einem Master an einer Universität erleichtert.

Die FH-Absolventen brauchen sich längst nicht mehr vor ihren Uni-Kommilitonen verstecken. Zwar schneiden sie in einigen Punkten wie Theoriewissen und Auslandserfahrung schlechter ab. Doch die Mehrheit der befragten Personalchefs kann in den meisten Aspekten keinen Unterschied mehr ausmachen.

Zu den stärksten FHs zählt die Hochschule Reutlingen. Mit deutlichem Abstand liegen die Schwaben in BWL an der Spitze. Rund 46 Prozent der Personalmanager schätzen die internationale und praxisorientierte Ausrichtung ihrer beiden wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten: der European School of Business (ESB) und der School of International Business (SIB). Die Bachelor-Programme integrieren etwa Planspiele und Präsentationen. Viele Dozenten kommen aus der Praxis, und einige Vorlesungen werden in einer Fremdsprache gehalten. Folge für die Studenten: „Rund 70 Prozent haben einen Job sicher, bevor sie ihr Bachelor-Zeugnis in den Händen halten“, sagt Gerd Nufer, Prodekan der Reutlinger SIB.

Zudem geht Reutlingen ähnliche Wege wie die erfolgsverwöhnte Mannheimer Universität: Sie setzt auf Profilbildung. Zusammen mit der Fakultät „Produktionsmanagement“ fusionieren die beiden anderen Einrichtungen zu einer neuen Marke: ESB Reutlingen. Die neue Business School umfasst künftig 60 Professoren und mehr als 40 Mitarbeiter. Die Betreuungsquote für die 2500 Studenten sinkt so auf etwa 41 zu 1 - deutlich besser als der deutsche Durchschnitt.

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